Fehlender Schutz für Journalistinnen

Foto: Unsplash

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen fordert die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di von der Politik und Arbeitgebern endlich mehr Schutz für Frauen in den Medien. Die Zahlen von Gewalttaten an Frauen sind sowohl online als auch offline gestiegen. Der Lagebericht 2023 der Bundesregierung zu geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichteten Straftaten zeigt: Besonders hoch ist der Anstieg bei frauenfeindlichen Straftaten im Zusammenhang mit politisch motivierter Kriminalität – 322 Straftaten – 56,3 Prozent mehr als noch in 2022.

„Diese Zahlen und jede einzelne Tat machen fassungslos. Die Ampel-Koalition hatte drei Jahre Zeit, gesetzliche Verbesserungen für den Schutz von Frauen und auch für Journalistinnen vorzulegen, passiert ist es nicht,“ kritisiert die dju-Bundvorsitzende Tina Groll. „Das von Ministerin Lisa Paus vorgelegte ‚Gewalthilfegesetz‘ soll nun noch schnell im Bundestag verabschiedet werden“, fordert Groll.

Gewalt gegen Journalistinnen

Journalistinnen sind unverhältnismäßig vielen Belästigungen, Drohungen und körperlichen Angriffen ausgesetzt. Online-Plattformen sind zu Brutstätten für Frauenfeindlichkeit und Missbrauch geworden, wobei Journalistinnen, insbesondere Freiberuflerinnen, gezielten Kampagnen von Hassreden, Doxing und Trolling ausgesetzt sind, wie ein jüngster Fall in Indien zeigt, wo die Enthüllungsjournalistin Rana Ayyub über 200 Vergewaltigungs- und Todesdrohungen erhielt. Laut der Statistik der Internationalen Journalisten Föderation (IFJ), der auch die dju in ver.di angehört, wurden von den 128 im Jahr 2023 getöteten Journalisten 14 Frauen im Rahmen ihrer Arbeit getötet.

„Gewalt und Belästigung sind gravierende Verstöße gegen Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz. Medienarbeitgeber haben die Pflicht, ein sicheres Arbeitsumfeld zu gewährleisten und funktionierende Mechanismen einzurichten, damit Frauen Übergriffe melden können und besser geschützt werden“, fordert Groll.

Im Digitalen Raum haben die Angriffe auf Frauen zugenommen. 62,3 Prozent der Opfer Digitaler Gewalt sind weiblich. 2023 wurden über 17.139 Frauen und Mädchen Opfer zum Beispiel von Cyberstalking oder Cybergrooming in Deutschland.

Die dju fordert mehr Maßnahmen zur Vorbeugung und Bekämpfung von Belästigung, gegen Diskriminierung und Gewalt und Unterstützungsdienste für die Zielgruppe der Journalistinnen, einschließlich der Freiberuflerinnen. Dazu unterstützt die dju in ver.di die IFJ-Kampagne #NoExcuse. Diese enthält eine Reihe von Instrumenten zur Unterstützung von Medien und Gewerkschaften bei der Bekämpfung von Online-Gewalt.

„Es ist an der Zeit, sie zu nutzen und eine klare Botschaft an Belästiger und Angreifer zu senden, dass geschlechtsspezifische Gewalt, ob offline oder online, nicht in Ordnung ist. Wir wollen das Bewusstsein schärfen und ein sichereres Umfeld ohne geschlechtsspezifische Gewalt schaffen, damit Journalist*innen ihren Beruf ohne Angst vor Gewalt ausüben können“, erklärt Tina Groll. Gemeinsam mit anderen globalen Gewerkschaftsverbänden wie dem DGB werde sich die IFJ an der UN-UNiTE-Kampagne (25. November bis 10. Dezember) beteiligen – einer Initiative mit 16 Tagen Aktivismus gegen geschlechtsspezifische Gewalt – und ruft ihre Mitgliedsorganisationen auf, sich an der diesjährigen Kampagne unter dem Motto ‚Alle 10 Minuten wird eine Frau getötet‘ zu beteiligen.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

dpa: Streik führt zum Tarifergebnis

Die fünfte Tarifverhandlungsrunde für die rund 800 Beschäftigten der Deutsche Presse Agentur (dpa), ihrer Landesbüros und der Tochtergesellschaften im Newsroom endete am 27. März mit einem gemeinsamen Tarifergebnis von ver.di, dem DJV und der Deutschen Presse-Agentur GmbH (dpa).
mehr »

ARD: Regionaler KI-Service im Radio

Die ARD setzt im Zuge von Sparmaßnahmen auf die Zentralisation von Hörfunkmoderationen. Allerdings ging das bislang auf Kosten des Service. Im gemeinschaftlichen Radio-Nachtprogramm kommen deshalb nun KI-Stimmen zum Einsatz. Die behutsame Einführung sorgt für positive Resonanz, heißt es.
mehr »

Erneuter Angriff in Fretterode

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di verurteilt den erneuten Angriff auf Journalist*innen im thüringischen Fretterode scharf. Nach Medienberichten wurden Reporter bei Dreharbeiten im Umfeld des Rechtsextremisten Thorsten Heise angegriffen und mit Reizstoff attackiert. Sie mussten medizinisch versorgt werden.
mehr »

ECPMF: Druck auf Journalist*innen

Anfeindungen gegenüber Journalist*innen nehmen zu, ebenso wachsen ökonomischer Druck und generell strukturelle Herausforderungen im Beruf. Wie genau sich die Belastung auswirkt, hat das European Centre for Press and Media Freedom (ECPMF) in Leipzig zusammen mit dem Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) an der Universität Bielefeld im Rahmen einer aktuellen Studie mit dem Titel „Strapazierter Journalismus“ erhoben.
mehr »