Geheimdatei über Redakteure

Die Datenschutzbeauftragte des Landes Bremen, Imke Sommer, hat eine heimlich angelegte Personaldatensammlung bei einem „Medienunternehmen“ beanstandet. Nach Informationen von M handelt es sich dabei um die Bremerhavener Nordsee-Zeitung (NZ).

Sommer schreibt in ihrem jüngsten Jahresbericht, die Chefredaktion des Unternehmens habe die Persönlichkeit der (insgesamt 41) Redakteurinnen und Redakteuren „bewertet“. Dazu seien eine Vielzahl von Merkmalen – zum Beispiel Schnelligkeit, Engagement, Kommunikations- und Organisationsfähigkeit – „nach mehreren Stufen erhoben“ worden, und dies ohne Wissen der Betroffenen. Die Belegschaft habe nur gerüchteweise davon erfahren, was zu einer großen Verunsicherung geführt habe.
Zweck der Bewertung, so heißt es weiter im Datenschutzbericht, sei es gewesen, die Beschäftigten je nach Stärken und Schwächen gezielter einsetzen zu können. Nur die Mitglieder der Chefredaktion hätten Zugriff auf die Daten gehabt.
Als jemand die Datenschutzbeauftragte einschaltete, sagte das Unternehmen zu, die Bewertung sofort einzustellen und die Daten zu löschen. Wegen der unzulässigen Datenerhebung leitete die Behörde dennoch ein Bußgeldverfahren gegen einen der Verlagsgeschäftsführer ein. Kürzlich wurde es wieder eingestellt. Damit sei die Angelegenheit erledigt, meinte NZ-Chefredakteur Jost Lübben auf Anfrage von M und lehnte deshalb weitere Auskünfte ab. Dem Vernehmen nach endete das Verfahren allerdings nicht aus inhaltlichen, sondern nur aus formalen Gründen.

nach oben

weiterlesen

Einnahmen von Plattformen sprudeln

Die Statistik von PwC besagt, dass die Umsätze der deutschen Medienwirtschaft 2021 erst das Niveau von 2017 erreicht haben. Für 2022 wird dagegen ein neuer Rekord vorausgesagt. Die Verluste waren vorrangig bei Printmedien und Kinos zu verzeichnen. Fernsehen und Digitalmedien konnten deutlich zulegen. Die Einnahmen aus Nutzungsgebühren sprudeln bei den Streaming-Plattformen. Bei gedruckten Periodika steigen sie zwar auch, können die Printverluste aber nicht ausgleichen. Der Buchmarkt war 2021 leicht im Plus, aber die Leserzahl geht beim jüngeren Publikum zurück.
mehr »

Buchtipp: Ostdeutsche Regisseurinnen in der Nachwendezeit

Die Sichtweisen auf die Zeit nach der Wende sind vielschichtig – doch für viele davon ist im gängigen Narrativ der Wiedervereinigung bis heute kein Platz. Vor diesem Hintergrund ist das Buch „Was wir filmten“ entstanden. In Essays und Gesprächen beschäftigen sich Filmemacherinnen aus drei Generationen mit Filmen von ostdeutschen Regisseurinnen nach 1990. Den Impuls gab das Internationale Frauen Film Fest Dortmund/Köln.
mehr »

Fakten, Fakten, Fakten – ein Allheilmittel?

Angriffe auf Journalisten, Morddrohungen gegen Politiker, eine „Bild“-Zeitung, die Wissenschaftler an den Pranger stellt und so die Szene der Corona-Leugner befeuert. Der harte Kern der Verschwörungsideologen ist mit den Mitteln der etablierten Medien, mit wahrheitsgemäßer Information nicht mehr zu erreichen, darin sind sich Wissenschaftler*innen und Journalist*innen einig. Öffentlich-rechtliche wie auch private Medien setzen dennoch verstärkt auf Faktenchecks. Nutzlos oder können sie doch helfen?
mehr »

Facebook News von dpa kuratiert

Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) übernimmt ab 1. April das Kuratieren journalistischer Nachrichten auf Facebook. dpa-Redakteur*innen sorgten demnach für Auswahl und Pflege von Inhalten aus deutschen Medienhäusern auf Facebook News. Vertragspartner seien Meta und die dpa-Tochter dpa Infocom, teilten beide Unternehmen mit. dpa als Gemeinschaftsunternehmen der deutschen Medien sei für diese Aufgabe „prädestiniert“, so der Geschäftsführer der Nachrichtenagentur.
mehr »