Etatkürzungen bei der Deutschen Welle

Foto: ver.di

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) kritisiert die Bundesregierung für den drastischen Programm- und Personalabbau bei der Deutschen Welle. Aufgrund einschneidender Kürzungen im Haushalt des deutschen Auslandssenders werden über 160 Stellen gestrichen.

„Mit der dauerhaften Streichung des griechischen Programms und gravierenden Einschnitten in weiteren Sprachprogrammen wie Lateinamerika bei der Deutschen Welle und von mehr als 160 Stellen (Vollzeitäquivalente) werden Qualität und Vielfalt des Programms stark beschnitten. In einer um Fachkräfte werbenden Welt verliert Deutschland damit international an Wettbewerbsfähigkeit. Zudem werden Stimmen, die demokratische Kräfte weltweit unterstützen können, deutlich leiser werden. Angesichts des globalen Erstarkens autoritärer Kräfte und Regime ist das das falsche Zeichen, das die Bundesregierung in die Welt sendet“, sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christoph Schmitz-Dethlefsen.

Abwärtstrend an Qualität

Von den geplanten Kürzungen sind 163 Vollzeitäquivalente betroffen, das heißt, dass die Zahl der betroffenen, meist freien Beschäftigten deutlich darüber liegen dürfte. Für die Bleibenden dürfte sich die Arbeit weiter verdichten. Schmitz-Dethlefsen: „Erst vor zwei Jahren hat die Deutsche Welle massiv gespart und freie Beschäftigung abgebaut. Die jetzige Kürzung bedeutet einen Abwärtstrend an Qualität und Attraktivität des Senders, denn innovative Formate werden ebenso gestrichen wie lineare erfolgreiche Formate von großer Reichweite. Das gefährdet die journalistische Qualität, und negative Folgen für die Reichweite des Senders sind abzusehen.“

Die Deutsche Welle, die bislang weltweit Sendungen in 32 Sprachen produziert und wöchentlich von 337 Millionen Menschen genutzt wird, wird anders als die übrigen öffentlich-rechtlichen Sender der ARD, des ZDF und des Deutschlandradios nicht aus der Rundfunkabgabe, sondern aus Mitteln im Rahmen des jährlichen Bundeshaushaltes finanziert.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Vorsichtige Rückkehr nach Ecuador

Leonardo Gómez Ponce hat ein halbes Jahr in Berlin mit einem Stipendium von Reporter ohne Grenzen verbracht. Dort hat er gelernt sich digital besser zu schützen. Zurück in Ecuadors Hauptstadt agiert der 41-jährige investigative Journalist vorsichtig, suggeriert in den sozialen Medien, dass er weiterhin im Ausland sei. Das schützt ihn bei der Recherche und in den sozialen Netzen.
mehr »

Neue Aufgaben im Community-Management

In der plattformdominierten Öffentlichkeit sind neue Berufsfelder entstanden – wie das Community-Management, das zwischen Redaktion und Publikum vermitteln soll. Obwohl diese Aufgabe in journalistische Ausbildungspläne integriert ist, prägen mangelnde Wertschätzung und prekäre Arbeitsbedingungen die Praxis in den Medien.
mehr »

Der Arbeitskampf im ÖRR geht weiter

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) setzt ihre Tarifverhandlungen in den Sendern der ARD fort und hält an ihren Forderungen von sieben Prozent Honorar- und Gehaltserhöhungen, mindestens aber 300 Euro monatlich mehr, fest. Dies gelte ausdrücklich auch für den Westdeutschen Rundfunk (WDR), erklärte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Christoph Schmitz-Dethlefsen, zuständig für Medien.
mehr »

Zukunftsoffensive für COSMO

Über 500 Organisationen, darunter die dju in ver.di, fordern bundesweite Zukunftsoffensive für ARD-Programm COSMO. Der WDR benennt seine  Radiowellen Cosmo und 1Live Diggi um und richtet die Programme neu aus. Ein einmaliges Großbündnis warnt die ARD davor, einen großen Teil der migrantischen Bevölkerung zu vernachlässigen.
mehr »