Medienschaffende in Nahost getötet

Die palästinensischen Journalisten Saeed Al-Taweel und Mohammad Sobh werden am 10. Oktober 2023 in Gaza Stadt beerdigt. Sie kamen während Dreharbeiten bei einem israelischen Luftangriff ums Leben und gehörten zu den ersten von inzwischen weit über 200 Journalist*innen, die im Gaza-Krieg getötet wurden. Foto: picture alliance / AA | Ashraf Amra

Mehr als zwei Wochen nach den blutigen Terrorangriffen der Hamas auf Israel sind Medienschaffende und Redaktionen weiter extrem gefährdet – vor allem im Gazastreifen, aber auch im Westjordanland und im Süden des Libanon. Auch in Israel sehen sich Medienschaffende zunehmend unter Druck. Bislang wurden nach Zählung von Reporter ohne Grenzen (RSF) bei israelischen Luftangriffen in Gaza und im Süden des Libanon elf Journalisten getötet, in zehn weiteren Fällen prüft RSF, ob die Medienschaffenden während oder wegen ihrer Arbeit getötet wurden. Das trifft auf die drei in Israel getöteten Medienschaffenden nach derzeitigem Kenntnisstand nicht zu.

Solche Prüfungen dauern, denn die Lage gerade in Gaza ist unübersichtlich. Fehlender Strom, schwache Internetverbindungen und zerstörte Infrastruktur tragen ebenso dazu bei wie die massive Propaganda der Hamas und die generelle Desinformation.

Das zuletzt verifizierte Opfer ist Ruschdi Sarradsch, der am 22. Oktober bei einem israelischen Luftangriff auf sein Wohnhaus starb. Sarradsch arbeitete zuletzt als freier lokaler Mitarbeiter für Radio France und ist Mitgründer der Filmproduktionsfirma Ain Media. Zuvor, am 17. Oktober, wurde Mohammed Baluscha, Mitarbeiter des Fernsehsenders Palestine Today getötet, ebenfalls durch einen Luftangriff auf das Gebäude, in dem er wohnte. Der Sender wurde in der Vergangenheit von den israelischen Behörden verboten und gilt als vernetzt mit der Terrorgruppe „Islamischer Dschihad“. Neben der Gefahr für Leib und Leben leiden Medienschaffende im Gazastreifen unter den allgemeinen Anti-Terror-Maßnahmen der israelischen Streitkräfte wie der verschärften Blockade und der Forderung an alle Zivilistinnen und Zivilisten, den Norden des Gebiets zu verlassen. Von außen kommen derzeit keine Journalistin und kein Reporter in den Gazastreifen hinein.

„Wir brauchen dringend unabhängige Berichterstattung aus dem gesamten Konfliktgebiet, vor allem aus dem Gazastreifen“, sagte RSF-Vorstandssprecherin Katja Gloger. „Es wird von Tag zu Tag gefährlicher, dort journalistisch zu arbeiten. Und doch darf Gaza nicht zu einem medialen schwarzen Loch werden. Auch im Krieg muss der Schutz von Medienschaffenden gewährleistet werden. In Israel sehen sich Journalistinnen und Journalisten zunehmend Anfeindungen ausgesetzt.“

Seit dem 7. Oktober wurden bei israelischen Luftangriffen mehrere Redaktionsräume im Gazastreifen ganz oder teilweise zerstört. Die Palästinensische Journalistengewerkschaft spricht von bis zu 50 betroffenen Medien. Die meisten der 24 Radiosender, die für die Bevölkerung zu den wichtigsten Nachrichtenquellen gehören, haben entweder wegen der Luftangriffe oder aufgrund der Blockade den Betrieb eingestellt – es fehlt unter anderem am Treibstoff für die Generatoren. Klar ist auch: Unabhängige Berichterstattung aus dem Gazastreifen ist seit der Machtübernahme durch die Hamas im Jahr 2007 kaum noch möglich.

Auf der Rangliste der Pressefreiheit stehen die Palästinensischen Gebiete auf Platz 156. Israel steht auf Platz 97. Libanon steht auf Platz 119.

Mehr Einzelheit über getötete und bedrohte Journalist*innen unter: www.reporter-ohne-grenzen.de/angriffe-und-drohungen-in-der-ganzen-konfliktregion

Mehr zur Lage der Pressefreiheit in den Palästinensischen Gebieten finden Sie unter www.reporter-ohne-grenzen.de/palaestinensergebiete

Mehr zur Lage der Pressefreiheit in Israel finden Sie unter www.reporter-ohne-grenzen.de/israel

Mehr zur Lage der Pressefreiheit im Libanon finden Sie unter www.reporter-ohne-grenzen.de/libanon

 

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