Fair Radio

Wer das Radio einschaltet, glaubt Authentisches zu hören. Mitunter klafft jedoch eine Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Oft wird etwas vorgegaukelt! Die Fair Radio Initiative sammelt Beispiele, über die M in dieser Rubrik berichtet.


Fair Radio hat eine Beschwerde gegen „Hit Antenne Niedersachsen“ bei der zuständigen Landesmedienanstalt eingereicht. Die Entrüstung der Fair Radio-Mitglieder war eindeutig: So etwas darf man nicht machen, weil so das Radio und wir Radiomacher unglaubwürdig werden, der Hörer belogen und betrogen wird. Was ist geschehen?
Insgesamt 27 Privatradios sowie die Lokalradios in NRW beteiligten sich an der Aktion „Merkel gegen Steinmeier – das große Finale im Radio“. Am Sonntag eine Woche vor der Wahl wollten die Radiosender die zwei Kontrahenten präsentieren. Dafür führte Marc Weiß, im Hauptberuf Nachrichtenchef von „Radio NRW“, zwei Tage zuvor im Auftrag der beteiligten Stationen in Berlin 30-minütige Interviews mit Merkel und Steinmeier und zeichnete diese auf. Und alle senden dann auch dieses so produzierte Finale in der radioüblichen Form. Nur einer tanzt aus der Reihe: „Hit Radio Antenne Niedersachsen“ beschneidet die Interviews und sendet diese als Eigenproduktion. Der Privatsender tut so, als sei das Ganze allein „auf seinem eigenen Mist“ gewachsen. Kein Witz, der uns vorliegende Mitschnitt belegt, dass Nachrichtenchef Georg Poetzsch auftritt und die Interviews als „Hit Radio Antenne Niedersachsen“ und „exklusiv“ auf dem Sender verkauft. Poetzsch stellte die Fragen, nicht Weiß.
Ich frage mich wirklich, wie arrogant und gutgläubig muss man eigentlich sein, um einen solchen Fake abzuliefern, der von so vielen unmittelbar bemerkt werden kann.
„Mit der gemeinsamen Aktion ‚Merkel gegen Steinmeier – das große Finale im Radio‘ wollten deutsche Privatradios ihr Informationsimage aufpolieren“, ist auf der Website blogmedien zu lesen. „Schlimm an der Sache ist, dass Hit-Radio Antenne Niedersachsen mit diesen Mauscheleien nicht nur die befragten Kanzlerkandidaten und die eigenen Zuhörer hinters Licht führte. Schlimm ist vor allem, dass so genannte Fake-Interviews inzwischen übliche Praxis bei vielen Stationen sind und sich Hörer nur ganz selten darüber beschweren.“ Das sei ein Indiz dafür, dass viele Radiosender von ihren Hörern einfach nicht mehr ernst genommen werden“, meinen die Blogschreiber. Georg Poetsch wurde über die eigene Website von „Hit Radio Antenne Niedersachsen“ aufgefordert, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen und sich auf der www.fair-radio.net Homepage zu äußern. Bislang gibt es keine Reaktion.

 Seiwert-Fauti 

nach oben

weiterlesen

Wolfsburg: Fotograf freigesprochen

Das Amtsgericht Wolfsburg sprach den Journalisten Pay Numrich vom Vorwurf frei, an der Blockade eines VW-Autozuges beteiligt gewesen zu sein. Im August 2019 hatten zahlreiche Aktivist*innen einen Zug mittels Ankett- und Kletteraktionen blockiert, um auf die Umweltzerstörung durch weitere Autoproduktion aufmerksam zu machen. Eine Polizistin hatte den angeklagten Journalisten als einen der Akteure vor Ort identifiziert. Das Gericht erließ einen Strafbefehl, dem widersprach Numrich. Es kam zur Verhandlung.
mehr »

Aufklären statt Anheizen

Konflikte und Aggressionen nehmen im Internet immer mehr Raum ein und „entzünden sich im Austausch von Standpunkten und Meinungen“, beschreibt der Journalistinnenbund (JB) die Veränderung der Diskurskultur seit der Verbreitung sozialer Medien. Die 34. Jahrestagung des JB lud vom 17. bis 19. September 2021 dazu ein, sich dem Thema „Aufklären statt Anheizen – konfliktsensitiv berichten“ zu widmen und an dem vielseitigen Programm in Essen oder per Livestream teilzunehmen.
mehr »

Gewappnet mit neuen Ideen zur Vernetzung

Gute Stimmung und intensive Gespräche prägten den NRW-Selbstständigentag mit etwa 60 Teilnehmenden am vergangenen Wochenende. Alles drehte sich um Solidarität, die auch für die persönliche Krisenbewältigung wichtig ist; um Vernetzung, die in Kleinstgruppen vor Ort, etwa „in der Raucherecke“ anfängt und darum, dass Selbstständige „keine Aliens“ sind, wenn es um soziale Absicherung geht.
mehr »

Neue Publik-Chefin

Maria Kniesburges war seit 2007 Chefredakteurin der ver.di publik und der ver.di news. 14 Jahre lang prägte sie die ver.di-Medienlandschaft. Jetzt ist sie in den Ruhestand gegangen. Ihre Nachfolgerin Petra Welzel ist seit dem 1. September im Amt. Die Kunsthistorikerin und Journalistin hat mehr als 30 Jahre journalistische Erfahrung. Seit ver.di-Gründung ist sie Chefin vom Dienst der ver.di publik, mittlerweile auch für verdi.de und verdi.tv. Sie hat entscheidend dazu beigetragen, dass sich die ver.di-Medien weiterentwickelt haben und den Herausforderungen der Gegenwart mit ihren zahlreichen Kommunikationskanälen gerecht werden. Denn die Ansprüche an Kommunikation haben sich seit der…
mehr »