Pressekonferenz@home

Pressekonferenzen im Internet – „M“ hat den neuen Service getestet.

Der rasende Reporter, ständig zum nächsten Termin hetzend, ist ein beliebtes Klischee. Dabei findet ein großer Teil der Arbeit am Schreibtisch, im Netz und per Telefon statt. Nun gibt es die Möglichkeit, den Besuch von Pressekonferenzen an den Redaktionsschreibtisch oder ins Heimbüro zu verlagern.

Die Berliner Peito GmbH bietet dazu ihren webPK genannten Service für das Live-Streaming einer Pressekonferenz über das Internet. Wirtschaftsjournalisten dürfte das von Unternehmens-PK bekannt sein. Dort handelt es sich meist um Telefonkonferenzen, die im Netz gesendet werden – die Fragemöglichkeit ist oft Analysten vorbehalten. Bei den webPK wird die real stattfindende Pressekonferenz gefilmt und im Netz ausgestrahlt, auch der online teilnehmende Journalist kann Fragen stellen. Außerdem können alle auf der Konferenz gezeigten Charts oder Präsentationen übertragen werden. Die Kosten einer webPK liegen zwischen 4.900 Euro für die einfache Version und 7.400 Euro für ein individualisiertes Paket.

Mehr Journalisten erreichen

Was ist der Vorteil einer auch oder gar ausschließlich online veranstalteten Pressekonferenz? Dazu Hans-Georg Felder, Pressesprecher von Hertha BSC, dem unsere Redaktion diese Frage während einer Online-PK stellte: „Wir wollten den Service für Sportjournalisten verbessern, insbesondere auch nicht in der Region Berlin ansässigen Kollegen die Möglichkeit geben, die Pressekonferenzen zu verfolgen.“ Deshalb wird der Hauptstadtclub in dieser Saison alle Pressekonferenzen im Vorfeld eines Spiels auch im Internet veranstalten. Neben dem Serviceaspekt strebt der Verein auch eine Ausweitung der Medienpräsenz an. Zwar liegen dem Pressesprecher dazu noch keine konkreten Fakten vor – das Angebot ist noch jung, Hertha hatte erstmals die letzte PK der vorherigen Saison auch im Netz veranstaltet – aber es gibt ein starkes Indiz dafür, dass die Online-Pressekonferenz tatsächlich mehr Journalisten erreicht. Denn nach Angaben von Felder wie auch von Sabrina Ortmann aus der Pressestelle bei Peito hat es bislang keine Verlagerung der Teilnehmer vom realen Besuch zum Netzempfang gegeben. Da aber an den bisherigen Hertha-Pressekonferenzen im Netz zwischen 30 und 60 Medienvertreter teilgenommen haben, kann man davon ausgehen, dass diese üblicherweise nicht an den Konferenzen des Berliner Vereins teilnehmen.

Schnelle Registrierung unkompliziert per Mail

Und wie wirkt eine Online-Pressekonferenz aus teilnehmender Perspektive? Eigentlich tatsächlich nicht sehr unterschiedlich von einer real besuchten – mal abgesehen von den fehlenden Häppchen. Unsere Redaktion hatte am 23. August keinerlei ernsthafte technische Probleme bei der Verfolgung der Pressekonferenz im Vorfeld des Spiels Hertha gegen Schalke. Eine Registrierung war nötig, die schnell und unkompliziert per Mail funktionierte. Es wird beim Registrierungsvorgang eine Testseite für die technischen Voraussetzungen des empfangenden Rechners angeboten. Dieser Test funktionierte trotz Firewall auf Empfängerseite, der erste Versuch des Einloggens dann aber nicht. Nach Abschalten des elektronischen Schutzschildes klappte der zweite Versuch auf Anhieb. Die technischen Voraussetzungen für den Empfänger sind niedrig, ein handelsüblicher PC mit Lautsprechern und installiertem RealPlayer oder MediaPlayer und ein 56K-Modem reiche, so Ortmann. Unser Test erfolgte mit einem 750 MHz-Prozessor, einer Grafikkarte niedrigster Preisklasse und einem DSL-Anschluss – die Bilder kamen weitgehend, die Töne vollständig ruckelfrei auf den heimischen Bildschirm. Zweimal während der 40 Minuten dauernden Konferenz unterbrach der RealPlayer zum Zwischenspeichern die Wiedergabe – ausgerechnet während die eigene Frage beantwortet wurde. Da aber der Ton exakt dort wieder einsetzte, wo er unterbrochen wurde, ging von der Antwort nichts verloren.

