80 Jahre sind eigentlich Anlass für eine große Geburtstagsfeier. Am 19. März 1946 erschien die erste Ausgabe der Kölnischen Rundschau (KR). Es gäbe also einen guten Grund, den Tag in diesem Jahr zu feiern. Daraus wird nun nichts. Denn der Heinen-Verlag schließt die Redaktion der Kölnischen Rundschau.
„Die Kölner Stadt-Anzeiger Medien (KStA Medien) übernehmen die vollständige redaktionelle Verantwortung und führen die journalistische Arbeit mit ihrem eigenen Team durch“, heißt es in einer dazu veröffentlichten Pressemitteilung des DuMont-Verlags. Etwas mehr als 30 Redaktionsmitglieder verlieren Ende März 2026 ihren Job. Zudem gibt Heinen seinen 50-Prozent-Anteil an der Rheinischen Redaktionsgemeinschaft (RRG) ebenfalls an den DuMont-Verlag ab. Was sich wie eine nüchterne Wirtschaftsmeldung liest, löst heftige Kritik aus. Die richtet sich gegen die Entscheidung des bisherigen Herausgebers Helmut Heinen, allerdings auch gegen DuMont.
Denn DuMont möchte gerne eine ganz andere Geschichte erzählen. In dieser sieht sich der Verlag als Retter der Kölnischen Rundschau. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Die Kölnische Rundschau verliert ihre redaktionelle Eigenständigkeit unter dem DuMont-Dach. Ein Schicksal wie es in den vergangenen Jahren viele Lokalredaktionen bundesweit ereilte.
Für die mediale Vielfalt am Medienstandort Köln ist es kein gutes Signal. Denn nun ist die die Kölnische Rundschau endgültig ein reines DuMont-Produkt und gehört künftig zur Verlagstocher KStA Medien. Für die knapp 30 Journalist*innen der Kölnischen Rundschau, für ihre Sichtweisen und ihre Stimmen ist bei DuMont nun offenbar kein Platz mehr. Für einige von ihnen sei die Tür für Bewerbungen noch offen, heißt es aus dem DuMont-Umfeld. In der Pressemitteilung ist weiter die Rede von „neuen digitalen Lokalangeboten rund um Köln“ und 30 neuen Stellen, die unter dem Dach von KStA Medien entstehen sollen. Wieviel relevanter Journalismus in diesen Lokalangeboten enthalten sein wird, bleibt allerdings offen.
Kein würdiges Verhalten
Warum die bisherigen tarifgebundenen Redaktionsmitglieder nicht übernommen werden können? Dazu äußerst sich niemand der beteiligten Akteure konkret. Helmut Heinen erklärt auf kress-Nachfrage, bei allen Kündigungen würden die tariflichen Kündigungsfristen eingehalten, diese liefen teilweise bis zum Jahresende, niemandem sei zum 31. März 2026 gekündigt worden. Der bisherige Herausgeber betont, mit dem Betriebsrat werde ein Sozialplan verhandelt und abgeschlossen, um für alle betroffenen Mitarbeiter*innen faire Abfindungen zu vereinbaren. Die Verhandlungen darüber sind gerade angelaufen.
Die Art und Weise, die Kurzfristigkeit der Entscheidung empört und verärgert Gewerkschaften, Betriebsräte und nicht zuletzt Teile der Kölner Stadtgesellschaft massiv. Die dju in ver.di kritisiert den immensen Schaden für die Pressevielfalt. Es sei nicht versucht worden, einen sozialverträglichen Übergang zu schaffen. Das sei angesichts der Leistung der Beschäftigten in den vergangenen Jahren unwürdig. Als ehemaliger Vorsitzender des Bundesverbands Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV) hätte man sich von Heinen mehr Augenmaß und soziale Verantwortung erwartet. Die Lage für Medienschaffende in und um Köln ist derzeit ohnehin angespannt. Zu Jahresbeginn hatte RTL bekannt gegeben, 600 Stellen abzubauen.
Clickbaiting statt Journalismus
Klassische Printmedien stehen durch die digitale Konkurrenz zunehmend unter Druck. Doch gab es unter Verlegern nicht einen publizistischen Auftrag? Dieser scheint inzwischen hinter wirtschaftlichen Interessen verschwunden zu sein. Möglicherweise gab es ihn auch nie. Vielleicht wird durch die neue Wettbewerbssituation für Printtitel durch digitale Medien diese Illusion nur deutlicher. Verlage mögen landauf und landab eine andere Geschichte erzählen. Doch bei ihren Entscheidungen geht der Blick zuerst ins eigene Portemonnaie.
DuMont verfolgt jedenfalls seine wirtschaftlichen Ziele und möchte mit KStA-Medien vor allem im Digitalen wachsen. Von einer „digitalen Wachstumsstrategie“ spricht der Verlag ebenfalls in seiner Pressemeldung. Von guten, vielfältigen Inhalten, wie sie sich viele Leser*innen in und um Köln herum wünschen würden, steht dort nichts.
Die Entscheidung von DuMont zeigt viel mehr, Qualitätsjournalismus rückt ins zweite Glied. Über Clickbaiting und die Erwartung, damit zahlende Kund*innen zu gewinnen, versucht der Verlag offenbar die rückläufigen Einnahmen aus klassischer Print-Werbung auszugleichen. Eine heikle Strategie, zumal die Einnahmen aus Online-Anzeigen deutlich geringer ausfallen als im Printbereich.
Für die etwa 30 Beschäftigten, die lange Jahre für die Kölnische Rundschau Geschichten aus ihrer Stadt, ihrer Heimat recherchiert, aufgeschrieben und erzählt haben, wird dieser 80. Geburtstag besonders traurig ausfallen. Die Menschen in Köln ahnen möglicherweise noch gar nicht, was das Aus für die mediale Vielfalt ihrer Stadt bedeutet.

