Bei Satire entscheidet der Gesamteindruck

Justitia Foto: Hermann Haubrich

Kabarettisten müssen sich für den Inhalt ihrer Beiträge nicht bis ins kleinste Detail verantworten; entscheidend ist der Gesamteindruck, der beim Zuschauer zurückbleibt. So verwarf der Bundesgerichtshof (BGH) am 10. Januar 2016 eine Unterlassungsklage von „Zeit“-Herausgeber Josef Joffe und „Zeit“-Journalist Jochen Bittner gegen die ZDF-Satiresendung „Die Anstalt“.

Der BGH bestätigte damit weitgehend ein Urteil, mit dem die Kläger bereits vor dem Landgericht Hamburg gescheitert waren.

Die ZDF-Satiresendung hatte in einer Folge am 29. April 2014 die Verbindungen der beiden Journalisten zu sicherheitspolitischen Lobbyorganisationen veranschaulicht. Dabei wurde auf mehreren Schautafeln gezeigt, dass Joffe Mitglied, Vorstand oder Beirat in acht solchen transatlantischen Organisationen sei, Bittner Mitglied in drei.

Gegen diese Darstellung wollten die beiden Journalisten zunächst mit einer Einstweiligen Verfügung vorgehen. In einer späteren Klage vor dem Landgericht Hamburg beriefen sie sich darauf, dass die persönlichen Verflechtungen nicht korrekt dargestellt gewesen seien.

Der Bundesgerichtshof entschied nun letztinstanzlich, dass die Angaben zu den Interessenkonflikten wegen Mitgliedschaften in Lobbyorganisationen grundsätzlich stimmen. Wenn eine Schautafel fehlerhaft gewesen sei, spiele das in einer Satiresendung keine entscheidende Rolle. Vielmehr hätte ein satirischer Fernsehbeitrag zu beachten, „welche Botschaft bei einem unvoreingenommenen und verständigen Zuschauer angesichts der Vielzahl der auf einen Moment konzentrierten Eindrücke ankommt“. „Die Anstalt“ habe grundsätzlich gezeigt, dass Verbindungen zwischen den Klägern und den genannten Organisationen bestünden. Das sei zutreffend. (Az.: VI ZR 561/15, VI ZR 562/15)

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Schrittmacher für den Lokaljournalismus

Im Lokalen schlägt das Herz des Journalismus, hier ist er für die Menschen besonders gut erlebbar.“ So Netzwerk Recherche, das Lokaljournalist*innen mit einem Fellowship Lokale Recherche und einem Support Desk unterstützt, da sie unter wachsendem Druck Demokratie und mediale Glaubwürdigkeit verteidigen müssen.
mehr »

Sorgerechts-Drama bei der ARD

Mit einem zweiteiligen Fernsehfilm zum Thema Sorgerecht will die ARD ein Tabu brechen. Doch das Projekt verzögert sich – und ist bereits vor dem Dreh heftig umstritten. Es ist bereits die zweite Produktion zum Thema.
mehr »

Streamingdienste brauchen Standards

Anlässlich der heutigen Bundestagsanhörung zum Regierungsentwurf zum Mediendienste-Investitionsverpflichtungs-Gesetz (MedienInvestVG) und zur Situation der Filmbranche bekräftigt ver.di ihre Forderung zur Nachbesserung des Gesetzes zur stärkeren Berücksichtigung guter Arbeitsbedingungen in Filmproduktionen.
mehr »

Recherchematerial der „Zeit“ beschlagnahmt

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di kritisiert die Beschlagnahme von Recherchematerial der Wochenzeitung „Die Zeit“ aufs Schärfste und fordert dessen sofortige Rückgabe. Staatsanwaltschaft und Landeskriminalamt hatten am Montag auf Beschluss des Landgerichts Hamburg mit der Durchsuchung der Redaktion und der Wohnung einer Autorin gedroht.
mehr »