Rassismus in Redaktionen

Der Protest gegen Rassismus findet nach wie vor vor allem auf der Straße statt. Bild: Pixabay

Das Kitt Kollektiv hat 200 Menschen, die in Redaktionen arbeiten nach ihren Rassismuserfahrungen gefragt: 90 Prozent gaben an, ihn erlebt zu haben, erklärt Sarah Zaheer im Interview mit der taz. Journalismus in Deutschland hat ein Vielfaltsproblem – können einzelne Programme, die Medienhäuser und Organisationen inzwischen etabliert haben, das Problem tatsächlich verändern?

Die Zahl sei nicht repräsentativ, erklärt Zaheer, die als freie Journalistin arbeitet und Teil des neunköpfigen Kitt Kollektivs ist – aber sie zeige ein strukturelles Problem: In vielen Redaktionen gebe es zwar ein Bekenntnis zu mehr Vielfalt, aber dabei bleibe es dann meist auch. Das damit auch das Rassismusproblem bleibt, zeigen die Gespräche, die mit betroffenen Medienschaffenden of Color oder/und mit Flucht- oder Migrationsgeschichte geführt wurden.

Was dort unter anderem berichtet wurde, dürften viele, die in Redaktionen arbeiten, aus eigener Erfahrung kennen: Menschen mit Flucht- oder Migrationsgeschichte werden zu Expert*innen für bestimmte Themen erklärt, die in diesem Bereich angesiedelt sind – dann aber, egal ob sie sich damit auskennen oder nicht, mit der Arbeit und möglichen Zugängen allein gelassen. Oft werde davon ausgegangen, dass es der Zugang „zur Community“ schon richten werde. Zugleich erleben sie sich selbst als Korrektiv, wenn es beispielsweise um bildpolitische Fragen geht.

Fehlende Diversität und Unterstützung

Hauptproplem sei, so Sarah Zaheer, dass der Großteil der Redaktionen nach wie vor nicht divers genug besetzt werde. Für manche der Befragten war die Erfahrung ein Grund, die Branche zu verlassen. Viele sind nicht über entsprechende Beschwerdestellen informiert, oft ist das Beschwerdemanagement in Medienhäusern und Redaktionen selbst ungenügend. Auch die Sensiblität bei Kolleg*innen ist oft nur unzureichend, 54 Prozent gaben an, dass nur einzelne Kolleg*innen sie unterstützt hätten.

 

 

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