Journalistin aus Haft entlassen

Eva Maria Michelmann und Ahmed Polad. Foto: privat

Am vergangenen Freitag konnte Eva Maria Michelmann nach über 150 Tagen Haft in syrischen Gefängnissen nach Deutschland zurückkehren. Sie war am 18. Januar 2026 in der nordsyrischen Raqqa verschwunden. Ihr Kollege Ahmet Polad ist aber weiterhin im Gefängnis.

Michelmann war am 18. Januar 2026 in der nordsyrischen Stadt Raqqa verschwunden, die lange unter Kontrolle der kurdisch-dominierten „Demokratischen Kräften Syriens“ (SDF) stand. An diesem Tag hatten regierungsnahe islamistische Milizen und Einheiten der syrischen Übergangsregierung die Stadt und andere vorwiegend arabische Gebiete übernommen. Darüber hatte Michelmann mit ihren Kollegen Ahmet Polad für kurdische Medien berichtet, als sie verschleppt wurde.

Lange Zeit wußten Freund*innen und Angehörigen nicht, ob die Journalist*innen überhaupt noch am Leben waren. Erst Anfang April stand zweifelsfrei fest, das Michelmann und Ahmed in syrischen Gefängnissen inhaftiert waren. Die Informationen kamen von ehemaligen Mitgefangenen, die nach ihrer Freilassung darüber berichteten.

Die Freude über Michelmanns Rückkehr nach Deutschland ist bei Angehörigen und Freund*innen groß. „Es war diese koordinierte Arbeit und Hartnäckigkeit, die schlussendlich die Freilassung von Eva Michelmann erwirken konnte. Eine Arbeit, welche die Notwendigkeit, Solidarität mit politischen Gefangenen zu organisieren, aufzeigt und beweist, dass ein Kampf für ihre Freiheit Erfolg bringen kann“, heißt es in einer Pressemeldung von Peoples-Bridge.

Die Solidaritätsorganisation hat in den letzten Monaten mit Kundgebungen und Pressekonferenzen zunächst nach Aufklärung über den Verbleib der Journalist*innen gedrängt und dann ihre sofortige Freilassung gefordert. „Solidarität wirkt“, kommentiert auch der Rechtsanwalt Roland Meister, der die Angehörigen von Michelmann vertritt, die Freilassung. Der Jurist betonte noch einmal, wie wichtig die Presseberichterstattung über das Verschwinden der beiden Journalist*innen war.

Nach Michelmanns Freilassung müsse eine politische Aufarbeitung erfolgen, betonte Meister. Dazu gehört auch die Aufklärung der Medienberichte, nach denen der deutsche Auslandsgeheimdienst BND bereits über die Inhaftierung Michelmanns informiert war, während ihre Freund*innen und Angehörige noch um ihr Leben bangten. Sie wurden von den Behörden nicht informiert.

Michelmann will sich nach ihrer Rückkehr nach Deutschland zunächst von ihrer Haft erholen und ist für Medien vorerst nicht erreichbar. Ihre Sorge gilt dem Schicksal ihres Kollegen Ahmet Polad, mit dem sie verhaftet wurde. Der Moderator für Özgür TV und Autor für Kurdistana Azad befindet sich weiterhin in syrischer Haft. „Eva Michelmann und Ahmet Polad hielten sich legal, mit Genehmigung von DAANES und unter dem Schutz der YRA als Journalist*innen in Raqqa auf. Ihre Verhaftung ist ein Angriff auf die Pressefreiheit“, betont Roland Meister.

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