Redaktionsstatut für die Berliner Zeitung

Sicherung von Qualität – kein Vetorecht in Chefredakteursfragen

Die Berliner Zeitung erhält ein Redaktionsstatut. Wie Redaktion und Verlag am 28. August gemeinsam mitteilten, soll das Regelwerk das gemeinsame Verständnis des Profils der Zeitung und die Qualität der journalistischen Arbeit definieren. Darüber hinaus regele das Statut die Zusammenarbeit zwischen Verlag und Redaktion.


Die Redaktion habe das von ihr verlangte Vetorecht bei der Berufung oder Abberufung des Chefredakteurs nicht durchsetzen können, sagte der Vorsitzende des Redaktionsausschusses, Ewald B. Schulte, dem epd auf Nachfrage. Jedoch trete das Statut schon zum 1. September in Kraft. Der neu zu wählende Redaktionsausschuss werde deshalb schon bei den anstehenden Etatverhandlungen für das Jahr 2007 mitreden können. In geheimer Abstimmung sei das Redaktionsstatus mit überwältigender Mehrheit angenommen worden.
Seit Anfang des Jahres war um das Redaktionsstatut gerungen worden. Nach der Übernahme der Berliner Zeitung durch die BV Deutsche Zeitungsholding, ein Konsortium von Finanzinvestoren, hatte die Redaktion damit journalistische Unabhängigkeit und Qualität sichern wollen. Nachdem der Verlag Ende Mai Josef Depenbrock zum neuen Chefredakteur ernannt hatte, protestierte die Redaktion. Die Zeitung erschien am 30. Mai nur mit einer zwölfseitigen Notausgabe.
Chefredakteur Depenbrock sieht mit dem Statut die Unabhängigkeit der Berliner Zeitung gestärkt. „Die Redaktion unter der Verantwortung des Chefredakteurs entscheidet frei und unbeeinflusst über die Inhalte der Zeitung“, sagte er. Peter Skulimma, Geschäftsführer des Berliner Verlags, hob den „großen Konsens“ aller Beteiligten hervor. Redaktionsvertreter Schulte sieht mit dem Statut den „hohen Qualitätsanspruch“ der Berliner Zeitung als „größte und führende Abonnementszeitung der Hauptstadt“ festgeschrieben.
Die Berliner Zeitung verkaufte im 2. Quartal dieses Jahres 179.626 Exemplare täglich, 132.425 davon im Abonnement. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum betrug der Rückgang bei den Abonnements 2,87 Prozent (Quelle: Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern).

Lili (epd Medien)

 

nach oben