Soziales Desaster für Filmschaffende

Mit „Verhartzung“ kaum noch Anspruch auf Arbeitslosengeld

Die Hartz-Gesetze zur Reform des Arbeitsmarktes gestalten sich für die Filmschaffenden zu einem sozialen Desaster und entziehen der Filmbranche das Fundament qualifizierter Fachleute.

Denn sie wissen nicht was sie tun … ! Wären Gerhard Schröder, Angela Merkel und Edmund Stoiber Filmschaffende, dann stünden sie ab 2004 ziemlich staunend vor ihrem Serviceberater der Arbeitsvermittlungsdienstagentur (ehemals Bundesanstalt für Arbeit). Dieser wird ihnen dann mitteilen müssen, dass ihr Anspruch auf Arbeitslosengeld der Vergangenheit angehört. Diese Grausamkeit aus Berlin setzt neue Maßstäbe für den sozialen Kahlschlag bei den deutschen Filmschaffenden. Die Neuregelung nach § 123f SGB II beschert den Filmschaffenden die nackte Tatsache, dass sie in Zukunft weiterhin fleißig in die Arbeitslosenversicherung einzahlen, aber nahezu keine Chance haben werden, jemals einen Anspruch auf das Arbeitslosengeld I zu erreichen. Verantwortlich für dieses soziale Desaster ist die Verkürzung der Rahmenfrist von drei auf zwei Jahre, in der ein Filmschaffender 360 versicherungspflichtige Beschäftigungstage nachweisen muss. Jeden zweiten Tag muss er im Durchschnitt beschäftigt sein. Dies erreichen nur die wenigsten, die sehr gut im Geschäft sind. Für die meisten Filmschaffenden liegen produktionsbedingt immer mehrere Wochen Arbeitslosigkeit zwischen den Filmen. An eine gesetzliche Sonderregelung glaubt hier niemand. Dennoch besteht im Vermittlungsausschuss die Chance zur Formulierung einer „Öffnungsklausel“ für eine entsprechende Verordnung, die einer Regelung für die Filmschaffenden Rechnung tragen sollte.

Weniger Versicherungszeiten

„Die Realität der Filmbranche weist mittlerweile eine tägliche Arbeitszeit von bis zu 14 Stunden und mehr auf, so dass, wie in Frankreich, eine aufs Jahr gerechnete Stundenzahl als Rahmenfrist getroffen werden müsste. Verschärft wird die Situation der immer kürzeren Drehzeiten dadurch, dass die Produktionsfirmen den Urlaubsanspruch ausbezahlen sowie Vor- und Nachbereitung teilweise überhaupt nicht mehr bezahlen“, kommentiert Olaf Hofmann vom verdi-Projekt connexx.av das brisante Thema. Die versicherungspflichtigen Zeiten schrumpfen dabei auf ein Minimum.

Folge der „Verhartzung“ der Filmbranche ist, dass alle auf Produktionsdauer Beschäftigten regelmäßig nur noch Anspruch auf das neue Arbeitslosengeld II (vermutlich Sozialhilfeniveau) haben werden. Hier kommt es aber zu einer Bedürftigkeitsprüfung, die für viele Filmschaffende bedeuten wird, dass sie ihre bisherigen Lebensversicherungen (LV) auflösen müssen. Dies ist dann der Fall, wenn der Rückkaufwert der LV den zulässigen Freibetrag pro Lebensjahr von e 200.- (im Gespräch sind hier wieder e 400.-) übersteigen. Filmschaffende werden darüber hinaus in andere Jobs vermittelt oder müssen aus existenziellen Gründen solchen nachgehen; der Filmbranche stünden sie dann ohne weiteres nicht mehr zur Verfügung.

„Wir brauchen jetzt das Wunder von Berlin“, bemerkt ein betroffener Filmschaffender ernüchternd. Die aktuelle Entwicklung zu dieser speziellen Problematik können interessierte Filmschaffende unter www.connexx-av.de weiter verfolgen.

 

nach oben

weiterlesen

Fakten, Fakten, Fakten – ein Allheilmittel?

Angriffe auf Journalisten, Morddrohungen gegen Politiker, eine „Bild“-Zeitung, die Wissenschaftler an den Pranger stellt und so die Szene der Corona-Leugner befeuert. Der harte Kern der Verschwörungsideologen ist mit den Mitteln der etablierten Medien, mit wahrheitsgemäßer Information nicht mehr zu erreichen, darin sind sich Wissenschaftler*innen und Journalist*innen einig. Öffentlich-rechtliche wie auch private Medien setzen dennoch verstärkt auf Faktenchecks. Nutzlos oder können sie doch helfen?
mehr »

Corona und kein Ende: Neustarthilfen 2022

Soloselbstständige, Freiberufler und kurz befristet beschäftigte Künstler*innen können seit dem 14. Januar für das erste Viertel des neuen Jahres Gelder aus der bundesweiten Neustarthilfe 2022 beantragen. Wenn die wirtschaftliche Tätigkeit corona-bedingt weiter eingeschränkt ist und der Umsatzeinbruch mindestens 30 Prozent beträgt, werden für den Zeitraum Januar bis März bis zu 4500 Euro gewährt. So gefördert werden insbesondere Soloselbständige, die nur geringe betriebliche Fixkosten haben.
mehr »

ver.di weist CDU-Pläne zum Rundfunk zurück

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) weist die Versuche der CDU in Sachsen-Anhalt entschieden zurück, Stimmung gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu machen oder und gar die Abschaffung des „Ersten“ der ARD zu betreiben. Es gelte das Grundrecht zur Rundfunkfreiheit sowie die Staatsferne und Programmautonomie von Rundfunk-Redaktionen, betont die Gewerkschaft zu gerade bekanntgewordenen Plänen aus dem sachsen-anhaltinischen Landtag.
mehr »

Bedenken bei neuem Medienstaatsvertrag

Am 19. November hat die Rundfunkkommission der Länder einen „Diskussionsentwurf zu Auftrag und Strukturoptimierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“ vorgelegt. Bis 14. Januar lief die öffentliche Konsultationsphase. Grundsätzlich begrüßen der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) und die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di den Entwurf zum neuen Medienstaatsvertrag und das Vorhaben, der digitalen Transformation der Anstalten einen rechtlichen Rahmen zu geben. Allerdings haben ver.di und der DGB neben einzelnen Ergänzungen bei anderen Vorschlägen verfassungsrechtliche Bedenken. 
mehr »