Klare Stellung gegen rechts gefordert

Eröffnungsfeier der Frankfurter Buchmesse 2021 in der Festhalle Foto: Marc Jacquemin

Die zurzeit stattfindende Frankfurter Buchmesse wird überschattet von den Debatten um die Teilnahme rechtsgerichteter Verlage. Die Messeleitung beruft sich auf Meinungs- und Publikationsfreiheit. Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di reagiert mit Bestürzung auf die Ankündigung zahlreicher Autor*innen, der Frankfurter Buchmesse wegen der Präsenz rechter Verlage fernbleiben zu wollen, und fordert die Messeleitung auf, Rassismus und Menschenfeindlichkeit künftig keine Bühne mehr zu bieten.

Die schwarze Autorin Jasmina Kuhnke hat ihre Teilnahme an der Frankfurter Buchmesse abgesagt. Der Grund: Eine Diskussionsrunde mit ihr sollte direkt neben dem Stand des rechten Verlags „Jungeuropa“ stattfinden, berichtet der Deutschlandfunk Kultur. Es sei absehbar, dass über den Verlag hinaus auch weitere Rechtsextreme die Messe besuchen werden, was die Gefahr für mich persönlich unübersehbar gegenwärtig mache, twitterte Kuhnke. Auch die Schauspielerinnen Annabelle Mandeng und Nikeata Thompson, der Influencer Riccardo Simonetti und der Inklusions-Aktivist Raul Krauthausen gaben nach Kuhnke ihre Absage bekannt.

„Es ist erschreckend, dass Menschen gezwungen sind, sich aus Angst um Leben und Gesundheit von einem so wichtigen gesellschaftlichen Diskursraum zurückzuziehen. Das darf die Buchmesse nicht hinnehmen, die Leitung muss jetzt klar Stellung gegen rechts beziehen“, erklärte die Bundesgeschäftsführerin der dju in ver.di, Monique Hofmann.

Wie er mit Andersdenkenden und Kritiker*innen umzugehen gedenke, habe der rechtsextreme Jungeuropa-Verleger Philip Stein vor einigen Wochen unverhohlen in seinem Podcast angekündigt. Darin fantasierte er, man könne dem Journalisten Andreas Speit den Kopf scheren und ihm das Wort „Deutschland“ in Fraktur ins Gesicht tätowieren, wenn dieser den Stand des Verlags auf der Buchmesse besuchte. Speit ist vor allem für seine Recherchen im rechtsextremen Umfeld bekannt. „Diese verstörenden Gewaltfantasien hätten auch der Messeleitung bekannt sein und zu einem sofortigen Ausschluss des Verlags von der Buchmesse führen müssen“, so Hofmann. Speit sowie der Journalistin Andrea Röpke, die in besagtem Podcast ebenfalls erwähnt worden war, sicherte sie zudem die uneingeschränkte Solidarität der Journalist*innengewerkschaft zu.

Die 73. Frankfurter Buchmesse findet bis Sonntag mit rund 2.000 Ausstellern aus 80 Ländern und etwa 300 Autorinnen und Autoren statt.

 

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