Porträt: Das Konzept muss stimmen

Veranstaltungstechniker Martin Glaß

„Am Ende des Tages muss alles funktionieren!“ So lautet die Maxime von Martin Glaß. Wie so oft ist er gerade auf dem Sprung. Als selbständiger Ingenieur für Veranstaltungstechnik plant er derzeit in einer Berliner Agentur eine große Open-Air-Veranstaltung für die Staatsoper mit Ton, Licht, Bühnenaufbau, elektrischen Anlagen, sicherheitstechnischen Anforderungen und, und und …

Foto: Bärbel Rechenbach
Foto: Bärbel Rechenbach

Das alles muss er mit den anderen im Team unter einen Hut bringen, damit die Veranstaltung gelingt. Daran jedoch lässt der 28jährige keinen Zweifel. Der junge Mann aus Berlin-Pankow weiß, was er gelernt hat, was er kann und wofür er verantwortlich ist, vertraut dem Team und sich selbst dabei. „Ich helfe mit, dass die Veranstaltung ein besonderes Erlebnis für alle Beteiligten vor und auf der Bühne wird. Dafür muss das Konzept stimmen.“
Die Branche, in der Martin Glaß arbeitet, ist noch jung und mitunter auch noch auf dem Weg, erwachsen zu werden, wie er meint. Reichte es einst noch, als nicht ausgebildeter „Quereinsteiger“ Veranstaltungen „zu bauen“ und zu betreuen, sind jetzt flexible Fachleute gefragt, die sich in der Licht-, Ton-, Bühnen- und Elektrotechnik auskennen. Nicht zu vergessen das technische Gespür für Abläufe auf, vor und hinter der Bühne. Dazu gehört auch, Kabel so zu verlegen, dass keiner darüber stolpert oder sie optisch stören.
Martin Glaß hatte sein Abitur in der Tasche, als er die dreijährige Berufsausbildung zur „Fachkraft für Veranstaltungstechnik“ begann. Das ist Voraussetzung, wenn ein Ingenieursstudium folgen soll. Martin absolvierte seinen Master an der Beuth Hochschule für Technik in Berlin. „Thema meiner Bachelor-Arbeit war die Analyse des Bühnendesigns der 360°-Konzerttour von U2. Das war auch live ein großartiges Erlebnis. Im Zuge meiner Master-Arbeit habe ich mich dann vertiefend mit der Showgestaltung im Livemusikbereich auseinandergesetzt.“
Zum Tagesgeschäft gehören aber auch Stadtfeste, Messen, Kongresse, Theateraufführungen oder TV-Produktionen. Wer daran Gefallen findet und in den Beruf einsteigen möchte, dem rät Martin Glaß, schon mal vorab zum Beispiel in den Ferien in diese Bereiche reinzuschauen. „Mir half, dass ich schon von Anfang an die andere Seite als Musiker kannte und dort immer wieder gesehen habe, was alles stimmen muss, damit Veranstalter, Publikum und Künstler am Ende zufrieden sind.“
Der Beruf des Veranstaltungstechnikers ist noch relativ jung. Er existiert als solcher erst seit 1998, hat sich seitdem etabliert und bekam zunehmend fachliche Lehrinhalte. „Ich denke, jetzt kommt es darauf an, weitere Strukturen zu schaffen, damit sich die Branche weiterentwickeln kann – beispielsweise auch im Arbeitsrecht. Klar ist, dass unser Job zeitweise auch 12 oder 16 Stunden am Tag dauern kann. Auch an Wochenenden und Feiertags sind wir oft unterwegs. Das gehört dazu und macht auch Spaß. Dennoch ist es perspektivisch wichtig, dass alle Seiten miteinander vernünftige Vereinbarungen treffen, damit z.B. Familie und Beruf in Einklang gebracht werden können.“ Fest steht für ihn: „Wer sich engagiert und sich fachlich auskennt, besitzt auf jeden Fall Chancen auf dem Arbeitsmarkt und findet Einsatzmöglichkeiten, vor allem in großen Metropolen – entweder als Angestellter oder als Freischaffender.“

 

nach oben

weiterlesen

Beschwerde-Rekord beim Deutschen Presserat

Der Deutsche Presserat hatte im vergangenen Jahr ordentlich zu tun: 2020 sind so viele Beschwerden eingegangen wie noch nie. Das lag nicht zuletzt an Massenbeschwerden zu einzelnen Artikeln, die in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert wurden. Auch die Zahl der Rügen ist deutlich gestiegen. Insgesamt 53 Mal verhängte die Freiwillige Selbstkontrolle der Presse ihre schärfste Sanktion.
mehr »

Gibbet Fisch, oder gibbet kein Fisch?

Der Spruch stammt von meinem Musiker-Kollegen, mit dem ich als Autor in den 90iger Jahren, also in den guten analogen Zeiten, auf Lesereise war. Ein paar Bier, ein Abendessen und das Eintrittsgeld waren immer drin, und selbst wenn am Ende der Lesung der Hut rumging, kam ein nettes Sümmchen zusammen. Zeiten, von denen man heute nur noch träumen kann.
mehr »

Hanau: Betroffenen mehr Raum geben

Zum Jahrestag des rassisch motivierten Anschlags in Hanau hatten Interkultureller Mediendialog und dju in ver.di Hessen eingeladen, über Diskursverschiebungen in der Berichterstattung zu diskutieren. Es gebe zwar mehr Sensibilität, aber „in bestimmten Redaktionen ist der Groschen noch nicht gefallen, weil es sie nicht betrifft“, konstatierte Hadija Haruna-Oelker vom Hessischen Rundfunk.  Veränderungen habe es vor allem durch den Druck von Angehörigeninitiativen der neun Opfer gegeben, so Gregor Haschnik von der „Frankfurter Rundschau“.
mehr »

Wenn abstrakte Ideen konkret werden

Designer*innen „machen die Welt zu einem schöneren Ort“, heißt es blumig bei der Rheinischen Fachhochschule Köln. „Design heißt, Lösungen für Probleme zu entwickeln“, sagt Professor Klaus Neuburg vom Mediendesign-Studiengang der Ostfalia-Hochschule ganz rational. Und ein Problem hatten seine Studierenden bei der Planung der Jahresausstellung:  Statt die Werke wie üblich in der Hochschule zeigen zu können, wanderte pandemiebedingt alles in eine selbstentwickelte 3-D-Ausstellung mit dem Titel „Prototyp“.
mehr »