Presseausweis – der einzig Wa(h)re

Immer wieder erreichen den geneigten Leser / der geneigten Leserin von Zeitungen, Online-Diensten oder gar Fachzeitschriften Angebote über Presseausweise, mit denen tolle Vorteile verbunden sein sollen. Kostenloser Kinobesuch oder Rabatte auf Waren aller Art sind noch die harmlosesten Verlockungen. Gefährlich wird es bei augenzwinkernden Hinweisen, daß man es mit der Einhaltung von Straßenverkehrsordnung oder anderen Gesetzen nicht mehr so genau nehmen müsse, könne man nur einen Presseausweis zücken. Mitglieder der Journalistenorganisationen wissen es längst besser und brauchen sich von dererlei Angeboten nicht verunsichern lassen.

Denn: Seit vielen Jahren gibt es, von Zeit zu Zeit modifizierte, „Grundsätze über die Gestaltung von Bundeseinheitlichen Presseausweisen“. Der hierüber geführte Schriftwechsel von dem Bundesministerium des Innern, den Innenministern/-Senatoren der Länder, dem Deutschen Journalistenverband, der Industriegewerkschaft Medien, der Deutschen Angestelltengewerkschaft, dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger und dem Verband Deutscher Zeitschriftenverleger liegt dem federführenden Innenministerium von Nordrhein-Westfalen vor. Die oben genannten Verbände tragen die Verantwortung für eine gewissenhafte und ordnungsgemäße Ausstellung und Ausgabe der Presseausweise.

Die Presseausweise werden nur an hauptberufliche Journalistinnen und Journalisten ausgegeben. Hauptberuflich ist nur, wer seinen Lebensunterhalt überwiegend aus journalistischer Tätigkeit erzielt. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um angestellte Journalistinnen und Journalisten (Redakteurinnen/Redakteure oder Volontärinnen/Volontäre) oder Freiberufliche handelt. Die Verbände haben sich bereit erklärt, auch an Nichtmitglieder Presseausweise auszustellen. Kriterium auch hier: die hauptberufliche journalistische Tätigkeit, die nachgewiesen werden muß.

Übrigens: Im Jahr 2000 wird es neue Presseausweise geben. Erste Gespräche finden im Oktober statt. Den Gültigkeitsstempel für 1999 gibt es ab November in den zuständigen IG-Medien-Büros.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Umfragen, die ins Weltbild passen

Junge Männer wollen, dass Frauen ihnen gehorchen? Meinungsforschungsinstitute vermarkten geschickt ihre zweifelhaften Umfrageergebnisse - und Medien folgen unkritisch der vorgegebenen Interpretation. Wie sich Geschlechterrollen auch in der Berichterstattung verfestigen können.
mehr »

Kritisch, regional und investigativ

„Regionaljournalismus – wichtiger denn je“ war das Forum der Initiative Qualität im Journalismus im Presseclub Nürnberg überschrieben. Die Initiative, bei der auch die dju in ver.di mitarbeitet, diskutierte über die in der Region besonders große Dichte von Privatradios, das Berichten über Rechtsextremismus und Deepfakes.
mehr »

Immer Ärger mit der Obrigkeit

In seinem aktuellen Buch „Meinungsfreiheit“ analysierte Ronen Steinke deren aktuellen Zustand. Der promovierte Jurist und leitende Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung spricht mit M über seine Schlussfolgerungen.
mehr »

ARD: Regionaler KI-Service im Radio

Die ARD setzt im Zuge von Sparmaßnahmen auf die Zentralisation von Hörfunkmoderationen. Allerdings ging das bislang auf Kosten des Service. Im gemeinschaftlichen Radio-Nachtprogramm kommen deshalb nun KI-Stimmen zum Einsatz. Die behutsame Einführung sorge für positive Resonanz, heißt es.
mehr »