Das verkannte Ressort

Das größte Ansehen auf dem Printsektor genießen hierzulande die wenigen großen überregionalen Tageszeitungen wie Frankfurter Allgemeine Zeitung und Süddeutsche Zeitung. Für die Herstellung von kommunaler Öffentlichkeit dagegen sind andere Blätter wichtiger, Hunderte von Lokal- und Regionalzeitungen.

Horst Pöttker / Anke Vehmeier (Hrsg.) Das verkannte Ressort – Probleme und Perspektiven des Lokaljournalismus Springer VS Wiesbaden, 288 Seiten, 39,99 € (Für Journalisten gibt es Freiexemplare bei der Bundeszentrale für politische Bildung)

Gerade im Zeitalter der Globalisierung wächst das Bedürfnis nach lokaler Identität, mithin das Interesse an solider Information über den Nahbereich. Das haben mittlerweile auch viele Verlage und Chefredaktionen erkannt, ohne dass dieser Erkenntnis Taten folgten. Noch immer ist das Lokalressort häufig schlechter ausgestattet als Politik, Sport oder Wirtschaft. Dieses Missverhältnis meinen offenbar die beiden Herausgeber des unlängst erschienen Sammelbandes zu „Problemen und Perspektiven des Lokaljournalismus”, wenn sie im Titel vom „verkannten Ressort” sprechen. Die Geringschätzung hat mancherorts zum Entstehen „hyperlokaler” Konkurrenz in Form von Blogs geführt, die freilich nur in wenigen Ausnahmen ihren Betreibern ein wirtschaftliches Auskommen sichern.
Hervorgegangen ist der Band aus dem von der Landesregierung geförderten Projekt „Initiative Lokaljournalismus in Nordrhein-Westfalen” (INLOK) an der Uni Dortmund. Im Rahmen des Projekts wurden Lokaljournalist(inn)en zu Weiterbildungskursen an die Hochschule und in verschiedene Medienhäuser eingeladen. Die Erfahrungen aus dieser Fortbildung flossen in das Buch mit ein.
Der Band thematisiert die Strukturen, Entwicklungen und aktuellen Probleme des Lokaljournalismus. Unter anderem geht es um Strategien gegen Leserschwund und sinkende Qualität, um investigative Recherche im Lokalen sowie die Entwicklungschancen verschiedener Sparten des Lokaljournalismus. Auch die potentielle Bedeutung von Migranten als Publikum, Werbekunden oder Journalisten für den Lokaljournalismus wird unter die Lupe genommen.
Ein nützlicher Band nicht nur für den (lokal)journalistischen Nachwuchs, sondern auch für gestandene Blattmacher und Kommunalpolitiker.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Lieblingsfeind freie Medien

Autoritäre Akteure setzen demokratische Strukturen, Zivilgesellschaft und freie Medien immer mehr unter Druck. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) diskutieren dazu am Mittwoch (30. September) auf ihrer Medienpolitischen Tagung mit dem Thema: „Lieblingsfeind freie Medien – europäische und deutsche Erfahrungen“.
mehr »

Berufsbild Dadfluencer: „Papa ohne Plan“

Auf Social Media lässt sich ein neuer Trend beobachten: Väter setzen sich in ihren Accounts öffentlich, selbstkritisch und selbstbewusst mit ihrer Vater-Rolle, ihren Unsicherheiten und ihren biographischen Prägungen als Mann und Sohn auseinander. Das ist ein relativ neues Phänomen. Wir sprachen mit dem Dadfluencer Felix Schenk.
mehr »

Mentale Belastungen im Journalismus

Immer mehr Journalist*innen fühlen sich in ihrem Beruf unwohl. Der Druck ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Zum einen werden Menschen, die journalistisch tätig sind, über Hasspostings in den sozialen Medien angefeindet. Zum anderen steigt der interne Druck durch Arbeitsverdichtung und Vorgesetzte. Mit Helpline bietet „Netzwerk Recherche“ seit einigen Jahren ein telefonisches Gesprächsangebot – anonym, vertraulich und kostenlos.
mehr »

VG-Wort: Die fetten Jahre sind vorbei

In diesen Tagen bekommen Urheber*innen wieder Post der VG Wort: die Mitteilungen über die zweite jährliche Ausschüttung, der so genannte Mitteilungsbrief. Für Journalist*innen bedeutet das hauptsächlich die Tantiemen für im Internet veröffentlichte Texte, die sogenannte METIS-Ausschüttung.
mehr »