Die „Augen von Dortmund“

Pressefotos von hohem künstlerischem Niveau

Ein Kulturereignis der einmaligen Art bot sich Vernissagebesuchern im Dortmunder Harenberg-City-Center. Einmalig nicht nur wegen der großartigen Fotokunst, die die Dortmunder Fotografen Jürgen Appelhans, Bodo Goeke, Dan Laryea, Franz Luthe, Dieter Menne, Horst Müller, Hermann Pruys, Aloys Reminghorst, Ralf Rottmann, Knut Vahlensieck, Helmut Voßgraff und Sonja Zahnberg da bieten.

Bodo Harenberg hat den letzten noch amtierenden Fotoredakteuren an den drei großen Dortmunder Tageszeitungen „Ruhr-Nachrichten“, „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ und „Westfälische Rundschau“ – den „Augen von Dortmund“ – eine Jahresausstellung ausgerichtet.

Als kleines Dankeschön an die zwölf Pressefotografen wollte er die Ausstellung verstanden wissen: „Dafür, dass sie als die Augen von Dortmund tagtäglich die Chronik der Stadt illustrieren.“ Harenberg umschrieb in seiner Laudatio moderat die schwierige Situation der Fotografen. Festangestellte Fotoredakteure an Tageszeitungen gehören zur Gattung der aussterbenden Berufe. Von Jahr zu Jahr werden weniger Bildredakteure an Dortmunder Tageszeitungen beschäftigt. Ausgebildet und neu eingestellt werde schon seit einigen Jahren nicht mehr, war in Einzelgesprächen aus den Reihen der ausstellenden Fotografen zu hören. Bisher hieße es von Seiten des Verlages, dass keiner betriebsbedingt entlassen werde. Aber wenn ein Fotograf ausscheidet oder versetzt wird, gibt es keinen Ersatz.

Künftig sollen angestellte Fotografen nach dem Tarif für kaufmännische Angestellte bezahlt werden. Fotografen dürfen dann nur nach Dienstanweisung handeln, eigene Kreativität ist verboten. Ein Widerspruch in sich. Einige Redaktionen sind bereits mit digitalen Kameras ausgestattet und die Textredakteure angewiesen „einfache“ Bilder selbst zu machen. Insgesamt sei die Stimmung unter den Fotografen schlecht. Sich nur auf freie Fotografen und Agenturen zu verlassen, sei keine Lösung. Nicht nur an die Adresse der freien Kollegen ging der Rat sich zu wehren, gemeinsame Strategien zu entwickeln und Honorarabsprachen zu vereinbaren.

Auf welch hohem Niveau die Fotokunst der Dortmunder Fotografen anzusiedeln ist, zeigten die großformatigen Bilder im Foyer des Harenberg-City-Centers – Pressefotos eines Jahres. Da gibt es beeindruckende Sportfotos, die letzte Stahlschmelze in Dortmund ist festgehalten. Schwarz-weiß Fotos erinnern an 40 Jahre Einwanderung in Deutschland und die Diskussion um das Einwanderungsgesetz.

Minutiös ist die Auflösung der Traditionsbuchhandlung Schwalvenberg dokumentiert. Die letzte Bierwerbung an Hausgiebeln erinnert an die einstige Bierstadt und immer wieder sind ausdrucksstarke Portraits zu sehen.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Wenn Redakteurinnen streiken

Am 10. März blieben bei den Tageszeitungen Taz und nd – der Tag einige Seiten weiß. In beiden Redaktionen hatten sich Journalistinnen aber auch Lektorinnen und andere Mitarbeiterinnen am 9. März am  FLINTA* -Streik beteiligt und die Arbeit niedergelegt.
mehr »

ver.di fordert Schutzkodex im ÖRR

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) fordert von ARD, ZDF und Deutschlandradio den Schutz von Journalist*innen einen entscheidenden Schritt voranzubringen: Bisher hat sich noch keine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt dem Schutzkodex angeschlossen. In vielen anderen Medienhäusern gelten die Regelungen des „Schutzkodex“ für Medienschaffende allerdings längst.
mehr »

Journalistinnen vor Online-Hass schützen

Zum Internationalen Frauentag warnt die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di vor zunehmender digitaler Gewalt gegen Journalistinnen. Die Gewerkschaft fordert verbindliche Schutzstandards für Medienschaffende und mehr Verantwortung der Medienhäuser beim Schutz ihrer Beschäftigten.
mehr »

RBB: Zweifel bei „Zusammenarbeit“

„Neue Zusammenarbeit“ – so heißt beim RBB das aktuell größte Umbauprojekt. Es soll die Rahmenbedingungen für die journalistische Arbeit verbessern. Dazu gehört eine Umstrukturierung und Verkleinerung der zweiten Führungsebene, der unterhalb des Direktoriums. Vorgesehen sind nur noch acht statt bisher zwölf Positionen. Sie wurden öffentlich ausgeschrieben und sollen bis Anfang April besetzt werden. Doch vom RBB-Personalrat kommt Kritik.
mehr »