Der SR lässt sich checken

Hörfunkgebäude des Saarländischen Rundfunks. Foto: SR

Die öffentlich-rechtlichen Sender stehen unter Spar- und Reformdruck. Die Politik verlangt den Abbau von Mehrfachstrukturen und eine Profilierung des Programmauftrags. Die meisten Anstalten sind bereits im Umbau. Angesichts dieser Herausforderungen lässt der Saarländische Rundfunk (SR) derzeit seine Organisationsstrukturen von externen Beratern überprüfen.

Die Evaluierung beim zweitkleinsten ARD-Sender läuft seit Oktober vergangenen Jahres. Sie in Gang zu setzen, darauf habe sich die Geschäftsleitung mit dem SR-Verwaltungsrat verständigt, erklärte der Sender auf Nachfrage. Die Mediennutzung wandele sich, die Ressourcen würden knapper. Es gehe darum, dass der SR seinen Programmauftrag auch in Zukunft zuverlässig erfüllen könne.

Bei der Beratung stehe „die Optimierung von Organisationsstrukturen und Prozessen“ im Mittelpunkt, so der SR. Ein Punkt dabei ist das Controlling des Senders. Im November 2025 kritisierte der Rechnungshof des Saarlandes, es sei zu finanzlastig ausgerichtet. Die Bereiche Finanzen, Beteiligungen, Programm und Personal müssten stärker miteinander vernetzt werden. Zudem fehle eine zentrale, koordinierende Controlling-Stelle. Gegenüber dem Rechnungshof kündigte der SR an, auch die Controlling-Strukturen extern prüfen zu lassen.

Für den SR ist der Blick von außen auf über Jahrzehnte gewachsene Strukturen wichtig. Man habe sich daher bewusst für eine externe Analyse entschieden. Das Beraterteam bringe Erfahrung aus dem Medienbereich mit. Es kenne die Besonderheiten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und sorge dafür, dass Analysen neutral und vergleichbar seien. Das Ziel des SR: dadurch „auch schneller zu guten Ergebnissen zu kommen“. Aber interne Kompetenzen würden ebenso in die Organisationsanalyse einfließen.

Keine Auskunft zu den Kosten

Dem Vernehmen nach erhielt die EOC Operations+Consulting GmbH aus Düsseldorf den Beratungsauftrag. Der SR wollte sich dazu nicht äußern und erklärte lediglich: Es sei ein mittelständisches Unternehmen beauftragt worden. Zu den anfallenden Kosten wollte der Sender ebenso keine Auskunft geben. Der Beratungsprozess wird gesteuert von einer fünfköpfigen Lenkungsgruppe. Darin vertreten sind Intendant Martin Grasmück, Justitiarin Sonnia Wüst, der Verwaltungsratsvorsitzende Michael Burkert, seine Stellvertreterin Tina Jacoby und die SR-Personalratsvorsitzende Moschgan Ebrahimi.

Die Berater*innen haben laut dem SR „zahlreiche Interviews geführt und Workshops veranstaltet“ Zudem sei es jedem Mitarbeitenden möglich gewesen, Anregungen in den Prozess miteinzubringen. Die Personalratsvorsitzende bestätigte auf Anfrage, es sei versucht worden, sämtliche Hierarchieebenen in die Beratung einzubeziehen. Für den Personalrat sei wichtig, „dass die Überprüfung keinen Stellenabbau zum Ziel hat“, sagte Ebrahimi. Sondern dass es darum gehe, aufzuzeigen, wo und weshalb es Überlastungen gebe, um diese künftig zu reduzieren.

Nach derzeitiger Planung soll die Beratungsfirma Ende März die Ergebnisse ihrer Analyse vorlegen,- zusammen mit ersten wesentlichen Schlussfolgerungen. Für Ebrahimi steht es außer Zweifel, dass konkrete Maßnahmen der Mitbestimmung unterlägen. Der Personalrat werde bei jedem Schritt mit im Boot sein und die Belange der Mitarbeitenden wahren. Künftige Maßnahmen müssten realistisch umsetzbar sein. Um weiter gute Arbeit machen zu können, seien etwa klare Strukturen und Verantwortlichkeiten sowie „gute Führung und eine strategische Personalentwicklung“ nötig.

Intendantenwahl steht vor der Tür

Die Umsetzungen der Beratungsergebnisse werden in eine Zeit fallen, in der beim SR die Intendantenwahl ansteht. Sie soll im Juni im Rundfunkrat stattfinden. Das Gremium hat, wie gesetzlich vorgeschrieben, eine Findungs- und Wahlkommission eingesetzt. Sie soll dem Rundfunkrat einen Wahlvorschlag machen. Bis Ende Februar läuft noch die öffentliche Ausschreibung des Leitungspostens.

Die aktuelle sechsjährige Amtsperiode von Intendant Grasmück endet am 30. April 2027. Er hat angekündigt, sich für eine zweite Amtsperiode zu bewerben. Mit internen Gegenkandidaten wird nicht gerechnet. Ob es relevante externe Bewerbungen geben wird, bleibt abzuwarten. Als es 2021 um die Neubesetzung des Intendantenamts ging, setzte sich Grasmück, damals SR-Hörfunkdirektor, gegen zwei Konkurrent*innen durch: die damalige und heutige SR-Chefredakteurin Armgard Müller-Adams und den seinerzeitigen ARD-Chefredakteur Rainald Becker.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Journalistinnen vor Online-Hass schützen

Zum Internationalen Frauentag warnt die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di vor zunehmender digitaler Gewalt gegen Journalistinnen. Die Gewerkschaft fordert verbindliche Schutzstandards für Medienschaffende und mehr Verantwortung der Medienhäuser beim Schutz ihrer Beschäftigten.
mehr »

DuMont schluckt die Kölnische Rundschau

80 Jahre sind eigentlich  Anlass für eine große Geburtstagsfeier. Am 19. März 1946 erschien die erste Ausgabe der Kölnischen Rundschau (KR). Es gäbe also einen guten Grund, den Tag in diesem Jahr zu feiern. Daraus wird nun nichts. Denn der Heinen-Verlag schließt die Redaktion der Kölnischen Rundschau.
mehr »

RBB: Zweifel bei „Zusammenarbeit“

„Neue Zusammenarbeit“ – so heißt beim RBB das aktuell größte Umbauprojekt. Es soll die Rahmenbedingungen für die journalistische Arbeit verbessern. Dazu gehört eine Umstrukturierung und Verkleinerung der zweiten Führungsebene, der unterhalb des Direktoriums. Vorgesehen sind nur noch acht statt bisher zwölf Positionen. Sie wurden öffentlich ausgeschrieben und sollen bis Anfang April besetzt werden. Doch vom RBB-Personalrat kommt Kritik.
mehr »

Pro Quote: Gefährdet durch Förderstopp

Das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat nach neun Jahren Förderung einen umfangreichen Antrag von ProQuote Medien zur Beobachtung und Analyse des Geschlechter-Backlashes innerhalb der deutschen Medienlandschaft abgelehnt. Das gefährdet laut Aussage des Vereins dessen Arbeit massiv.
mehr »