Journalismus im Exil: Zahlen verdoppelt

Wer kritisch berichtet, ist Regierenden oder anderen Machthabern und oft ein Dorn im Auge. Immer mehr Journalist*innen müssen deshalb weltweit fliehen. Foto: dpa/Oliver Berg

Reporter ohne Grenzen (RSF) hat anlässlich des Weltflüchtlingstags am 20. Juni 2026 eine Karte veröffentlicht, die zeigt, aus welchen Ländern die von der Organisation unterstützten Medienschaffenden fliehen müssen und wohin. Die Zahlen zeigen ausserdem: in den letzten fünf Jahren hat sich die Zahl derjenigen verdoppelt.

Seit 2021 hat RSF nach eigenen Angaben demnach 1468 Medienschaffende unterstützt, die vor juristischer Verfolgung, Bedrohungen oder Mordversuchen fliehen mussten. Allein im vergangenen Jahr waren es 243 Personen. Besonders betroffen sind Journalist*innen aus Afghanistan, Russland, Syrien und Myanmar.

Für viele Medienschaffende enden die Strapazen auch nach der Flucht nicht: Sie sind in den Aufnahmeländern mit administrativen Schikanen und unsicheren Bleibeperspektiven konfrontiert. RSF fordert diese Staaten auf, verfolgten Journalist*innen wirksamen Schutz zu gewähren, etwa durch Notfallvisa, sichere Aufenthaltsmöglichkeiten und Unterstützung bei der Fortsetzung ihrer Arbeit. Exiljournalist*innen, so RSF, leisten einen unverzichtbaren Beitrag zu verlässlicher Information und gegen Propaganda.

Gefangen im Transit

Zwischen Flucht aus dem Heimatland und Ankunft im Zielland liegen oft Monate, wenn nicht sogar Jahre. Dies betrifft zum Beispiel Reporter*innen aus Afghanistan, die seit nunmehr fast fünf Jahren in großer Sorge vor Abschiebung in Pakistan ausharren müssen. Mit zunehmend sinkender Aufnahmebereitschaft und abnehmender internationaler Solidarität sehen sich hoch gefährdete Medienschaffende zunehmend in Transitländern gefangen, neben Pakistan etwa in Thailand oder im Libanon.

Zwischen 2020 und 2025 hat das Berliner Nothilfeteam 547 Medienschaffende bei der Ankunft im deutschen Exil unterstützt. Die meisten stammen aus Russland. Von den insgesamt 241 konnten 73 Prozent (177) im Jahr 2024 im deutschen Exil ankommen, um hier ihre Arbeit fortzusetzen.

Mit 175 afghanischen Journalist*innen kam das Gros kurz nach der Machtübernahme der Taliban 2021 nach Deutschland. Doch je mehr Zeit verstrich, umso weniger kümmerte sich die deutsche Politik um das Schicksal der weiterhin hoch gefährdeten afghanischen Medienschaffenden. 2022 kamen nur noch zehn Journalist*innen, 2023 vier, 2024 neun und 2025 drei. Weitere Länder mit größeren Fluchtbewegungen nach Deutschland waren Syrien (29), die Türkei (16), Belarus (13) und Iran (12).

 

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