Kritische Berichte bei VW unerwünscht

Foto: Jana Wraneschitz

Was der vom Lande Niedersachsen mitbestimmte VW-Konzern (20 Prozent Anteile) zurzeit probiert, ist schlichtweg der Versuch, die Pressefreiheit einzuschränken. Wenn dieser Tage im Messezentrallager Isenbüttel neue Elektro-Fahrzeuge und Ladekonzepte vorgestellt werden, soll augenscheinlich jegliche kritische Berichterstattung schon im Keim erstickt werden. Was veröffentlicht wird, bestimmt allein Volkswagen!

Die durch den Dieselskandal ins mediale Rampenlicht gerückten Käfer-Erfinder bedienen sich dabei eines Tricks, dem keine seriöse Journalistin, kein ernsthafter Journalist auf den Leim gehen darf: Man bauchpinselt die Kolleg*innen, indem Exklusivität vorgegaukelt wird.

„Wir bieten Ihnen als einem von wenigen ausgewählten Journalisten die Teilnahme an dieser Veranstaltung an. Dabei können Sie einen exklusiven Blick hinter die Kulissen unserer bevorstehenden Einführung der ID.Familie werfen und die besondere Atmosphäre und Aufbruchsstimmung auf Seiten von Hersteller und Handel spüren“, steht in der Einladung.

Klingt gut. Ist aber tatsächlich mit Einschränkungen verbunden, die kritischen Journalismus unmöglich machen: Fotos, Videos, Tonbandaufnahmen sind verboten, ja sogar „sonstige Aufzeichnungen (auch schriftlich)“. Und außerdem: „Wir können ein solchen Zugang leider nur gewähren, wenn wir die Artikel vor Veröffentlichung einmal sehen und ggf. ändern können.“

Das ist unsäglich. Und außerdem ein klarer Verstoß gegen die Freiheit der Presse, den hier ein staatlich dominierter Konzern versucht. Wie übrigens viele andere Firmen tagtäglich auch. Herausgefunden hat das die Medienjournalistin Ulrike Simon, veröffentlicht in Horizont Online.

Jede, jeder von uns sollte schon aus berufs-ethischen Gründen eine solche vergiftete Einladung strikt ablehnen. Auch wenn sie noch so schön klingt wie bei VW: „Das Jahr 2019 ist das Jahr, in dem sich die Marke Volkswagen startklar für den Launch ihrer neuen ID.Familie macht. Dabei geht es um weit mehr als nur um die Einführung eines neuen Modells. Es geht um die Einführung einer ganzheitlichen Mobilitätslösung: angefangen beim Auto, über digitale Dienste bis hin zur passenden Ladeinfrastruktur. Wir als Marke Volkswagen haben die Chance und eine Verpflichtung, die wir in unserem Namen tragen: Wir machen nachhaltige Mobilität für alle zugänglich.“

Selbst diese Ankündigung ist gelogen: „Für alle zugänglich“ ist dieser Blick auf die neuen VW-Emobile ja nur jenen, die vorher zugestimmt haben. Und hinterher gilt: VW schreibt, er oder sie darf nur den Namen drunter setzen. Das aber ist schlichtweg PR, kein seriöser Journalismus.

 

 

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