Filmtipp: Manipulation

Eine „interessante Geschichte“ nennt Ivan (Arnaud Binard) das, was ihm Matteo (Radoslav Gavlas) auftischt: Der Investigativjournalist mit Spezialgebiet Korruption lässt sich von dem jungen Sprössling einer Geheimgesellschaft in die krummen Geschäfte der tschechischen Machtelite einweihen. Deren Mitglieder haben sich in ganz Europa ausgebreitet.

Priester, Hochschullehrer, Industrielle, Politiker – sie haben die Finger auf den Institutionen. Sie alle eint, dass sie an den gleichen kriminellen Strippen ziehen, manche allerdings um einiges stärker als die anderen. Matteo, seit Kindesbeinen familiär an den Zirkel gebunden, hat miterlebt, wie dieser die Politik mittels Bestechung, Drohung und Gewalt in die falschen Bahnen lenkt. Nun will er gegensteuern. Dass er selbst Opfer eines Komplotts sein könnte und seine Kontaktaufnahme zu Ivan, initiiert von seinem Professor, nur ein Schritt zu seinem eigenen Untergang, kommt dem jungen Mann nicht in den Sinn.

Schwer zu enthüllen

„Die Wahrheit siegt immer“, steht auf dem Plakat zu David Baldas mit Verschwörungstheorien operierendem Spielfilm „Manipulation“. Das Filmposter ist allerdings so tricky designed, dass da auch „Manipulation siegt immer“ stehen könnte.

Dabei scheint klar: Journalist Ivan, der knallhart recherchierende Wahrheitssucher, ist unser Gewährsmann für die Gerechtigkeit! Sportlich und im Kopf fit, klassischer Dreitagebart, die Einzimmerwohnung voller Skripte, Schriftstücke, Akten, Bücher. Er wird das Komplott zerlegen, ganz sicher.

Unauffällig auffällig wird das Treffen von Informant und Journalist in einem Museum inszeniert, aber unpassender könnte der Ort nicht sein: Zwischen den Gemälden kann man sich kaum über wichtige Dinge unterhalten, ohne dass die Flüsterei auffiele. Ist Ivan ein Stümper?

Immerhin: Er bringt seine Geschichte von den Machenschaften der guten Gesellschaft im führenden Magazin unter. Die Reaktion folgt umgehend: Der Meister der Loge (Pawel Lawrynowicz) inszeniert eine Rufmordkampagne, diffamiert die Story als Fake News und soll doch selbst Opfer werden.

Wird die Wahrheit dennoch siegen? Bad news sind leider bad news: Der Investigativjournalismus hat in diesem Film eine eher kurze Episode, die Figur des Ivan hält vielleicht fünf Minuten durch in Baldas vertrackter und mörderischer Geschichte. Dann ist er selbst Geschichte.

Zu hoffen bleibt, dass echte Enthüllungsreporter geschickter arbeiten.

„Manipulation“. CZ/I/D 2026. Regie: David Balda. Mit Heino Ferch, Arnaud Binard. Kinostart: 24. Juni 2026

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

schon entdeckt? Die Zeitschrift mare

Die Verlagswelt in Deutschland ist zum Teil stark von Verlegerpersönlichkeiten geprägt. Wollen sich diese Personen dann aus dem Geschäft zurückziehen, stellt sich die Frage, ob der Betrieb abgewickelt oder in andere Hände übergeben werden soll. Bei der Zeitschrift mare geht man nun zum Glück den zweiten Weg.
mehr »

Extremismusvorwurf: Weimer knickt ein

Wolfram Weimer darf die Betreiberinnen der „Buchhandlung zur Schwankenden Weltkugel“ aus Berlin nicht als „politische Extremisten“ bezeichnen. Das hat das Verwaltungsgericht Berlin klargestellt (Beschluss v. 30.04.2026 – VG 6 L 229/26, der Autor war als Rechtsanwalt für die Buchhandlung im Verfahren tätig). Der Fall zeigt, dass Auskünfte des Verfassungsschutzes problematisch sind, wenn es um staatliche Förderentscheidungen geht.
mehr »

Kontext: Investigatives wird zum Risiko

Die Redaktion der Kontext-Wochenzeitung berichtet am 3. Juni 2026 über einen verlorenen Rechtsstreit gegen einen früheren AfD-Mitarbeiter aus dem rechtsextremen Umfeld. Über sechs Jahre hatte sich das Verfahren hingezogen. Nun lautet das Fazit auch: Wenn Quellenschutz juristisch antastbar wird, dürfte investigative Recherche erheblich erschwert werden.
mehr »

RSF: Mehr Schutz für Journalisten im Exil

Journalist*innen, die vor autoritären Regimen nach Deutschland geflohen sind, sind auch hier nicht automatisch sicher: So wird eine ägyptische Journalistin in Deutschland auf offener Straße von einem Landsmann angegriffen. Eine russische Reporterin erleidet in Berlin mutmaßlich einen Giftanschlag. Reporter ohne Grenzen (RSF) veröffentlicht Positionspapier zu dieser transnationalen Verfolgung.
mehr »