Unter dem Titel „The Good, The Bad, The Journ@list – zwischen Creator Economy, News Fatigue und berufsethischen Standards” findet am 31. Januar 2026 der 38. Journalismustag der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di in Berlin mit rund 200 teilenehmenden Medienschaffenden aus allen Mediengattungen im ver.di-Haus statt.
Im Mittelpunkt stehen die zunehmenden politischen, ökonomischen und technologischen Herausforderungen für journalistische Arbeit und demokratische Öffentlichkeit. Der Journalismus steht an einem Wendepunkt.
„Pressefreiheit ist keine Selbstverständlichkeit mehr – sie muss aktiv geschützt werden“, erklärt Christoph-Schmitz-Detlefsen als für Medien zuständiges Mitglied im ver.di-Bundesvorstand. „Wenn Plattformen wie TikTok oder X darüber entscheiden, was Reichweite bekommt, und politische Verantwortungsträger, dem nichts entgegensetzen, wird Journalismus erpressbar. Das ist eine Gefahr für unsere Demokratie.“
Machtverhältnisse zwischen öffentlicher Meinungsbildung und journalistischer Unabhängigkeit
Immer mehr Menschen informieren sich über Plattformen wie TikTok oder X (ehemals Twitter). Deren ökonomische Interessen und politische Einflussnahme, ihre intransparenten Algorithmen sowie KI-generierte Medieninhalte bestimmen dort, welche journalistischen Inhalte sichtbar werden – und welche nicht. Das verschiebt Machtverhältnisse in der öffentlichen Meinungsbildung zulasten journalistischer Unabhängigkeit.
Zugleich wächst der Druck auf Medien und Journalist*innen. Internationale Entwicklungen, insbesondere in den USA, zeigen, wie schnell journalistische Freiheit unter Druck geraten kann, wenn politische Macht, oligopolistische Plattformökonomie und Desinformation ineinandergreifen. Wo politische Regulierung fehlt oder zögerlich bleibt, wird die demokratische Öffentlichkeit verwundbar.
Auch Peter Freitag, Co-Vorsitzender der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union, warnt vor den Folgen einer unregulierten digitalen Öffentlichkeit:
„Journalistische Inhalte werden heute nicht mehr nur in Redaktionen entschieden, sondern auch in den Feeds. Wenn Plattformen die Spielregeln bestimmen, ohne transparent oder demokratisch kontrolliert zu sein, gerät journalistische Unabhängigkeit unter Druck. Wir brauchen politische Lösungen – und zwar schnell.“
Der 38. Journalismustag greift diese Entwicklungen auf. Diskutiert wird mit Markus Beckedahl, Nadia Zaboura, Michail Paweletz, Esra Karakaya und weiteren Expert*innen, wie sich journalistische Arbeit in einer plattformdominierten Öffentlichkeit verändert, welche Chancen und Konflikte die Zusammenarbeit mit Creator*innen birgt und wo klare Grenzen notwendig sind, um journalistische Standards, Glaubwürdigkeit und faire Arbeitsbedingungen zu sichern.
Die dju fordert klare politische Rahmenbedingungen für digitale Öffentlichkeiten. Dazu gehören eine wirksame Regulierung großer Plattformen, Transparenz bei algorithmischen Entscheidungen sowie Schutzmechanismen für Journalist*innen vor wirtschaftlichem, juristischem und politischem Druck. Peter Freitag: „Pressefreiheit und Medienvielfalt darf nicht den Geschäftsmodellen einzelner Konzerne überlassen werden.“
