Presseversorgung bleibt attraktiv

Boom durch Alterseinkünftegesetz bei berufständischem Versicherer

Eitel Sonnenschein bei der Jahreshauptversammlung der Gremien des Presseversorgungswerkes im Juni: Das Neugeschäft stieg im vergangenen Jahr um elf Prozent auf 380 Mio. Euro, die Zahl der Verträge wuchs gar um 30 Prozent. „2004 war für uns ein Jahr, wie es immer sein könnte“, bilanzierte Geschäftsführer Dr. Falk. Trotzdem wird es ein Ausnahmejahr sein – wesentliche Ursache des Booms war das am 1. Januar dieses Jahres in Kraft getretene Alterseinkünftegesetz. Es krempelt die Altersvorsorge von vor- auf nachgelagerte Besteuerung um und kappte damit zugleich das Privileg von Kapitallebensversicherungen.

Um dieses sich trotzdem noch zu sichern, schlossen viele Journalisten, Werbeleute und Medienmacher in den letzten Monaten 2004 noch schnell eine Versicherung bei der Presseversorgung ab. Und zwar im freiwilligen Bereich. Dagegen sank die Zahl der obligatorischen Verträge, also der per Tarif für festangestellte Zeitungs- und Zeitschriftenjournalisten gesicherten Altersvorsorge, erneut. Ihr Anteil am Gesamtbestand lag 2002 bei 36 Prozent, nun sind es nur noch 20 Prozent! „Ob damit die Talsohle erreicht ist“, so Dr. Falk, „ist schwer zu prognostizieren“.

Jeweils ein individueller Mix

Hängt das Obligatorium von der Einstellungs- bzw. Entlassungspraxis der Verlage ab, basiert der Erfolg bei den freiwilligen Neuabschlüssen wesentlich auf der Vertriebsleistung der Presseversorgung und ihrer Partner (allen voran die Allianz). Der Vertrieb muß sich aber künftig vom reinen Produktverkauf zur integrierten Beratungsleistung profilieren, denn die gesetzliche Neuordnung der Altersvorsorge mit den drei Säulen staatliche Basisrente, betriebliche Vorsorge und private Absicherung erfordert bei jedem Kunden einen individuellen Mix. Besonders für die letzten beiden Säulen bietet das Presseversorgungswerk einen attraktiven Produktkatalog, der als neue Broschüre „Kompakt“ angefordert werden kann bzw. im Internetauftritt einsehbar ist (www.presse-versorgung.de). Attraktiv sind dabei nicht nur die verschiedenartigen, flexibel gestaltbare Vertragsformen, sondern auch die Konditionen: Mit einer Überschussbeteiligung von 4,5 Prozent liegt das Versorgungswerk 2005 in der Spitzengruppe der 20 größten deutschen Lebensversicherer und die wieder gestiegene Nettoverzinsung der sicherheitsbewußt gesteuerten Kapitalanlagen bildet eine sichere Basis für die Zukunft. Auch die Renten der Versorgungskasse glänzen – angesichts der Nullrunden bei der staatlichen Rente – 2005 mit einem Zuwachs von 1,2 Prozent. Als Reaktion auf das Alterseinkünftegesetz beschlossen die Gesellschafter der Presseversorgung (darunter von ver.di) für die Pflichtversicherungen, die obligatorische Kapitallebensversicherung durch einen modifizierten Kapitaltarif zu ersetzen. Dadurch bleibt bei Ablauf die Wahlmöglichkeit für festangestellte Redakteurinnen und Redakteure zwischen einmaliger Kapitalzahlung und lebenslanger Rente erhalten – ohne steuerliche Nachteile. Die Aufgaben der Rentenkommission bei der Versorgungskasse werden künftig von deren Beirat wahrgenommen. Für vier ausscheidende Gremienmitglieder wurden in Stuttgart drei neue Vertreter in den Verwaltungsrat bzw. die Finanzkommission des Versorgungswerkes und eine Kollegin in den Versorgungskassenbeirat gewählt.

 

nach oben

weiterlesen

Medienleute schützen, nicht verteufeln

Als völlig geschichtsvergessen bezeichnet die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di Hessen den Aufruf aus dem Umfeld der sogenannten Querdenker, am Sonntag in Frankfurt am Main gegen die „gleichgeschalteten Medien“ zu demonstrieren. Von der Polizei werde erwartet, dass sie Journalist*innen vor Übergriffen schützt, betonen auch die öffentlich-rechtlichen Redakteursausschüsse.
mehr »

Verbandsklagerecht für Urheber unverzichtbar

Das Verbandsklagerecht muss zwingend als neues Rechtsinstrument in das Urheberrecht aufgenommen werden. Mit dieser Forderung wenden sich der Deutsche Journalisten-Verband und die Gewerkschaft ver.di gemeinsam an die Abgeordneten des Deutschen Bundestags. Unterstützung erfahren die beiden Gewerkschaften durch ein Rechtsgutachten und den konkreten Formulierungsvorschlag von Prof. Dr. Caroline Meller-Hannich, Universität Halle-Wittenberg.
mehr »

Corona wirkt als Test für Menschenrechte

Die Menschenrechtslage hat sich in der Covid-19-Krise für Millionen von Menschen unmittelbar oder mittelbar verschlechtert, stellt Amnesty International im weltweiten Menschenrechts-Report 2020/21 fest. In vielen Teilen der Welt hätten die Pandemie und ihre Folgen im letzten Jahr die Auswirkungen von Ungleichheit, Diskriminierung und Unterdrückung verstärkt. Auch für Deutschland wird Handlungsbedarf ausgemacht.
mehr »

Wie hybrid darf ein Dokumentarfilm sein?

Der Dokumentarfilm „Lovemobil“ bietet seit Tagen heißen Diskussionsstoff. Eine STRG_F-Reportage des NDR hatte enthüllt, dass die Autorin Elke Lehrenkrauss den Film teilweise mit Darsteller*innen inszeniert hatte - ohne dies offenzulegen. Die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG-Dok) nahm den Eklat um die "Fake-Doku" zum Anlass, in Kooperation mit der Deutschen Akademie für Fernsehen (DAfF) einen Web-Panel unter dem Titel „Was darf Dokumentarfilm?“ zu veranstalten.
mehr »