Weibliche Medienmacht steigt zu langsam

Eine animierte Infografik auf pro-quote.de Beginnend mit Februar 2012 zählt und vergleicht ProQuote Medien die Frauenanteile in journalistischen Führungspositionen. Die Zählungen erfolgen auf Grundlage der Print- und Online-Impressen, wobei nach Hierarchie-Ebenen gewichtet wird: Je höher die Position, desto größer die Machtfülle. ProQuote Medien fordert, die Hälfte der journalistischen Spitzenpositionen weiblich zu besetzen. (Screenshot: proquote.de)

Nach der aktuellen „Leitmedienzählung“ erreicht die „taz“ einen Frauenmachtanteil von 56,3 Prozent und liegt damit bundesweit ganz vorn. Das hat der Verein Pro Quote ermittelt, der sich für Gleichstellung im Mediensektor einsetzt. Damit stieg der Anteil von Frauen in den Chefsesseln der Redaktionen nur leicht. Zu den untersuchten Medien zählen „Bild“, „Spiegel“, „Focus“, „stern“, „taz“, „Zeit“, „Süddeutsche Zeitung“, „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ und „Welt“.

Edith Heitkämper, Vorsitzende von ProQuote Medien, verdeutlicht: „Unsere Analysen zeigen zwar, dass der durchschnittliche weibliche Führungsanteil in den Redaktionen langsam ansteigt – doch immer noch sind Frauen in den Chefetagen der Medien klar unterrepräsentiert. Das kann und darf nicht so bleiben.“

Mit einem von ProQuote definierten „gewichteten Frauenmachtanteil“ von 56,3 Prozent erfülle allein die „taz“ die Forderung nach der Hälfte der redaktionellen Macht für Frauen. Erstmals nach zwei Jahren bleibe der „stern“ wieder unterhalb der 50-Prozent-Marke, liege aber mit 47 Prozent auf dem zweiten Platz des Rankings.

Leichte Verluste bei der weiblichen Redaktionsmacht verzeichnet auch der „Spiegel“ (minus 2,2 Prozentpunkte auf 37,8 Prozent) und fällt von Platz 3 auf Platz 5. Auf den dritten Platz klettert die „Zeit“ (38,3 Prozent), auf dem vierten Rang führt ProQuote die „Süddeutsche Zeitung“ (37,9 Prozent) auf.

Ranking: Frauenmachteile in deutschen Leitmedien (Veränderung zu Januar 2021 in Prozentpunkten):

1. taz  56,3% (minus 0,1)

2. stern  47,0% (minus 4,1)

3. Zeit  38,3% (minus 0,3)

4. SZ  37,9% (plus 3,6)

5. Spiegel  37,8% (minus 2,2)

6. Bild  24,2% (plus 2,1)

7. Focus  22,9% (plus 5,5)

8. Welt  21,7% (plus 0,4)

9. FAZ  20,7% (plus 1,3)

Im Durchschnitt erreichen die neun untersuchten Medien einen Wert von 34,1 Prozent. Die seit 2012 vorgenommenen Zählungen erfolgen anhand der Print- und Online-Impressen. ProQuote gewichtet nach Hierarchie-Ebenen: je höher die Position, desto größer die Machtfülle.

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Krasse Kürzungen bei ARD und ZDF

  Für 58 Cent bekommt man heutzutage beim Bäcker allenfalls ein Brötchen von gestern. Dennoch haben einige Bundesländer ARD und ZDF eine entsprechende Erhöhung der Rundfunkabgabe auf monatlich 18,94 Euro verweigert. Trotz einer Verfassungsbeschwerde der Sender wird der Beitrag erst 2027 steigen, und dann wohl nur um 28 Cent. Vor allem innerhalb der ARD muss daher noch mehr gespart werden. Das schließt auch einen weiteren Stellenabbau mit ein.
mehr »

Medien-NGOs im Visier der Rechten

In Deutschland nehmen die Angriffe auf zivilgesellschaftliche Organisationen zu – angefeuert von extrem rechten Akteur*innen aus Politik, Medien und PR. Ihre Diffamierungs- und Desinformationskampagnen zielen darauf, vor allem Nichtregierungsorganisationen, finanziell auszutrocknen. Damit gefährden sie auch die Arbeit demokratischer Medienprojekte.
mehr »

Filmtipp: Was haben wir gelacht

Der Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht“ mit Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Gaby Köster und Esther Schweins blickt facettenreich, differenziert und  kurzweilig aus weiblicher Perspektive auf die Rolle der Frau in der Fernsehunterhaltung der Neunziger- und Nullerjahre. Eva Müller und Isabel Schneider dokumentieren mit Hilfe vieler Show-Ausschnitte, wie misogyn und homophob diese Zeit war.
mehr »

KI-Resilienz im Journalismus

In der aktuellen KI-Debatte schenkt sich keiner was. Kaum taucht der Verdacht auf, ein Kollege habe ChatGPT oder Claude zum Schreiben mitgenutzt, beginnt vielerorts bereits die öffentlichkeitswirksame KI-Spurensuche.Die aktuelle KI-Debatte zeigt, warum Redaktionen endlich praxistaugliche Leitlinien für einen souveränen Umgang mit der KI brauchen.
mehr »