Aktion der WAZ gegen Bildredakteurinnen und -redakteure zunächst gestoppt

Der von der WAZ-Zeitungsgruppe mit aller Entschiedenheit geführte Angriff auf das Berufsbild und die tariflichen Rechte von Bild-Redakteuren ist zunächst einmal erfolgreich abgewehrt worden. Vor dem Arbeitsgericht Dortmund scheiterte der Essener Medienkonzern mit seinem Plan, den fotografierenden Kollegen einer sauerländischen Lokalredaktion der „Westfälischen Rundschau“ in den Gehaltstarifvertrag für kaufmännische Angestellte in NRW-Tageszeitungsverlagen einzugruppieren.

Der Betriebsrat der WR hatte der geplanten Eingruppierung widersprochen – seine Argumentation wurde in dem vom Verlag vor dem Dortmunder Arbeitsgericht geführten Zustimmungsersetzungsverfahren nachdrücklich unterstrichen. Das Gericht wies den Antrag auf Zustimmungsersetzung in vollem Umfang zurück – in der Begründung des Beschlusses heißt es unter anderem wörtlich: „Die von der Antragstellerin geplante Eingruppierung (…) in die Vergütungsgruppe A 5/0 des Gehaltstarifvertrages für die Angestellten in Verlagen von Tageszeitungen im Lande NRW stellt einen Verstoß gegen die Bestimmungen des Gehaltstarifvertrages für Redakteure und Redakteurinnen an Tageszeitungen dar, die wegen ihrer Spezialität Vorrang haben.“ Nach der Beweisaufnahme stehe zur Überzeugung der Kammer fest, „dass Herr … Redakteur i.S. des Gehaltstarifvertrages für Redakteure und Redakteurinnen an Tageszeitungen ist“.

Und dabei hatte der Verlag zuvor noch durch eine wirklichkeitsfremde Dienstanweisung versucht, dem fotografierenden WR-Kollegen trotz eines tatsächlich unveränderten Arbeitsauftrags den für den Redakteursstatus erforderlichen kreativen Teil seiner Arbeit zu rauben. Auch dieser Versuch des WAZ-Konzerns, die Arbeit von Bild-Redakteurinnen/-Redakteuren künstlich zu entwerten und damit letztlich ein ganzes Berufsbild zu zerstören, wurde vom Dortmunder Arbeitsgericht entlarvt: Nicht eine offenkundig praxisfremde Dienstanweisung, sondern die konkrete Ausgestaltung der Tätigkeit im Einzelfall sei dafür ausschlaggebend, dass der Kollege im vorliegenden Fall Redakteur im Sinne des Gehaltstarifvertrages sei.

Ob der WAZ-Konzern gegen diesen Beschluss beim Landesarbeitsgericht Hamm Beschwerde erheben wird, ist bislang nicht bekannt.

nach oben

weiterlesen

Weibliche Medienmacht steigt zu langsam

Nach der aktuellen "Leitmedienzählung" erreicht die „taz“ einen Frauenmachtanteil von 56,3 Prozent und liegt damit bundesweit ganz vorn. Das hat der Verein Pro Quote ermittelt, der sich für Gleichstellung im Mediensektor einsetzt. Damit stieg der Anteil von Frauen in den Chefsesseln der Redaktionen nur leicht. Zu den untersuchten Medien zählen „Bild“, „Spiegel“, „Focus“, „stern“, „taz“, „Zeit“, „Süddeutsche Zeitung“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und „Welt“.
mehr »

Entscheidung über Rundfunkbeitrag

Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hat der Verfassungsbeschwerde der öffentlich-rechtlichen Sender gegen die Blockade der Erhöhung des Rundfunkbeitrags durch Sachsen-Anhalt stattgegeben. Den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten stehe ein grundrechtlicher Finanzierungsanspruch zu. Die Erhöhung des Monatsbeitrags von 17,50 Euro auf 18,36 Euro tritt mit Wirkung vom 20. Juli 2021 an rückwirkend in Kraft. ver.di begrüßt die Entscheidung.
mehr »

Gegen Einschüchterung vor Gericht mit SLAPPs

Ein Bündnis aus Medienorganisationen und NGOs, darunter die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di, hat sich in einem Brief an die medien- und rechtspolitischen Sprecher*innen der demokratischen Parteien im Bundestag gewandt, um auf die wachsende Bedrohung durch sogenannte SLAPPs aufmerksam zu machen. Die „Strategic Lawsuits Against Public Participation“ (strategische Klagen gegen die Beteiligung der Öffentlichkeit) sollen Kritiker*innen einschüchtern und verdrängen.
mehr »

Vertrauen ist gut – Kontrolle doch besser?

Soloselbstständige und Freiberufler*innen, die in der Pandemie Corona-Hilfen der Länder und des Bundes in Anspruch genommen haben, bekommen vermehrt Post von Landesbanken oder Behörden, Nachweise zu liefern bzw. unberechtigt Erhaltenes zurückzuzahlen. Vielfach sorgt das für Verunsicherung und Frust. Das ver.di-Referat Selbstständige und der ver.di-Kulturbereich tragen per Mitgliederinformation zur Versachlichung bei. Unmut bleibt.
mehr »