Kino-Tarifabschluss

Wesentliche strukturelle Verbesserungen – lange Laufzeit

Neuer Tarifvertrag mit dem Hauptverband Deutscher Filmtheater (HDF): Für ca. 10.000 Beschäftigte konnten neben spürbaren Lohnverbesserungen von 3 Prozent im Jahr 2001 und dem Einstieg in die 38-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich, im Mantel-Bereich umfangreiche strukturelle Verbesserungen erzielt werden.

Nach 12-stündigen Verhandlungen haben sich ver.di und der HDF in der 5. Verhandlungsrunde am 10. August auf einen neuen Bundestarifvertrag die Beschäftigten der Filmtheater geeinigt.

Herausragend ist die Verkürzung der Wochenarbeitszeit in 2 Stufen (39 Stunden ab 1. Januar 2003 und 38 Stunden ab 1. Januar 2004). Gleichzeitig wird der tarifvertragliche Urlaubsanspruch in Stufen angehoben, so dass unter 30-Jährige im Jahr 2004 fünf Wochen und über 30- bzw. über 50-Jährige dann 26 bzw. 28 Arbeitstage Mindesturlaubsanspruch haben.

Elementar ist auch die Neufassung der seit über 10 Jahren umstrittenen Ortsklassenregelung. Bisher wurden lediglich sog. Erst- und Uraufführungstheater in Städten mit über 100.000 Einwohner in die höchste Ortsklasse S gruppiert. Zukünftig rücken alle Kinocenter und Multiplexe mit mehr als acht Leinwänden und 1800 Sitzplätzen, unabhängig vom Standort, in die höher entlohnte S-Klasse auf. Durch die Umgruppierung steigen die Tariflöhne in den betroffenen Theatern um fünf bis zehn Prozent. Die Anpassung erfolgt stufenweise über einen Zeitraum von drei Jahren.

Neu und wichtig:

Im Zusammenhang mit Studium, Aus- oder Weiterbildung haben Beschäftigte, die dem Betrieb mindestens 18 Monate angehören zukünftig das Recht auf unbezahlte Freistellung von drei bis sechs Monaten. Ebenfalls neu und vor dem Hintergrund der Euro-Einführung wichtig ist die tarifvertragliche Haftungsregelung. Die Arbeitnehmerhaftung beschränkt sich demnach lediglich auf Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit.

Die Arbeitgeberseite war zu den langfristigen strukturellen Verbesserungen (Laufzeit 48 Monate) nur bereit, wenn ver.di gleichzeitig einem drei-jährigen Lohnabkommen zustimmt. Trotz Bedenken hat sich die Verhandlungskommission vor dem Hintergrund der umfangreichen Mantel-Verbesserungen entschieden, dies zu akzeptieren.

Ab 1. September 2001 steigen die Löhne und Zulagen um 3,0 Prozent, jeweils zum 1. Juli der Jahre 2002 und 2003 um weitere 2,0 Prozent. Für die letzte Stufe der Lohnerhöhung hat ver.di ein inflationsabhängiges Sonderkündigungsrecht vereinbart. Die jährliche Sonderleistung steigt im Jahr 2001 von bisher 750 DM auf 1.000 DM. In den beiden folgenden Jahren auf 525 Euro bzw. 540 Euro.

Im Rahmen des Gesamtabschlusses war ver.di bereit, zwei Forderungen des HDF teilweise zu erfüllen. Für Teilzeitarbeitsverhältnisse, die ab dem 1. Juli 2001 geschlossen wurden, werden Mehrarbeitszuschläge nur bei Überschreitung der tariflichen Wochenarbeitszeit gezahlt.

Die Forderung der Arbeitgeber nach befristeten Arbeitsverhältnissen im Rahmen der gesetzlichen Regelungen konnte weitgehend abgewehrt werden. Es ist nun aber möglich, dass bis zu zehn Prozent der Mitarbeiter in einem befristeten Arbeitsverhältnis stehen.

Im Hinblick auf die gesetzliche Neuregelung der Rente wurden Tarifgespräche für den Anfang 2002 vereinbart.

Der neue Bundes-Tarifvertrag, der rückwirkend zum 1. Juli in Kraft getreten ist, konnte nur durch eine hohe Arbeitskampfbereitschaft durchgesetzt werden. Bereits vor Wochen hatten die Arbeitgeber diesbezüglich einen Streikfonds aufgelegt, um mögliche finanzielle Unwägbarkeiten zu kompensieren.

Geblieben ist ein Ärgernis: Durch Satzungsänderung im letzten Jahr hat der HDF eine Mitgliedschaft ohne Tarifbindung ermöglicht. Davon betroffen ist u.a. die Kinowelt-Kette. Hier verhandelt ver.di z.Zt. einen Haustarifvertrag. Der erzielte Abschluss gilt ebenfalls nicht für Beschäftigte von Ufa und Cinemaxx. Für sie gilt ein ver.di-Tarifvertrag mit dem Arbeitgeberverband Dienstleistungsunternehmen ar.de (siehe M1-2/2001).

nach oben

weiterlesen

Wo der Journalismus an sein Limit stößt

„This is Media Now“ unter diesem Motto liefern die Münchner Medientage vom 24. bis 30. Oktober eine Bestandsaufnahme der aktuellen Situation der Branche – aufgrund von Corona erstmals auf einem digitalen Kongress. Eine Woche lang debattieren neben Vertretern klassischer Massenmedien auch neue Akteure wie YouTuber, Tik Tok-Kreative, Influencer und Podcaster über Markt- und Medientrends.
mehr »

Chance nicht vergeben: Whistleblowing regeln

Vor genau einem Jahr hat die Europäische Union eine Richtlinie zum Schutz von Personen, die Verstöße gegen das Unionsrecht melden, die sogenannte Whistleblowing-Richtlinie, verabschiedet. Die Umsetzung in nationales Recht kommt in Deutschland nicht voran. Statt Rechtssicherheit für Hinweisgeber*innen zu schaffen und damit auch investigativen Journalismus zu stärken, streiten die zuständigen Ministerien darüber, ob sie die Richtlinie überhaupt national anwenden oder auf EU-Recht beschränken sollen.
mehr »

Bayerischer Rundfunk hat neue Intendantin

Der Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks (BR) hat am 22. Oktober Dr. Katja Wildermuth zur neuen Intendantin gewählt. Wildermuth ist damit die vierte Frau, die aktuell einen Chefsessel in den elf öffentlich-rechtlichen Sendern besetzt und die erste Intendantin in der Geschichte des BR. Für ihre Wahl hatten sich auch das BR Frauennetzwerk mit Appellen an die Rundfunkratsmitglieder stark gemacht. Die neuen Intendantin wurde überraschend klar mit 38 von 48 Stimmen im ersten Wahlgang gekürt.
mehr »

Bußgeld für politische Werbung

Die Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg (LFK) hat ein Bußgeld in Höhe von 65.000 Euro gegen den Regionalsender L-TV verhängt, weil dieser gegen Bezahlung Demonstrationen der Initiative „Querdenken 711“ beworben und übertragen hatte. Das Verfahren war bereits im August eingeleitet worden. Grundlage ist ein Verstoß gegen § 11 Abs. 1 des Landesmediengesetzes in Verbindung mit § 7 Abs. 9 des Rundfunkstaatsvertrags, wonach politische Werbung im Rundfunk unzulässig ist.
mehr »