Tarifeinigung bei Tageszeitungen 

Foto: Christoph Boeckheler

In der zehnten Verhandlungsrunde haben sich die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) in Hamburg auf einen neuen Tarifvertrag für Redakteur*innen bei Tageszeitungen geeinigt. Der Tarifeinigung waren bundesweit in 36 Verlagen und Redaktionen Streiks vorausgegangen, die zuletzt bis zu sechs Tage angedauert haben.

“Die Tarifeinigung sieht Gehaltssteigerungen in drei Stufen bis 2027 vor – mit einer durchschnittlichen Erhöhung um zehneinhalb Prozent. Nach Jahren der Reallohnverluste war es höchste Zeit für eine spürbare Korrektur”, sagt ver.di-Verhandlungsführer Matthias von Fintel. „Mit diesem Abschluss erreichen wir für Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger sowie für Volontärinnen und Volontäre prozentual besonders starke Zuwächse zwischen 11,5 und 16 Prozent.“

Die Tarifeinigung umfasst einen Zeitraum von 36 Monaten und gilt rückwirkend ab Januar 2025. Für das laufende Jahr steigen die Gehälter einheitlich um 190 Euro monatlich (in den Monaten März und April um 100 Euro). Daraus ergeben sich bis jetzt Nachzahlungen von 770 Euro. Im Februar 2026 folgt eine weitere Erhöhung um drei Prozent, im Februar 2027 eine Erhöhung um einen weiteren Festbetrag von 110 Euro. Die Erhöhungen werden prozentual auf die Tarifhonorare für arbeitnehmerähnliche Freie in Tageszeitungen übertragen.

Erhöhungen für Volos

Für Volontär*innen wirken sich die drei Erhöhungen zu einem Plus von rund 15 bis 16 Prozent aus. Berufseinsteiger*innen profitieren mit einem Gehaltszuwachs von insgesamt 11,5 Prozent ab Februar 2027. Für ab 2026 neu eingestellte Redakteur*innen wird bei der Urlaubsgeldberechnung das Tarifgehalt als Berechnungsgrundlage berücksichtigt, weitere vom BDZV geforderte strukturelle Änderungen wurden abgewehrt.

Matthias von Fintel betont den großen Beitrag der Beschäftigten zum Verhandlungserfolg: „Die Kolleginnen und Kollegen haben mit ihrer immensen Streikbereitschaft bundesweit ein starkes Zeichen gewerkschaftlicher Solidarität und Durchsetzungsbereitschaft gesetzt. Bewegung kam immer dann in die Verhandlungen, wenn die Beschäftigten sich bewegt haben – raus aus den Redaktionen, raus auf die Straße, nun mit einem Ergebnis.“


Die Tarifparteien haben eine Erklärungsfrist bis zum 1. August verabredet.

 

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Briefing-Journalismus für Experten

Seit fünf Jahren macht das Berliner Medienhaus Table.Media „Briefing-Journalismus“, vor allem für Entscheider*innen aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und NGOs. Wie funktioniert der Fachjournalismus in diesem Verlagsmodell?
mehr »

AfD-Pläne gefährden Medienpolitik

Seit über einem Jahr beraten die Bundesländer über einen Digitale-Medien-Staatsvertrag. Sie wollen die Regulierung an eine KI-geprägte Kommunikationswelt anpassen. Im Fokus steht die Sicherung von Medienvielfalt und der Schutz vor Manipulationen im Netz. Wann die neuen Regelungen in Kraft treten, ist unklar. Viel wird vom Ausgang der kommenden Landtagswahlen abhängen.
mehr »

Digitale Gewalt trifft Medienschaffende

Hassrede, Drohungen, Doxing – für die Mehrheit der Journalist*innen ist das längst keine abstrakte Gefahr mehr. Ein neues Gesetz will digitale Gewalt nun bekämpfen, blendet die Betroffenheit von Medienschaffenden aber noch aus.
mehr »

„Desinformation gefährdet Leben“

Politische Kommunikation studierte Johannes Hillje an der London School of Economics, Politikwissenschaften an der Universität Mainz. Er arbeitet als Politik- und Kommunikationsberater und ist Autor. In seinem Buch „Mehr Emotionen wagen“ beschreibt er, wie Gefühle die politische Landschaft beeinflussen. Wir sprachen mit ihm über emotionale Wahlkämpfe, journalistische Strategien und den Umgang mit Antidemokraten.
mehr »