ver.di übt Kritik an ZDF-Intendant

Norbert Himmler auf der re:publica 2024. Foto: Jan Zappner/re:publica

Der Vorgang der Ausladung der Musiker Igor Levit und Danger Dan aus der 100. Ausgabe des Satire-Magazins „Die Anstalt“ (Sendetermin am 21. Juli 2026) wirft große Wellen. Der Auftritt wurde durch eine kurzfristige Entscheidung des ZDF-Intendanten Norbert Himmler verhindert. Daran übt auch der ver.di-Bundesvorstand starke Kritik.

„Die Intervention von Norbert Himmler gegen die Entscheidungen der Redaktion von „Die Anstalt“ und gegen den Auftritt des Künstler-Duos ist eine gravierende Fehlentscheidung. Der Intendant muss die Entscheidungen von Redaktionen sowie die Kunst- und Rundfunkfreiheit schützen. Mit diesem Eingriff aus Angst vor möglicher Kritik an einer Satire-Sendung, deren Inhalte sorgfältig vorbreitet und geprüft worden sind, fällt Himmler seiner Redaktion und den beiden Künstlern in den Rücken. Dies stellt einen schwer zu heilenden Vertrauensverlust der ZDF-Kolleginnen und -Kollegen in die Medienfreiheit und die Unterstützung durch ihren Intendanten dar“, kritisiert Christoph Schmitz-Dethlefsen, für Medien und Kultur zuständiges ver.di-Bundesvorstandsmitglied.

ZDF verweigert Schutzkodex für Medienschaffende

ver.di kritisiert weiterhin, dass das ZDF sich nachhaltig weigert, dem Schutzkodex zur Abwehr von Angriffen auf Medienschaffenden in ihrer Berufsausübung beizutreten. Zusammen mit dem aktuellen Vorgang nährt das Zweifel, dass mutige Recherchen, Reportagen in Gefahrenzonen im In- und Ausland und eine breite Meinungsvielfalt durch den ZDF-Intendanten uneingeschränkte Unterstützung erfahren.

„Norbert Himmler muss sich schützend vor seine Programm-Macherinnen und -Macher stellen und sollte sich den Titel des nun auf Youtube statt im ZDF erstveröffentlichten Songs „Keine Angst“ zu seinem Motto machen. Wie er bei unseren ZDF-Kolleginnen und -Kollegen das verloren gegangene Vertrauen wieder herstellen möchte, werden wir aufmerksam beobachten. Ich danke Danger Dan und Igor Levitt dafür, diesen Vorgang öffentlich gemacht zu haben und damit für ihre Kunst einzustehen“, erklärt Schmitz-Dethlefsen.

Auch die Macher*innen der Anstalt selbst distanzieren sich vom Eingriff ihres Intendanten. „Wir empfinden die Entscheidung als mutlos – gerade jetzt, wo rechtsextreme Gewalt wieder stark zunimmt. Wir hätten es als öffentlich-rechtliche Pflicht angesehen, das Lied zu präsentieren und danach zu diskutieren“, gaben Claus von Wagner, Max Uthoff und Maike Kühl auf ihrem Instagram-Account bekannt und kündigen für die Sendung am kommenden Dienstag ein längeres Statement an.

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