Angriff auf Reporter nach Pressekonferenz zu Corona-Maßnahmen

Foto: 123rf

Im Anschluss an eine Pressekonferenz am Dienstag in München wurde ein Journalist mehrfach gewaltsam attackiert. Ein junger Mann habe den 38-jährigen Reporter des Bayerischen Rundfunks (BR) während eines Interviews mit mehreren Faustschlägen auf den Kopf angegriffen, teilte der BR am Mittwoch mit. Auf dem Weg zum Auto habe der Angreifer den Reporter erneut aufgelauert, ihn beschimpft und „Ich vernichte euch alle“ gerufen. Die Polizei konnte den Mann, der nach BR-Recherchen dem äußeren rechten Spektrum zuzuordnen ist und sich auch im Internet schon gewaltbereit geäußert habe, festnehmen. Der Reporter hat Anzeige wegen Körperverletzung erstattet.

Sie verurteile diesen Angriff aufs Schärfste, sagte BR-Intendantin Katja Wildermuth: „Die Pressefreiheit ist ein hohes Gut, das es zu schützen gilt. Jeder Angriff auf Journalisten ist auch ein Angriff auf die Pressefreiheit.“ Auch BR-Chefredakteur Christian Nitsche zeigte sich schockiert: Dieses Maß an Enthemmung und Verrohung entsetze ihn, sagte er. Zwar habe es während der Pandemie immer wieder Angriffe auf Reporter gegeben – „diese waren vor allem verbaler Natur“.

Die jetzige Attacke nach einer Pressekonferenz zu der neuen Corona-Kommunikationsstrategie des Bayerischen Gesundheitsministeriums sprenge diese Dimension und sei der bislang schwerste Angriff auf einen BR-Kollegen. Nitsche: „Dass jemand Reporter hinterrücks angreift und Vernichtungsphantasien äußert, überschreitet jede Grenze.“


Pressemitteilung vom 25. August 2022

Angriff auch auf jeden Einzelnen von uns“ – ver.di verurteilt Attacke auf BR-Reporter

Wieder einmal gab es eine brutale Attacke auf einen Pressevertreter, diesmal auf einen Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks (BR). „Diese Attacke besorgt uns tief. Sie ist nicht nur ein Angriff auf einen einzelnen Journalisten, sondern auch auf unsere freie Gesellschaft und damit nicht zuletzt auch ein Angriff auf jeden Einzelnen von uns“, erklärte die Landesbezirksleiterin von ver.di Bayern, Luise Klemens.

„Diese Brutalität gegen Kolleginnen und Kollegen, die ihren Beruf ausüben, verurteilen wir aufs Schärfste“, ergänzte Tina Scholze, stellv. Leiterin des Fachbereichs Medien bei ver.di Bayern. „Unsere Befürchtungen bewahrheiten sich leider, dass die von Extremisten ausgehende Gefahr für Journalist*innen weiter zunimmt“.

Journalistinnen und Journalisten müssten in ihrer Berufsausübung besser und mehr geschützt werden. Schließlich gehöre es zu einer Demokratie, dass es neben der Meinungs- auch die Pressefreiheit gebe, sagte Scholze, „sie sind mit dem Art. 5 des Grundgesetzes elementare Verfassungsgrundsätze“. Immer wieder kommt es auch und gerade im Zusammenhang mit Corona zu Übergriffen auf diese Berufsgruppe. „Es ist schlimm genug, dass bei Protesten und Demonstrationen solche Angriffe oft nicht verhindert werden. Diese Attacke aber, in aller Öffentlichkeit am Rande einer Pressekonferenz des bayerischen Gesundheitsministers, macht überdeutlich sichtbar, wie enthemmt diese Fanatiker sind“, so Scholze.

ver.di fordert den Bayerischen Rundfunk sowie alle öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten auf, sich angesichts der Vorkommnisse unverzüglich der von ver.di und anderen Organisationen gegründeten Initiative „Schutzkodex“ anzuschließen: https://schutzkodex.de/

 

 

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Wenn freie Medien „Lieblingsfeinde“ sind

Freie Medien als Garanten für Demokratie stehen im Fadenkreuz der Rechten. Was bedeutet das für einen Journalismus, der ausgewogen berichten will? Wie können antidemokratische Prozesse gestoppt und umgekehrt werden? Darüber wurde auf der diesjährigen Medienpolitischen Tagung „Lieblingsfeind Freie Medien – europäische und deutsche Erfahrungen“, von ver.di und DGB in Berlin diskutiert.
mehr »

Filmtipp: Call Me Queen

Die Auslandskorrespondentin Anna erlebt in „Call Me Queen“ im Kenia der 1990er Jahre die Berichterstattung als unzureichend. Lange vor den heutigen Haltungsdebatten muss sie Aktivistin werden, um mit ihrem Anliegen gehört zu werden.
mehr »

Lieblingsfeind freie Medien

Autoritäre Akteure setzen demokratische Strukturen, Zivilgesellschaft und freie Medien immer mehr unter Druck. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) diskutieren dazu am Mittwoch (30. September) auf ihrer Medienpolitischen Tagung mit dem Thema: „Lieblingsfeind freie Medien – europäische und deutsche Erfahrungen“.
mehr »

Berufsbild Dadfluencer: „Papa ohne Plan“

Auf Social Media lässt sich ein neuer Trend beobachten: Väter setzen sich in ihren Accounts öffentlich, selbstkritisch und selbstbewusst mit ihrer Vater-Rolle, ihren Unsicherheiten und ihren biographischen Prägungen als Mann und Sohn auseinander. Das ist ein relativ neues Phänomen. Wir sprachen mit dem Dadfluencer Felix Schenk.
mehr »