Internationale Standardisierung zur Bildarchivierung und -übermittlung

Bilder digitalisieren, archivieren und mittels Datenfernübertragung zu versenden war das Thema eines Workshops auf der diesjährigen Photokina in Köln.

Eine Reihe von Experten informierte in dieser Veranstaltung der der AWV (Arbeitsgemeinschaft für wirtschaftliche Verwaltung e.V.) über technische Verfahren und derzeitige Anwendungsbedingungen digitaler Bildspeicherung. Sie versuchten einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen zu geben und wirtschaftliche Aspekte zu bewerten.

„Color Management in der Bildarchivierung“ war das Thema von Prof. Dr. Stefan Brues, Inhaber des Lehrstuhls für elektronische Informationssysteme an der Bergischen Universität Gesamthochschule Wuppertal. Ausgehend von einem Trend zur kompletten Digitalisierung und der Annahme, in Zukunft würden verschiedenste Medien (Zeitung, Magazin, Internet, Fernsehen) aus einem Bilddatenbestand bedient, forderte Brues, die Bilddaten in einem international standardisierten, geräteunabhängigen Farbraum zu archivieren. Brues warnte davor, für eine zukünftige Nutzung der digitalen Bilder nur an den Zeitungsdruck zu denken und für die Archivierung den in der Druckvorstufe verwendeten Farbraum CMYK zu nutzen. Während Scanner noch circa 40 Prozent der vom menschlichen Auge wahrgenommenen Farben reproduzieren können, werden in der Drucktechnik nur 25 Prozent der wahrnehmbaren Farben korrekt reproduziert, im Zeitungsdruck noch weniger. Scanner und Monitor arbeiten zwar mit dem größeren RGB (Rot-Grün-Blau) – Farbraum, geräteunabhängige und plattformübergreifende Ergebnisse sind auch hier nicht ohne weitere Hilfsmittel zu erzielen. Zwei unterschiedliche Scanner, zwei Digitalkameras oder zwei Monitore liefern ganz unterschiedliche Farben. Brues verwies auf die Arbeit des ICC. Dieses „International Color Consortium“ wurde 1993 von acht Firmen der grafischen Industrie (Adobe Systems, Agfa, Apple Computer, Eastman Kodak, Microsoft, Silicon Graphics, Sun und Taligent) mit dem Ziel gegründet, einen plattformneutralen, farbverbindlichen Standard zu entwickeln. Nach den Empfehlungen dieses Interessenverbands soll die Farbwiedergabe mit Hilfe von Geräteprofilen genormt werden („ICC-Profile“). Die im Frühjahr dieses Jahres auf den Markt gekommene Version 5.0 von Photoshop, dem Standard in der Bildverarbeitung, unterstützt diese Technologie. Die vom Gerätehersteller gelieferten ICC-Profile können in die Voreinstellungen der Software aufgenommen werden. Das Ergebnis der Farbreproduktion kann genau beurteilt und weiterbearbeitet werden. Sind die Bilder dann im geräteunabhängigen Farbraum LAB gesichert, ist eine exakte Wiedergabe, zum Beispiel nach einer Übertragung der Bilder mittels ISDN, auf anderen Ausgabegeräten und einer anderen Plattform jederzeit möglich. In der Praxis variieren die produktionsbedingten Charakteristika der selben Ein- und Ausgabegeräte oft stark. Die Herstellerprofile sind gerätespezifisch nicht genau. Für hohe Anforderungen ist eine inviduelle Kalibrierung notwendig.

(Weitere interessante Infos hierzu bieten die web-Seiten des ICC, unter http://www.color.org. Hier finden sich auch viele Links zu Firmen der grafischen Indu- strie. Über ICC-Profile im Photoshop informiert Adobe unter http://www.adobe.com/ supportservice/custsupport/ SOLUTIONS/1401.htm. Informationen zum Thema liefert auch die web-Seite der Uni Wuppertal: http://www.kommtech. uni-wuppertal.de/kosys/eci).

