Schlimme Ahnungen

Der Münchener Verein „Journalisten helfen Journalisten“

Wir haben uns geirrt. Leider. Wir dachten und hofften 1993, als der Verein „Journalisten helfen Journalisten“ in München gegründet wurde, daß seine Existenz nur von kurzer Dauer sein würde. Wir wollten einigen der infolge ihrer Berichterstattung über Kriege und Krisen in aller Welt in Not geratenen Kolleginnen und Kollegen mit materiellen Spenden unsere Unterstützung zusichern.

Wir dachten und hofften dabei aber, diese kollegiale Solidaritätsarbeit würde in nicht allzu ferner Zeit infolge von mangelnden Notwendigkeiten überflüssig sein. Inzwischen wissen wir nach gut sechsjähriger Arbeit, daß unsere Hoffnungen sich nicht erfüllt haben. Der Verein mit seinen mittlerweile rund 100 Mitgliedern ist heute notwendiger denn je. Die Krisen, Kriege und Tragödien, in denen Journalisten unter großen existentiellen Gefahren ihre Arbeit verrichten, haben dramatisch zugenommen. In den letzten zehn Jahren sind weltweit über 600 Journalistinnen und Journalisten bei der Ausübung ihres Berufes ermordet worden. Unüberschaubar die Zahlen der Journalisten, die vorübergehend oder für eine längere Zeit inhaftiert worden sind – was oft Folterungen einschließt. Nur in spektakulären Einzelfällen wird diesen getöteten, verletzten und inhaftierten Journalisten mehr als nur eine flüchtige Beachtung geschenkt.

Gegen dieses Vergessen wendet sich der unabhängige und überparteiliche Verein „Journalisten helfen Journalisten e.V.“ in München. Seine Aufmerksamkeit gilt der unbürokratischen und solidarischen Hilfe zugunsten der in Not geratenen Kolleginnen und Kollegen wie ihrer Familien und Hinterbliebenen. Finanziert wird die ehrenamtliche Arbeit aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen. JhJ hilft mit Geldspenden, Sachleistungen und praktischer Unterstützung dort, wo wir von drängender Not erfahren, wo die Hilfe möglich ist und es keine offiziellen Stellen gibt, die bereits Hilfe leisten. Auch die Zahl derjenigen, die nach den uns vorliegenden Informationen aufgrund schwerer Verletzungen nicht mehr in der Lage sind, ihren Beruf auszuüben, ist erschreckend hoch.

JhJ hat bisher über 100 Journalisten und ihren Familien mit Geldspenden oder mit Patenschaften geholfen. Durch Beihilfen für die Anschaffung von Computern, Schreibmaschinen oder Fotoausrüstungen wurde dazu beigetragen, daß Journalistinnen und Journalisten ihre beruflichen Arbeit fortsetzen konnten. Häufig mußten auch medizinischen Behandlungen durch finanzielle Leistungen ermöglicht werden. Besonders stark ist das Engagement des Vereins für Journalistinnen und Journalisten aus den verschiedenen Regionen des ehemaligen Jugoslawiens. Bereits vor dem Kosovo-Krieg sind auf dem Territorium des ehemaligen Jugoslawien in den Jahren von 1991-1998 mindestens 50 Journalistinnen und Journalisten getötet worden.

Auf den verschiedensten Wegen haben wir auch bereits vor der Eskalation der Vertreibungen von Bürgern nicht-serbischer Herkunft aus dem Kosovo materielle Solidaritätshilfen direkt an Journalistinnen und Journalisten im Kosovo geleistet. Wir haben gegenwärtig nur wenige genaue Angaben über die Zahl der ermordeten und vertriebenen Journalisten, aber wir müssen uns auf jeden Fall auf schlimme Nachrichten und Tragödien einstellen. Die Namen der getöteten Kollegen Enver Maljoku in Pristina und Slavko Curuvija in Belgrad stehen hier warscheinlich für eine Reihe anderer.

Wie bisher auch wird der Verein JhJ aber weiterhin Journalistinnen und Journalisten aus allen Regionen von Ex-Jugoslawien unterstützen, von deren Notlagen wir aus kompetenen und vertraulichen Quellen wissen. Dazu gehören zum Beispiel auch Journalisten serbischer Herkunft, die seit langem schon in Oppostion zum Milosevic‘-Regime stehen und heute aus berechtigter Angst vor existentiellen Bedrohungen in Länder jenseits der serbischen Staatsgrenzen geflohen sind. Die Killeraktion gegen den serbischen Publizisten und Milosevic‘-Kritiker Slavko Curuvija läßt Schlimmes erahnen.


 

Journalisten helfen Journalisten, Kto.-Nr. 31900506, BLZ 70020270, HypoVereinsbank, München
Nähere Informationen über: Carl Wilhem Macke, Tel. 089-4470404, Fax 089-6887789, e-mail: cwmacke@aol.com

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