TikTok droht mit Kündigung

Foto:123rf

Beschäftigte von TikTok in Berlin wehren sich seit Wochen gegen geplante Kündigungen. Arbeit von Content-Moderator*innen und Betreuer*innen für nicht-deutschsprachige Content-Creators bei TikTok Germany soll von Künstlicher Intelligenz übernommen werden. Im Juli wurde zweimal gestreikt. Es waren die ersten Streiks bei einer Social-Media-Plattform in Deutschland. Jetzt droht TikTok einer der Aktiven, Mitglied von ver.di, mit Kündigung. Die Gewerkschaft bewertet das als Einschüchterungsversuch.

An den Streiks bei TikTok beteiligten sich aus Solidarität auch Beschäftigte aus Bereichen, die eigentlich nicht von den Umstrukturierungen betroffen sind. Zu ihnen gehört eine ver.di-Kollegin, der kurz nach ihrer Teilnahme an den Arbeitsniederlegungen im Juli, die Kündigung angedroht wurde. Sie ist die Einzige in ihrem Team, der ohne das Angebot von Alternativen gekündigt werden soll.

Der ver.di-Kollegin seien in diesem Zusammenhang mit sofortiger Wirkung sämtliche Zugänge zum System gesperrt worden. Inzwischen wurde diese Sperrung wieder aufgehoben. Bereits direkt nach den Streiks habe die TikTok-Geschäftsführung Falschinformationen über das deutsche Streikrecht im Unternehmen verbreitet und Einzelgespräche mit Beschäftigten angekündigt, heißt es in einer ver.di-Pressemitteilung. Schon dies hatte die Gewerkschaft als „Einschüchterungsversuch“ bewertet, der nun in der avisierten Kündigung seine Fortsetzung fand.

„Aus einem Team mit über 30 Beschäftigten soll ausgerechnet die Kollegin gefeuert werden, die sich am Streik beteiligt hat. Die Sache stinkt zum Himmel, und die vermeintlichen betriebswirtschaftlichen Begründungen halten wir allesamt für wenig glaubwürdig. Wir fordern TikTok auf, von der Kündigung sofort Abstand zu nehmen und endlich mit ver.di in konstruktive Verhandlungen über den geforderten Sozialplantarifvertrag einzutreten“, erklärt die für den Bereich Medien in Berlin-Brandenburg zuständige Gewerkschaftssekretärin, Kathlen Eggerling.

Sollte TikTok die Kündigung tatsächlich aussprechen, werde ver.di die Kollegin mit allen juristischen Mitteln unterstützen, um dagegen vorzugehen.

Mehr Infos:

Streik bei TikTok wird fortgesetzt

Themenwebsite „Arbeit“ auf verdi.de:

https://www.verdi.de/themen/arbeit/++co++19d30bc8-622c-11f0-937c-b715127af524

 

 

 

 

 

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Trauer um Franz Kotteder

Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di trauert um Franz Kotteder. „Kotti" oder „der Franz", wie ihn Freunde und Kollegen wahlweise nannten, starb am 30. Dezember nach schwerer Krankheit viel zu früh im Alter von 62 Jahren. Seine Kolleginnen und Kollegen in der dju und im Süddeutschen Verlag verlieren mit Franz einen ebenso engagierten wie geistreichen, humorvollen und liebenswürdigen Streiter für Pressefreiheit, Qualitätsjournalismus und vor allem für die Interessen von Journalistinnen und Journalisten sowie aller Beschäftigten in der Zeitungsbranche.
mehr »

Guatemala: Eine ernüchternde Bilanz

Knapp zwei Jahre ist Guatemalas Präsident Bernardo Arévalo im Amt und erklärtes Ziel seiner Regierung ist es einen Schutzmechanismus für Journalist*innen einzuführen. Doch das innovative Projekt kommt nicht vom Fleck, moniert die Medienanalystin Silvia Trujillo gemeinsam mit zahlreichen bekannten Berichterstatter*innen. Dafür machen sie nicht nur den omnipräsenten „Pakt der Korrupten“ verantwortlich, sondern auch das Zögern der Regierung. Die verharre im Stand-By.
mehr »

Europas Machtprobe mit den Plattformen

Wegen mangelnder Transparenz bei Werbung und Nutzerkonten hat die EU-Kommission eine Strafe in Höhe von 120 Millionen Euro gegen den Onlinedienst X verhängt. Mit dem Digital Services Act (DSA) will die EU das Netz demokratisch kontrollieren. Doch Verfahren gegen X, TikTok und Meta zeigen, wie schnell die angestrebte Regulierung zur politischen Auseinandersetzung wird.
mehr »

Gespräche aufnehmen: Was ist erlaubt?

"Ich lasse nun die Aufnahme mitlaufen.“ In Interviewsituationen am Telefon sind Tonaufnahmen unproblematisch, wenn die Beteiligten sich darauf verständigen. Unsicherheiten bestehen aber, wenn Gespräche heimlich aufgenommen wurden, beispielsweise von Informant*innen. Darf die Aufnahme veröffentlicht werden? Können die Informationen aus dem Gespräch verwendet werden?
mehr »