Appell für den Erhalt der Medienfreiheit

Das MDR-Landesfunkhaus Thüringen in Erfurt Foto: MDR/Martin Jehnichen

Der auf Initiative des MDR verfasste Leipziger Appell  bekommt immer mehr Unterstützung. Die Unterzeichnenden erkennen die Einschränkung der Medien- und Pressefreiheit. An entscheidenden Stellen bleibt der Appell jedoch vage.

Gleich im ersten Absatz erinnert der Appell an die Zerschlagung unabhängiger Medien in der NS-Zeit. Daraus leitet er die Verpflichtung ab, heute für die Presse-Rundfunk- und Informationszeit einzutreten. „Dieses Fundament unserer Verfassung entstand aus den Lehren der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte im Nationalsozialismus 1933 bis 1945 – aus dem Bewusstsein, dass politische Einflussnahme, Gleichschaltung und Propaganda Menschenwürde bedrohen und zerstören können.“ In einem eigenen Kapitel wird auf die staatliche Lenkung der Medien in der DDR verwiesen.

Der Appell beschreibt die aktuelle Bedrohung der Pressefreiheit von mehreren Seiten. „Globale Digitalkonzerne prägen mit von ihnen gesteuerten Algorithmen, welche Inhalte, Meinungen und Themen sichtbar werden.“ Auch politische Entwicklungen werden als Gefahr für die Pressefreiheit benannt. „Populistische Strategien, Zynismus, gezielte Skandalisierung und manipulative Gegenöffentlichkeiten versuchen Zweifel zu säen und glaubwürdigen Journalismus zu delegitimieren“. Am Schluss werden Versuche politischer Einflussnahme auf redaktionelle Entscheidungen beklagt. Beispiele werden allerdings keine benannt. Auffällig ist auch, dass nicht formuliert wird, dass die AfD und die Rechte insgesamt eine zentrale Gefahr für die Presse- und Medienfreiheit darstellt.

Auch dju ist Teil des Bündnisses

Zu den Unterzeichner*innen des Leipziger Appells gehören Vertreter*innen aller öffentlich rechtlicher Sender. Unter anderem der MDR-Intendant Ralf Ludwig, der ARD-Vorsitzende und HR-Intendant Florian Hager sowie die Intendant*innen mehrerer ARD-Anstalten. Auch ZDF-Intendant Norbert Himmler sowie Vertreter weiterer Einrichtungen wie Deutsche Welle, Deutschlandradio und die Deutsche Nationalbibliothek haben den Appell unterschrieben.

Darüber hinaus beteiligen sich Organisationen und Initiativen aus dem Medienbereich, darunter die Deutsche Journalist*Innenunion in ver.di (dju) das European Centre for Press and Media Freedom und der Deutsche Journalistenverband.

Auch der Bundesverband Freier Radios (BFR) hat den Appell jüngst unterzeichnet. „Der Leipziger Appell kommt zum richtigen Zeitpunkt, denn so gefährdet wie heute war die öffentliche Debatte lange nicht. Er bestätigt die Kritik, die Freie Radios vor 30 bis 40 Jahren zu ihrer Gründung veranlasste und die Richtigkeit, der in unseren Strukturen abgebildeten Konsequenzen“, heißt es in der Erklärung des BFR. Sie endet mit einer klaren Aussage: „Wir setzen engagierten Journalismus gegen Propaganda. Anstelle einer falschen Neutralität setzen wir darauf, den Zugang zu Medien demokratisch zu gestalten – und werden dabei weiterhin auch aktiv sein für die Meinungsfreiheit.“

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Arte soll europäischer werden

Es sind hochgesteckte Ziele, die vor einem Jahr die Regierungen in Deutschland und Frankreich bekannt gaben: die Weiterentwicklung von Arte zu einer europäischen Medienplattform in 24 Sprachen. Dafür ist vor allem zusätzliches Geld aus EU-Töpfen nötig. Doch hierzu stehen konkrete Beschlüsse weiter aus. Arte arbeitet währenddessen kontinuierlich am europäischen Ausbau – und sieht Fortschritte.
mehr »

Faire Honorare für Filmvermittlung

Die AG Filmvermittlung legt erstmals einen Honorarrahmen für freischaffende Filmvermittler*innen vor und macht damit auch auf die prekäre Erwerbssituation in der Branche aufmerksam. Für die Honorare zieht der Verein den Basishonorarrechner Kultur von ver.di heran.
mehr »

ver.di übt Kritik an ZDF-Intendant

Der Vorgang der Ausladung der Musiker Igor Levit und Danger Dan aus der 100. Ausgabe des Satire-Magazins „Die Anstalt“ (Sendetermin am 21. Juli 2026) wirft große Wellen. Der Auftritt wurde durch eine kurzfristige Entscheidung des ZDF-Intendanten Norbert Himmler verhindert. Daran übt auch der ver.di-Bundesvorstand starke Kritik.
mehr »

Politische Ausladung: ZDF sagt Auftritt ab

Ein neues Lied von Igor Levit und Danger Dan heißt "Keine Angst" und erscheint zum 17. Juli 2026. Es handelt vom möglichen Widerstand gegen eine zunehmende politische und gesellschaftliche Faschisisierung, wie sie weltweit und auch in Deutschland zu beobachten ist. Ein Auftritt der Künstler mit dem Song sollte ebenfalls für die 100. Sendung von "Die Anstalt" aufgezeichnet werden, die am 21. Juli 2026 erscheint. Dann lud das ZDF Danger Dan und Igor Levit kurzfristig aus.
mehr »