Positives Fazit für Frauen bei Sparkx

Moderatorin Dr. Sabine Hahn mit den Sparkx-Alumni Christiane Herzog, Head of SAP Unit, Bavaria Film Interactive; Laura Machutta, Produktions- und Herstellungsleiterin Moovie; Carolin Mungard, Leitung Verträge und Lizenzen Rowohlt Verlag; Valeria Torchiaro-Steinmeier, Leitung Bavaria Filmstadt, Vermarktung und Kommunikation Bavaria Film und Daniella Wallau, Head of Public Relations Astragon Entertainment. (v.l.n.r.)
Foto: Sarah Schaefer

Die Karrierechancen von Frauen im mittleren Management in der Medienbranche zu verbessern, und zwar nachhaltig – das ist das Ziel von Sparkx, einem Leadership-Programm des Erich Pommer Instituts. Drei Jahre lang lief das Programm mit über 80 Teilnehmer*innen aus mehr als 40 Unternehmen. Nun feiert Sparkx seinen Abschluss und die Verantwortlichen und ehemalige Teilnehmerinnen ziehen ein Fazit.

Enthusiast*innen, Skeptiker*innen und Zyniker*innen – in diese drei Gruppen hätten sich die Menschen aufgeteilt, denen sie vor dem Start von Sparkx erzählt habe, berichtet Nadja Radojevic, Geschäftsführerin des Erich Pommer Instituts (EPI) und Programmleiterin von Sparkx. Die Enthusiast*innen seien von Anfang an begeistert gewesen. Die Skeptiker*innen hätten ihr viel Glück gewünscht, sich aber nicht vorstellen können, „dass auch nur ein Unternehmen die Mitarbeiterinnen für so ein Programm freistellt“. Und die Zyniker*innen? Die wollten wissen, wann es denn ein derartiges Leadership-Programm für Männer gebe.

Nun, drei Jahre später, feiern Radojevic und ihre Mitstreiterinnen den Abschluss von Sparkx. „Wir können sagen: Die Enthusiasten hatten Recht“, so die Programmleiterin. Drei Jahrgänge von Frauen in Führungspositionen haben das EPI-Programm durchlaufen, insgesamt nahmen 84 Frauen und Männer aus 43 Unternehmen aus den Bereichen Film, Fernsehen, Radio, Verlagswesen, IT, Games und Musik teil.

Das dreijährige Projekt wurde gefördert vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und dem Europäischen Sozialfonds im Rahmen der ESF-Sozialpartnerrichtlinie „Fachkräfte sichern: weiterbilden und Gleichstellung fördern“. Kooperationspartner von Sparkx sind neben ver.di der Bundesverband Musikindustrie, Media:Net Berlin Brandenburg und Women in Film and Television (WIFT) Deutschland.

Das Ziel von Sparkx: die Karrierechancen von Frauen im mittleren Management in der Medienbranche nachhaltig zu verbessern. Das sollte gelingen durch Angebote in zwei Bereichen. Zum einen gab es Workshops und Coachings für die teilnehmenden Managerinnen, in denen sie sich mit ihrem persönlichen Profil auseinandersetzten, Inhalte zur Führung und Motivation vermittelt bekamen sowie in Verhandlung, Auftritt und Präsentation geschult wurden. Zudem gab es für jede Teilnehmerin Einzel-Coachings, in denen sie sich mit individuellen Schwerpunkten beschäftigen konnte.

Gleichzeitig richtete sich Sparkx auch an Personalverantwortliche aus den Unternehmen. Diese belegten einen zweitätigen Workshop, bei dem Konzepte des modernen Gleichstellungsmanagements auf die Unternehmensstrukturen übertragen wurden. An dem Programm nahmen also immer zwei Menschen aus einem Unternehmen teil, für das Personalermodul waren auch Männer zugelassen. Mit 15,5 Prozent fiel deren Anteil zwar gering aus. Sie habe aber im Laufe der Jahre ein steigendes Interesse auch bei Männern beobachten können, sagt Claudia Niemann, Projektmanagerin beim EPI. „Es wird realisiert: Vielfalt und Diversität sind wichtig für den unternehmerischen Erfolg.“

Bei der Abschlussveranstaltung kommen auch Frauen zu Wort, die das Programm durchlaufen haben. Bevor sie sich bei Sparkx bewarben, hätten sie sich ein wenig „lost“ – verloren – gefühlt, berichten zwei Managerinnen. Die eine wusste nach der Elternzeit nicht so recht, wie es für sie in ihrem Unternehmen weitergehen sollte. Die andere sagte, sie habe nach Orientierung gesucht, nachdem sie Abteilungsleiterin in ihrem Unternehmen wurde.

