Die Redaktion der Kontext-Wochenzeitung berichtet am 3. Juni 2026 über einen verlorenen Rechtsstreit gegen einen früheren AfD-Mitarbeiter aus dem rechtsextremen Umfeld. Über sechs Jahre hatte sich das Verfahren hingezogen. Nun lautet das Fazit auch: Wenn Quellenschutz juristisch antastbar wird, dürfte investigative Recherche erheblich erschwert werden.
In dem Verfahren war es um veröffentlichte Chatprotokolle gegangen, deren Authentizität frühere Gerichte, zum Beispiel das Oberlandesgericht Karlsruhe, für plausibel gehalten hätten, so Kontext. Das Oberlandesgericht Frankfurt habe die Beweislage jedoch anders bewertet und mehr Darlegungen zur Quelle verlangt. Weil “Kontext” aus Gründen des Informantenschutzes keine weiteren Angaben machen wollte, wurde die Zuordnung der Zitate nun untersagt und dem Kläger eine Entschädigung von 25.000 Euro zugesprochen.
Der Bundesgerichtshof hat die Beschwerde von Kontext gegen diese Entscheidung abgelehnt. Insofern ist das Urteil rechtskräftig. Die Bilanz der Redaktion ist ein Weckruf für alle, die um den Wert investigativer Arbeit wissen: „Unserer Einschätzung nach verschiebt sich mit diesem Urteil etwas: Wenn allein die technische Möglichkeit einer Manipulation dazu führt, dass Gerichte mehr über Informantinnen und Informanten erfahren wollen, um die Authentizität festzustellen, gefährdet das den Quellenschutz. Für Redaktionen, die ihre Quellen schützen, kann es teuer werden. Investigativer Journalismus wird riskanter.“