Mangelnde Transparenz und Mikrofonprobleme

Allerdings waren Nachfragen, die Präsenzteilnehmer stellten, nachdem ihre Frage bereits beantwortet war, nicht verständlich – damit nicht nur die Antworten des Podiums, sondern auch die Fragen der vor Ort anwesenden Kollegen verstanden werden, müssen diese natürlich in ein Mikrofon gestellt werden, und das war bei den Nachfragen bereits beim nächsten Frager der Liste. Ein zweiter Punkt ist die mangelnde Transparenz. Denn natürlich ist ein Fragemanagement nötig, da sonst das Durcheinander im Online-Bereich ein noch größeres Problem darstellen könnte als etwa Dutzende gleichzeitig vor Ort gestellte Fragen. Diese Aufgabe wird von einem Mitarbeiter übernommen, der die eingehenden Fragen sichtet und dann ans Podium weiterleitet. Der Auftraggeber kann natürlich, das bestätigt auch Sabrina Ortmann, Fragen, Themenkomplexe oder Teilnehmer von vornherein und auch während der laufenden Konferenz ausschließen. Aber letztlich bietet auch die Präsenz vor Ort keine Gewähr, eine sinnvolle Antwort auf Fragen zu bekommen, die vom Veranstalter nicht beantwortet werden wollen.

Anreise unnötig

Die Teilnahme vor Ort wird sicher die Regel bleiben, nicht wegen der Schnittchen, sondern weil sich am Rande vielleicht Gelegenheit zu einem persönlichen Gespräch ergibt. Weil der Schnack mit Kollegen fehlt oder schlicht und einfach nur, um mal raus aus dem Büro zu kommen. Aber die meisten Kollegen dürften bereits einmal vor dem Problem gestanden haben, dass die Anreise zu einer Pressekonferenz zeitlich oder finanziell nicht machbar war – und genau hier kann die Pressekonferenz via Internet hilfreich sein.

www.webpk.de
www.peito.de (existiert nicht mehr, der Säzzer)

nach oben

weiterlesen

Klare Stellung gegen rechts gefordert

Die zurzeit stattfindende Frankfurter Buchmesse wird überschattet von den Debatten um die Teilnahme rechtsgerichteter Verlage. Die Messeleitung beruft sich auf Meinungs- und Publikationsfreiheit. Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di reagiert mit Bestürzung auf die Ankündigung zahlreicher Autor*innen, der Frankfurter Buchmesse wegen der Präsenz rechter Verlage fernbleiben zu wollen, und fordert die Messeleitung auf, Rassismus und Menschenfeindlichkeit künftig keine Bühne mehr zu bieten.
mehr »

Verleger Ippen stoppt Bericht über Bild-Chef

Seit gestern steht der Vorwurf des Machtmissbrauchs bei Springer durch Bild-Chefredakteur Julian Reichelt erneut im Licht der Öffentlichkeit. Journalist*innen des Ippen-Verlages wollten nach wochenlanger Recherche über neue Erkenntnisse berichten. Verleger Dirk Ippen stoppte die Veröffentlichung. Das Team „Ippen Investigativ“ protestiert, da dies „allen Regeln der unabhängigen Berichterstattung“ widerspreche. Auch die dju in ver.di sieht Ippens Vorgehen kritisch. Reichelt wurde inzwischen von allen Aufgaben als Bild-Chef entbunden.
mehr »

Umdenken auf dem medialen Bildermarkt!

Der Fotojournalismus ist zukunftsfähig! Dieses positive Signal sendeten Vorträge und Diskussionen beim Fotograf*innentag 2021 am 8. Oktober in Dortmund. Es ging um neue Chancen für das Berufsbild in Zeiten des „digitalen Plattformkapitalismus“, zunehmender Anforderungen durch Auftraggeber und immer schlechterer Bezahlung. „Slow Journalism“, eigene, digitale Veröffentlichungsformate oder besser vernetzte Interessenvertretungen bieten Ansätze.
mehr »

Was mit Medien? Das braucht Hartnäckigkeit

Wer hierzulande in den Journalismus will, braucht vor allem eines: Hartnäckigkeit. Denn obwohl in manchen Bereichen wie den Lokalredaktionen von Nachwuchsmangel die Rede ist, ist es für die jungen Leute, die den Berufseinstieg suchen, oft gar nicht so leicht. Egal ob Praktikum, Volontariat oder Journalistenschule: Dran bleiben und sich nicht entmutigen lassen, heißt die Devise. Wir begleiten zwei junge Frauen auf ihrem Weg in den Beruf.
mehr »