In Berlin: War Zone Freelance Exhibition

Die Frau mit Kind sitzt im Februar 2013 vor ihrem zerstörten Haus im syrischen Ras al Ayn. Foto: Benjamin Hiller

Lokale und internationale Freelancer gehören zu den am meisten gefährdeten und gleichzeitig am wenigsten bekannten journalistischen Akteuren in Konflikt- und Kriegsregionen. Um auf ihre Situation aufmerksam zu machen und ihre Bilder und Geschichten einer breiten Öffentlichkeit zu zeigen, haben vier internationale Fotografen im vergangenen Jahr das Ausstellungsprojekt „War Zone Freelance Exhibition“ ins Leben gerufen, das im März und April 2016 in Berlin Station macht.

Egal ob Irak, Syrien oder Libyen: Das Arbeiten in den Krisen und Konfliktregionen dieser Welt ist in den vergangenen Jahrzehnten immer unsicherer geworden. Allein im Jahr 2015 wurden laut Reporter Ohne Grenzen 64 Journalisten wegen ihrer Arbeit getötet. Viele etablierte Medien reagieren darauf, indem sie immer seltener eigene Journalisten und Fotografen in Konfliktregionen entsenden. Das erhöht die Bedeutung von Freelancern für den internationalen Journalismus und die Kriegsberichterstattung. Unter den Freelancern finden sich sowohl lokale, den internationalen Medien und Agenturen zuarbeitende Fixer, aber auch internationale Fotografen und Journalisten, die auf eigene Faust in Konfliktregionen recherchieren.

Um auf die prekäre Situation der Freelancer in den Kriegsregionen dieser Welt aufmerksam zu machen, hat sich im vergangenen Jahr die Initiative „War Zone Freelance Exhibition“ gegründet. Angelegt ist das Projekt als Wanderausstellung durch die Metropolen Europas und der USA. Start der Ausstellungstour war im Januar dieses Jahres der prestigeträchtige Frontline Club in London.

Thematisch geht es vor allem um die Konfliktregionen des Nahen Ostens, mit Bildern und Hintergrundgeschichten von internationalen und lokalen Kollegen. Eine der aufgegriffenen Geschichten ist beispielsweise der tragische Tod des nicht einmal 20-jährigen syrischen Fotografen Molhelm Barakat im Jahr 2013, der als Stringer für Reuters arbeitete.

Einer der Mitbegründer des Projekts ist der Berliner Fotojournalist Benjamin Hiller. Von Haus aus Ethnologe, bereist er seit vielen Jahren als Freelancer die Konfliktregionen des Nahen Ostens. Einen Namen gemacht hat er sich vor allem mit seinen fotografischen Langzeitprojekten über Kurden. Für ihn geht es bei der Ausstellung darum, nicht nur über die Situation in den Konfliktregionen zu informieren, sondern auch Begleitumstände der Berichterstattung offenzulegen und die Kooperation zwischen internationalen Freelancern und lokalen Fixern genauer zu beleuchten.

Das Projekt „War Zone Freelance Exhibition“ reiht sich in ein in verschiedene Initiativen, die sich in den vergangenen Jahren gegründet haben, um Freelancer zu unterstützen. Dazu gehört z.B. das Frontline Freelance Register. Ziel solcher Projekte ist es, bessere Strukturen für das physische und psychische Wohlergehen der Freelancer zu schaffen. Denn ohne feste Anbindung an Redaktionsstrukturen fehlt ihnen meist die Unterstützung, die festangestellten Kollegen zukommt. Die Gründung neuer Initiativen durch Freelancer kann dabei auch als Signal an die etablierten Journalistenorganisationen verstanden werden, sich dieses Themas stärker anzunehmen.

Finanziell wird das Projekt „War Zone Freelance Exhibition“ von den Gründern, durch Unterstützung der beteiligten Galerien sowie einer Projektförderung der Rosa-Luxemburg-Stiftung gestemmt. Auf der Plattform Indiegogo lief im vergangenen Winter darüber hinaus eine Crowdfunding Kampagne zur Finanzierung der Ausstellung. Insofern ist zu hoffen, dass die Initiative künftig mehr Aufmerksamkeit bekommt und dass die Ausstellungstour dazu beitragen kann, das Schlaglicht stärker auf das Schicksal der Freelancer in den Krisenregionen dieser Welt zu richten.

Die Ausstellung ist in Berlin-Mitte vom 17. März bis 15. April in der Galerie Sprechsaal zu sehen. Updates über das Projekt gibt es auf der zugehörigen Facebookpage.

http://www.warzonefreelance.com/

http://www.frontlinefreelance.org/

 

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