Christian Frenning, Chef der Softwarefirma „FotoWare“ aus Norwegen, beschäftigte sich mit den „Datenformaten in der Bildarchivierung“. Auch er verwies darauf, daß von einer im Farbraum CMYK gesicherten Bilddatei „kein Weg zurück zum Original führe“. Bei LAB-Bilddateien ließen die heute üblichen Programme – auch Photoshop – aber keine Komprimierung der Daten nach JPEG („Joint Photographic Expert Group“) zu. Eine Komprimierung der Bilddaten sei zwecks Speicherersparnis und schnellem, ökonomischen Transport via Datenleitung bei den anfallenden und für hochwertige Wiedergabe notwendigen riesigen Datenmengen oft unvermeidlich. Bei der Komprimierung nach JPEG kommt es zwar zu Qualitätseinbußen, diese seien aber bei geringen Kompressionsraten in der Regel tolerierbar. JPEG genieße weltweit Akzeptanz auf allen Plattformen und neue, verlustfreie Kompressionsverfahren für Bilddateien seien noch nicht allgemein akzeptiert. Bei neuen Formaten sei Vorsicht geboten, da sie unter Umständen niemand öffnen könne. „FlashPix“ von Kodak sei aber eine mögliche Perspektive.

„FlashPix“ steht unter Photoshop Version 5.0 zur Verfügung. Für die Versionen 3.0 und 4.0 kann man es unter http://www.livepicture.com/download herunterladen. Mehr Infos zu FlashPix unter http://www.kodak.com/US/en/ digital/flashPixFormat.shtml.)

Keine File-Transfer-Norm

Klaus Peter Schmidt von Hermstedt in Mannheim schloß mit seinem Vortrag „Kommunikationsprobleme in der Datenfernübertragung“ bestens an die Ausführungen seines Vorredners an. Obwohl in Europa ISDN im Gegensatz zu den USA fast flächendeckend zur Verfügung steht, gebe bis heute keine „File Transfer“ Norm. Verschiedenste Übertragungsprotokolle würden nebeneinander existieren. Eine Standardisierung sei nicht in Sicht. „Eurofile“ existiere vor allem in der Windows Welt, bei der Entwicklung von „Leonardo“ (aus dem Hause Hermstedt) seien betriebssystem-spezifische Eigenschaften des Macintosh eingeflossen.

Engpaß ISDN

Schmidt forderte von einem Protokoll die Möglichkeit, bei einem Abbruch der Übertragung durch eine Störung zu einem späteren Zeitpunkt an exakt derselben Stelle fortfahren zu können. Dies sei bei großen Datenmengen und damit verbundenen langen Übertragungszeiten wichtig. Schmidt wies darauf hin, daß das jetzige ISDN-Netz nach wie vor einen Engpaß für die Bildübertragung darstellt. Breitbandübertragungssysteme seien in Zukunft notwendig. Allerdings erfordern sie wieder neue Vermittlungstechnik der Telefongesellschaften. (Eine neue ISDN-Software bietet Hermstedt mit Leonardo Express an. Das Programm löst die bisherige Software Leonardo Pro ab und bietet laut Hersteller eine erheblich höhere Übertragungsgeschwindigkeit durch Datenkompression. Mit einer Vier-Kanal-ISDN-Karte transportiert Leonardo Express so bis zu einem Mbit pro Sekunde. Weitere Infos: http: www.hermstedt.com) Klaus Sprick, Geschäftsführer und technischer Direktor von DPA beendete die Vorträge mit seinem Thema „Strukturierte Informationsübertragung nach dem IPTC- Modell“. Sprick betonte die Wichtigkeit digitale Bilddateien standardisiert und ausführlich mit Textinformation zu versehen. Allein über den Dateinamen sei in umfangreichen Archiven keine effektive Suche möglich.

Kein Bild ohne Textinformation

„Ein Bild sage zwar mehr als tausend Worte, ohne tausend Zeichen ist ein Bild in digitalen Archiven aber wertlos“, so Sprick. Das IPTC – Modell („International Press Telecommunications Council“) werde von DPA seit 1992 verwendet. Der Standard umfaßt Einträge für Objektbeschreibung und Objektrechte. Die Informationen können in Bilddatenbanken übernommen und eine gezielte Bildrecherche durchgeführt werden.

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