Beschwerdestelle in Gründung

Mehr als zwölf Berufs- und Branchenverbände der Film- und Fernsehbranche werden die erste überbetriebliche Anlaufstelle für Betroffene sexualisierter Belästigung, Gewalt und Diskriminierung gründen. Unterstützung erhalten sie von der Beauftragten für Kultur und Medien Staatsministerin Monika Grütters mittels einer Anschubfinanzierung. Die Gründer appellieren an die Sender, sich an dieser wichtigen Einrichtung finanziell zu beteiligen.

Der Bundesverband Casting e.V. (BVC), der Bundesverband Schauspiel e.V. (BFFS), die Deutsche Filmakademie, die Deutsche Fernsehakademie, der Bundesverband Regie (BVR), die Bundesvereinigung Maskenbild e.V., der InteressenVerband Synchronschauspieler e.V. (IVS), der Pro Quote Film e.V., der Verband der Agenturen (VDA), der Verband der Nachwuchsagenturen (VDNA), der Verband der Schauspieler-Agenturen (VDSA) und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) haben die Initiative ergriffen und gründen eine externe Beschwerdestelle. Das ist das Ergebnis eines runden Tisches, zu dem der Bundesverband Schauspiel zwecks Gründung einer solchen Anlaufstelle eingeladen hatte.

„Anders als in anderen Branchen wirken in unserer Film- und Fernsehlandschaft überwiegend Kreative, die als kurz befristet Beschäftigte oder selbstständige Mitarbeiter ständig zwischen Filmbetrieben ohne feste Belegschaft oder Betriebsrat hin und her wechseln und dadurch auch permanent auf Arbeitsuche sind. Darum sind Beschwerdestellen auf betrieblicher Ebene schwer einzurichten und wenig sinnvoll. Nur eine überbetriebliche Beschwerdestelle kann ihre vom Gesetzgeber gewünschte Wirkung voll entfalten“, erläutert Cornelia Haß von ver.di.

Dieses neue Institut soll nicht nur als erste Anlaufstelle für Betroffene von sexualisierter Belästigung, Gewalt und Diskriminierung dienen, darüber hinaus werden Aufarbeitung und Prävention zentrale Aufgaben sein. Das ist die Voraussetzung, um mittel- bis langfristig einen Kulturwandel und eine Bewusstseinsbildung für eine gewaltfreie Arbeitskultur zu schaffen.

„Wir freuen uns, dass der Impuls und die Initiative zur Gründung dieser Anlaufstelle aus der Branche heraus gekommen und gewachsen sind. Das ist ein wichtiger Schritt hin zu einem notwendigen Kulturwandel, den wir uns in unserer Branche wie gesamtgesellschaftlich zu wichtigen Genderfragen wünschen und dringend benötigen“, erklärt Barbara Rohm, Mitglied des Vorstandes von Pro Quote Film.

„Nun sind auch die Sender aufgerufen, Farbe zu bekennen und dieses wichtige Vorhaben der Branchenverbände in angemessener Weise zu unterstützen und mitzutragen. Nur so kann die überbetriebliche Einrichtung in die Lage versetzt werden, nachhaltig zu arbeiten“, erklärt Heinrich Schafmeister, Vorstandsmitglied des Bundesverbands Schauspiel.

„Als nächster Schritt wird jetzt ein Trägerverein gegründet, der als Fundament der Beschwerdestelle dient“, so Edith Forster, Geschäftsführerin des Bundesverband Regie. Ziel ist es, dass die externe überbetriebliche Beschwerdestelle zeitnah ihre operative Arbeit aufnehmen kann. Das wird aller Voraussicht Anfang März 2018 sein. PM

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