Es brauche oft nur eine schlechte Erfahrung im Beruf, um daran zu zweifeln, dass man einer Führungsrolle gewachsen sei – das beobachte sie bei vielen Frauen, sagt Laura Machutta, Produktions-und Herstellungsleiterin bei der Filmproduktionsfirma Moovie. Daher sei es wichtig, Frauen in Führungspositionen sichtbar zu machen. „Das ermutigt auch andere Frauen.“ Machutta selbst hat nach ihrer Teilnahme am Sparkx-Programm die Aufgabe in ihrem Unternehmen übernommen, die sie sich gewünscht hatte.

Auch Christiane Herzog, Leiterin der SAP-Unit bei Bavaria Film Interactive, berichtet von einem unmittelbaren Erfolgserlebnis. Dabei bezieht sie sich auf die Sparkx-Coachings im Modul Auftreten und Präsentation: „Wir würden heute vielleicht nicht ganz so entspannt auf diesem Panel sitzen, wenn wir das nicht bekommen hätten“, so Herzog.

Die Managerinnen betonen vor allem den wertschätzenden Umgang, den es bei Sparkx gegeben habe – sowohl vonseiten der Trainerinnen als auch innerhalb der Gruppen. Die Jahrgänge stehen auch jetzt noch in Kontakt, viele Teilnehmerinnen wollen es sich in Zukunft zur Aufgabe machen, sich mit anderen Frauen in der Branche zu vernetzen und Erfahrungen auszutauschen.

Und wann gibt es ein solches Leadership-Programm für Männer? Als ihr zum ersten Mal diese Frage gestellt worden sei, habe sie nicht recht gewusst, was sie antworten soll, sagt EPI-Geschäftsführerin Nadja Radojevic. Beim nächsten Mal habe sie die richtige Antwort parat gehabt – nämlich, „dass wir das natürlich sehr gerne machen, wenn mehr Frauen als Männer in Führungspositionen in unserer Branche arbeiten.“ Doch einen Bedarf daran werde es hoffentlich nicht geben: „Es geht nicht darum, irgendjemanden zu diskriminieren, sondern um eine faire Verteilung.“

nach oben

weiterlesen

Rundfunkbeitrag: Minus trotz Plus

Die Finanzkommission KEF hatte vorgeschlagen, dass der Rundfunkbeitrag ab 2021 um 86 Cent steigt. Auf der Ministerpräsidentenkonferenz in Berlin haben sich die Länder mit der KEF-Empfehlung befasst, aber noch keine Entscheidung getroffen. Klar ist: Für ver.di ist der auf dem Tisch liegende Vorschlag enttäuschend, denn er bedeutet de facto ein Einfrieren des Beitrags. Politische Unterstützung kommt von einem Länderchef, von dem es nicht zu erwarten war.
mehr »

Lokalpolitiker mit Migrationsgeschichte

In den Parlamenten sind sie immer noch eine Minderheit: Politiker*innen mit Migrationshintergrund. Sie wurden wenig beachtet, doch nun „kommen sie stärker in die Öffentlichkeit“, so der Sozialwissenschaftler Cihan Sinanoğlu. Er und zwei Frankfurter Politiker diskutierten auf Einladung von dju Hessen und Interkulturellem Mediendialog über das Bild, das die Abgeordneten von sich selbst haben und das, was die Presse von ihnen zeichnet.
mehr »

Rundfunkfreiheit gilt auch wieder in Bayern

Das Bayerische Verfassungsgericht hat am 3. Dezember entschieden, dass das Integrationsgesetz des Landes in Teilen verfassungswidrig ist. Insbesondere stellte das Gericht fest: Die im Gesetz formulierte Verpflichtung, die in der Präambel definierte „Leitkultur“ in Rundfunk- und Telemedienangeboten „zu vermitteln, verletzt die Rundfunkfreiheit und das Recht der freien Meinungsäußerung“.
mehr »

Das wird man wohl nicht sagen dürfen!

Am Aufstieg der AfD waren wir Medienvertreter*innen maßgeblich beteiligt: Indem wir über die Partei berichtet, ihre Provokationen aufgegriffen und manche Themensetzung übernommen haben. Daher zwingt uns die AfD zu einem unbequemen Schritt: Einer Auseinandersetzung mit Vorurteilen und blinden Flecken als Journalist*innen und unserer Verantwortung im Umgang mit Sprache.
mehr »