Exilmagazin „Özgürüz“ von Can Dündar online

Screenshot: Özgürüz

„Özgürüz“, auf Deutsch „Wir sind frei“, ist online. Das Exilmagazin des ehemaligen Chefredakteurs der türkischen Tageszeitung „Cumhuriyet“ Can Dündar und des Journalisten Hayko Bağdat will in Deutsch und Türkisch „jene Nachrichten, die vor dem Volk geheim gehalten, zensiert oder verboten werden, veröffentlichen“. Es soll vor allem Menschen in der Türkei und Leser_innen in Deutschland mit türkischen und kurdischen Wurzeln erreichen.

Unterstützt wird „Özgürüz“ vom Recherchebüro Correctiv und unter anderem als Initialförderin von der Rudolf-Augstein-Stiftung. „Wir haben die neue Webseite ozguruz.org heute Nacht um 22.00 Uhr deutscher Zeit, also 24.00 Uhr türkischer Zeit, online gestellt. Unser Ersterscheinungstag ist damit der 24. Januar. Das Datum ist bewusst gewählt. Wir erinnern damit an die Ermordung von Uğur Mumcu, der am 24. Januar 1993 erschossen wurde. Mumcu war der beste Investigativreporter der Türkei seiner Zeit. Er arbeitete wie Can Dündar für Cumhuriyet“, heißt es bei Correctiv. Um den Betrieb aufrecht zu erhalten, wirbt „Özgürüz“ um Spenden und Soli-Abos.

„Die Pressefreiheit, eingeschränkt schon vor dem Putschversuch vom 15. Juli 2016, wurde danach gänzlich abgeschafft. Seit der Ausrufung des Ausnahmezustandes wurden 169 Radio- und Fernsehsender, Webseiten und Zeitungen geschlossen. Rund 2000 Journalisten haben ihre Arbeit verloren. An die 150 Journalisten sitzen im Gefängnis.“ Sie würden des Terrorismus verdächtigt. „2500 Menschen stehen vor Gericht, weil Erdoğan sie wegen Beleidigung angeklagt hat. Journalisten pendeln seither zwischen Gefängnis und Gericht. Sie werden bedroht, sie werden angegriffen, sie werden misshandelt“, schreibt Can Dündar auf „Özgürüz“. Journalist_innen werde die Akkreditierung entzogen, nach wichtigen Ereignissen würden Nachrichtensperren verhängt, die sozialen Netzwerke würden teilweise blockiert und von Trollen der Regierung unterwandert. Das seien die „Bedingungen, unter denen die Türkei auf den wichtigsten Volksentscheid ihrer Geschichte zugeht. Das Land steht vor einem Regimewechsel, bei dem die Kontrolle über das Parlament und die Justiz komplett an Erdoğan übergeben und er zum Alleinherrscher des Landes werden soll“. Dazu werde „Özgürüz“ nicht schweigen. Im Gegenteil: „Wir werden all unsere Kraft dafür einsetzen, dem Volk, das kurz vor lebenswichtigen Entscheidungen steht, all jene Nachrichten zu vermitteln, die sie benötigen“, versichert Dündar.

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