Coole Sache

Neu gegründete ver.di-Jugendgruppe im WDR kämpft für mehr Gerechtigkeit bei Bezahlung, Urlaub und Übernahme

Lukas Lorenz, 22, in seiner Ausbildung zum Tischler beim WDR im 3. Lehrjahr, ist ein vielbeschäftigter junger Mann. Dies allerdings freiwillig und fröhlich: Als Mitglied der Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV) im Personalrat, als Mitglied im ver.di-Senderverbandsvorstand, als Mitglied in der Tarifkommission ist er auch einer von acht Gründern der neuen ver.di-Jugendgruppe im Kölner Sender.

Foto: Jürgen Seidel

Gemeinsam mit seiner Kollegin Fia Lehmann, Producerin beim Funkhaus Europa, organisiert Lukas Lorenz seit kurzem die ver.di-Gruppe, will Ansprechpartner für die unter 27-jährigen Kolleginnen und Kollegen im WDR sein. „Wir haben festgestellt, dass wir unsere Inhalte und Forderungen besser außerhalb der JAV in die Gewerkschaft einbringen können”, sagt er.
Zwei Hauptforderungen erheben die jungen Verdianer: Zum einen finden sie es „ungerecht”, dass sie einen Anspruch auf nur 27 Tage Urlaub haben, während allen anderen WDR-Beschäftigten 31 Urlaubstage zustehen. „Das zeigt doch, dass der WDR explizit keine Gleichbehandlung aller Beschäftigten will”, sagt Lorenz. Neben der Urlaubsangleichung will die WDR-Jugend für eine bessere Bezahlung der Auszubildenden kämpfen. Bislang bekommen sie für zwei Jahre vom Gehalt in einer der untersten Tarifgruppen nur 90 Prozent. „Wir wollen die Abschaffung dieser 10-prozentigen Kürzung oder einen schnelleren Aufstieg in die Ziellohngruppe.” Und außerdem: „Der WDR ist damit kein attraktiver Arbeitgeber mehr!” Die 35 außerhalb des Stellenplans vorgesehenen Stellen für Azubis werden zunehmend als Urlaubsvertretungen und „Lückenbüßer” missbraucht. Verbandssprecher David Jacobs nennt das schlicht „eine Kompensation von Planstellen”.
Die Forderungen der Jungen sind im November von der Mitgliederversammlung des Senderverbandes verabschiedet worden und werden nun von der Tarifkommission vertreten. Die Konzentration auf zunächst zwei konkrete Ziele ergibt Sinn, Probleme allerdings hat man reichlich mehr: Es gibt fast nur noch befristete Beschäftigungsverhältnisse für die Jungen – nach dem Manteltarifvertrag können es bis zu acht Jahren Befristung sein – manchmal sind es nur drei Monate. Häufig wird sehr kurzfristig Auskunft über eine mögliche Weiterbeschäftigung gegeben, die Teilzeitquote ist sehr hoch. Lorenz: „Der WDR beklagt öffentlich prekäre Beschäftigungsverhältnisse, dabei bietet er sie inzwischen selber!” Auszubildende im Handwerk werden übrigens „leider generell nicht übernommen”.
Der neuen Jugendgruppe geht es nun vor allem darum, Mitstreiter/innen zu finden. Immerhin sind alle sieben JAV-Mitglieder inzwischen in ver.di. „Wir sind die einzige JAV bei den öffentlich-rechtlichen Anstalten, die komplett in ver.di ist”, freut sich Lukas Lorenz. Verbandssprecher David Jacobs: „Die Gruppe gibt den Jüngeren, die im WDR deutlich unterrepräsentiert sind, eine Stimme für ihre Belange. Das ist eine coole Sache.” Die Mitgliederzahlen der unter 27jährigen WDR-Mitarbeiter/innen sind noch überschaubar, dabei gibt es alleine 170 Auszubildende unter 28 Jahren. Die erste Aktion der Gruppe entstand so: David Jacobs und weitere Kollegen/innen saßen nach der Ankündigung des Intendanten, es müssten 500 Stellen „abgebaut” werden, zusammen und dachten über passende Lieder zu diesem Szenario nach. „Bück dich hoch” von „Deichkind” als Arbeiterlied des 21. Jahrhunderts fiel ihnen ein oder „Du trägst keine Liebe in dir” als Anspielung auf Tom Buhros Aussage, er sei mit Liebe gekommen … Die Jugendgruppe wollte weitere Liedervorschläge sammeln und auf einer „Galgen-Party” spielen, zu der sie mit einer strangulierten WDR-Maus einlud. Die Party war recht spärlich besucht, „falscher Tag und falsches Motto”, hat Lorenz erkannt. „Wir wollen jetzt regelmäßige Treffen für alle Interessierten anbieten”, erzählt er, „ein ganz informelles Angebot, niederschwellig auch für Nicht-Mitglieder sein, erstmal zum Austauschen.” Im kommenden Jahr wird es für junge Kolleginnen und Kollegen ein Wochenendseminar zum Thema „Medienpolitik” geben, auch die JAV-Wahlen stehen an.

Lust auf Gewerkschaft. Lukas Lorenz selbst ist auch außerhalb der Gewerkschaft politisch und sozial aktiv: Er ist aktives SPD-Mitglied, bei der „Sozialistischen Jugend – Die Falken” wird er demnächst Leiter der über 14-jährigen in Köln. „Ich habe immer schon schnell als Erster den Mund aufgemacht”, sagt der selbstbewusste junge Gewerkschafter. „Wer will mir denn was tun, wenn ich meine Meinung sage? Für mich war es selbstverständlich, dass ich Gewerkschaftsmitglied werde.” Die Lust am gewerkschaftlichen Engagement wurde Lukas Lorenz nämlich im wahrsten Sinne in die Wiege gelegt: Sowohl sein Vater als auch sein Großvater sind bzw. waren Vertrauenslaute und Betriebsräte bei den Kölner Verkehrs-Betrieben – und Tischler. Der ehemalige Landes- und Bezirksschülervertreter Lukas Lorenz will allerdings nicht Tischler bleiben, er wird nach dem Ende seiner Ausbildung auf Lehramt studieren. „Wenn ich dann Lehrer bin, muss ich leider wieder die Gewerkschaft wechseln.” Bevor man aber der GEW zu einem meinungs- und überzeugungsstarken neuen Mitglied gratulieren darf, vergehen – für ver.di erfreulich – aber ja noch ein paar Jahre.

 

Kontakt:
www.verdi-wdr.de
jugend@verdi-wdr.de

 

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