Rechte Hetzer drohen Redaktion mit Mord

Schmierereien in der Bahnhofsunterführung in Sulzbach
Foto: beobachternews

„Die dju in ver.di verurteilt die feigen Übergriffe und jetzt sogar Morddrohungen gegen den Journalisten Alfred Denzinger auf das Schärfste“, sagt dju-Bundesgeschäftsführerin Cornelia Berger, nachdem die Redaktion des Online-Magazins Beobachter News öffentlich über Hetze und Drohungen gegen das Medium und seine Akteure informiert hatte. Die dju versichert die angegriffenen Kolleg*innen, die aktiv gegen Rechts auftreten, ihrer uneingeschränkten Solidarität.

„Es ist gut, dass Staatschutz und Staatsanwaltschaft unverzüglich die Ermittlungen aufgenommen haben und auch, dass der Chefredakteur von Beobachter News den Schritt in die Öffentlichkeit getan hat“, erklärt die dju-Bundesgeschäftsführerin: „Dabei hat er unsere vollste Unterstützung, denn wir dürfen uns bei der Ausübung unserer Arbeit nicht einschüchtern lassen, um Neonazi-Schlägern oder anderen Feinden der Demokratie nicht das Feld zu überlassen​.“

Zuvor hatte sich die Redaktion des nahe Stuttgart herausgegebenen „Magazins für politische Bewegung im Südwesten“, so der Untertitel, entschieden, Hetze und Angriffe öffentlich zu machen: Nach vier Farbanschlägen auf das Wohnhaus und das Auto des Chefredakteurs der Beobachter News habe es nun – „pünktlich zum Tag der Pressefreiheit am 3. Mai“ – eine weitere Attacke gegeben: Unter dem Betreff „die Denzinger-Mischpoke töten“ erhielt der Herausgeber des antifaschistischen Online-Magazins eine brutale Morddrohung.

Man werde seine Familie „der Ausrottung anheimstellen“, schrieb demnach ein „Anonymous“ mit Datum vom 27. April per E-Mail. Der Chefredakteur werde „wegen feindlicher Agitation gegen das deutsche Volk“ zum Tod durch Verbrennen verurteilt. Auf Familie und Freunde sei keine Rücksicht zu nehmen. Eine konkrete Vorgehensweise werde „angeraten“.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Der Verfasser oder die Verfasserin der Mail kündigt an, weitere Informationen zu Örtlichkeiten und Gewohnheiten über einen „sicheren Kanal“ an Aktivisten weiterzugeben. Die Redaktion der Beobachter News informierte die Polizei. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Auslöser der jüngsten Drohung dürfte ein Halbsatz Alfred Denzingers in einem TV-Interview gewesen sein, vermutet die Redaktion Beobachter News. In dem Beitrag des SWR ging es bereits um eine Serie von Anschlägen und Sachbeschädigungen gegen einen Journalisten, die am letzten März-Wochenende in einem großflächigen Farbanschlag auf ein Wohnhaus in Heidelberg gipfelte. Denzinger, selbst bereits mehrfach Zielscheibe neonazistischer Übergriffe, forderte in dem Fernsehinterview, hetzerische Webseiten zu verbieten. Das rief die einschlägigen Publikationen und offensichtlich auch ihre Anhängerschaft auf den Plan. Über die Interviewäußerung hätten alsbald der Blog „Political incorrekt“ PI-News und ähnliche Publikationen unter der Überschrift „Die feuchten Träume des Alfred Denzinger“ berichtet, ebenso der Blog „Journalistenwatch“. Dabei hielten es die Herausgeber nicht für nötig, hetzerische und verleumderische Kommentare oder persönliche Details zu entfernen.

Rechte Drohungen an Wänden

In der Bahnhofsunterführung der kaum mehr als 5400 Einwohner*innen zählenden schwäbischen Gemeinde Sulzbach wurden am 15. April rechte Farbschmierereien entdeckt. Neben politischen Parolen, die sich unter anderem gegen Geflüchtete richteten, wurden Namen und zum Teil auch Adressen bekannter links orientierter Personen mit roter und schwarzer Farbe untereinander wie auf einem Stimmzettel auf die Betonwand gesprüht. Betroffen war auch Alfred Denzinger.

Die vier Farbanschläge auf das Haus und den Wagen Denzingers seien, so Beobachter News, den hinterlassenen Kürzeln und Symbolen wie Hakenkreuzen zufolge auf Neonazis zurückzuführen, die sich „Autonome Nationalisten Rems-Murr“ nennen. Die polizeilichen Ermittlungen nach den früheren Übergriffen führten offenbar nicht dazu, dass sich die Neonazis von weiteren Anschlägen abhalten ließen.
Auch ein Redaktionsmitglied des Online-Magazins aus Göppingen sei schon wiederholt Zielscheibe der Attacken von Neonazis geworden. Vor wenigen Tagen erhielt er eine „Empfehlung“ über Facebook: „du solltest dir polizei schutz besorgen“.

 

nach oben

weiterlesen

Mehr Sichtbarkeit für Frauen beim SWR

Der Südwestrundfunk (SWR) will den Frauenanteil in Radio, Fernsehen und Internet erhöhen und Frauen in allen Programmen sichtbarer machen. Daher stellt sich der Sender als erste Landesrundfunkanstalt der ARD der sogenannten 50:50-Challenge. Nach dem Vorbild der britischen BBC sollen alle Redaktionen ein Jahr lang freiwillig auf ein möglichst ausgeglichenes Geschlechterverhältnis in ihrem Programm achten. Das Mitmachen in den Redaktionen ist freiwillig.
mehr »

Sie haben Post! – Ein neuer Newsletter

Altbacken, langweilig und viel zu viele: Newsletter galten lange Zeit als überholt. Doch das hat sich geändert. Aus den USA kommt der Trend, dass auch einzelne Journalistinnen und Journalisten ihre Inhalte im Abo direkt an ihre zahlende Leserschaft ausschließlich mailen. Sie stehen weder im Netz noch in gedruckten Medien. Wer Insider-Infos für zahlungsbereite Kundschaft liefert, kann damit sogar Geld verdienen. Einfach ist das allerdings nicht.
mehr »

Neuer Tarifvertrag für Filmschaffende

Nach fünfmonatigen Verhandlungen gibt es einen Tarifabschluss für die rund 25.000 Filmschaffenden in Deutschland, der ab September gilt. Die ver.di FilmUnion erreichte gemeinsam mit der Schauspielgewerkschaft BFFS in Verhandlungen mit der Produzentenallianz Verbesserungen bei Arbeitszeiten, Freizeitphasen während der Dreharbeiten, Zuschlägen am Wochenende und bessere Bedingungen für Arbeitsverträge von Schauspieler*innen. Außerdem soll ab September über die Erhöhung der Gagen verhandelt werden.
mehr »

Filmtipp: Hinter den Schlagzeilen

Am 5. Mai 2021 startet das 36. DokFest München mit „Hinter den Schlagzeilen“, einem Film über die Arbeit zweier Investigativ-Journalisten der Süddeutschen Zeitung (SZ). Ihnen wurde 2019 das „Ibiza-Video“ zugespielt, das nach seiner Veröffentlichung den österreichischen FPÖ-Vizekanzler zu Fall brachte. Daniel Sagers Dokumentarfilm fängt die aufwändigen Recherchen in der SZ-Redaktion ein und macht so deutlich, wie wichtig seriöser Journalismus in Zeiten von Fake News und Social Media ist.
mehr »