Starker Knoten im Netz

Selbstständigen-Erfolgsprojekt media fon in ver.di wird fortgeführt

Auch künftig soll es Anschluss und Auskunft bei media fon unter 01 85 05 / 75 44 44 geben. Zwar ist die mehrjährige Förderung des Beratungsnetzwerkes für Selbstständige in Medienberufen durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung Ende Januar ausgelaufen. Doch Erfolg und vor allem Notwendigkeit und Akzeptanz des Hilfsangebots für Freie drängen auf Fortführung.

Mikrounternehmen sind „zukunftsfähig, begründen die Dienstleistungswüste in Deutschland“, sagt Klaus Zühlke-Robinet vom BMBF-Projektträger beim Deutschen Zentrum für Luft-und Raumfahrt. Seit 91 sei ihre Zahl um ein Viertel, um 600.000 angewachsen. 170.000 Selbständige arbeiteten im Jahr 2000 allein in der Medienwirtschaft – Tendenz steigend. Viele Freie aber fühlen sich im luftleeren Raum schwebend. „Vereinzelung, unzureichende finanzielle und soziale Absicherung“ und die Arbeit auf einem „wenig bis nicht regulierten Markt“ benennt die wissenschaftliche Begleitforschung zu media fon als gravierende Probleme auf dem zum „überwiegenden Teil freiwillig“ gewählten Weg. Angestellte könnten sich auf Regularien stützen, für Selbstständige – davon rund 30.000 bei ver.di organisiert – müssten Gewerkschaften ein vergleichbares Netz erst knüpfen, meint ver.di Chef Frank Bsirske. „Media fon ist ein Knoten in diesem Netz.“

Die noch von der IG Medien initiierte Grundidee „Freie beraten Freie“ – über eine Telefonzentrale erfasste und zielgenau zu 16 Beraterinnen und Beratern mit unterschiedlichen beruflichen Qualifikationen weitergeleitete Fragen – ist aufgegangen. 10.500 Ratsuchende wählten seit Oktober 2000 die Nummer von media fon. Über 90 Prozent kamen aus der Zielgruppe der Medienschaffenden. Diese Kontakte mündeten in monatlich rund 250 Beratungen von durchschnittlich einer halben Stunde. Bis zu 60.000 Zugriffe verzeichnet die Internetseite www.connexx-av.de pro Monat. Gewerkschaftliche Mitgliedschaft war nicht Bedingung, um kostenlose Auskünfte (von den Telefoncents abgesehen) zu erhalten.

„Anfangs war es nicht einfach, zuzuordnen, wer für welche Antworten zuständig ist,“ erklärt media fon Projektleiter Gunter Haake. „Doch insgesamt ist unsere Trefferquote hoch.“ Inzwischen sei ein großer Wissenspool aufgebaut, jede geschulte Beraterin, jeder Berater könne auf Datenbanken, Mailing-Listen und „persönliche Telefonjoker“ zurückgreifen.

Gefragt wird quer Beet. Welche Honorare kann ich verlangen? Muss ich mich auf Dumping-Preise einlassen, um im Geschäft zu bleiben? Wie finde ich ein Marktsegment? Kann ich in die Künstler-sozialkasse? Wie sieht Altersvorsorge aus? Berater Goetz Buchholz, seit 25 Jahren freiberuflicher Journalist und Autor des Ratgebers Freie, unterscheidet drei Gruppen. Profis mit detaillierten Einzelfragen sei in wenigen Minuten geholfen. Bei Anfängern müsse man oft erst erfragen, was sie nicht wissen. Und eine dritte Gruppe habe einfach Kommunikationsbedarf, baue sich Erkenntnisse selbst zusammen. „Viele rufen unter großer Belastung an, empfinden es als demütigend, über Aufträge verhandeln zu müssen, haben ein schlechtes Gewissen bei Honorarforderungen,“ schildert Buchholz Gesprächssituationen. „Hier bauen wir Selbstbewusstsein auf, vermitteln Vorstellungen vom Wert der eigenen Arbeit.“

Hohe Erwartungen an erweitertes Angebot

Ein Fünftel der Anfragen bezog sich auf die KSK und die Sozialversicherung, 15 Prozent auf Honorare und Verträge, 12 Prozent aufs Urheber- und 10 Prozent aufs Steuerrecht. Auch die Expertinnen und Experten am Telefon gewinnen dazu. Beeindruckend sei das entgegengebrachte Vertrauen. Oft gibt es das Angebot, sich revanchieren zu wollen, sich mit dem eigenen Wissen einzuklinken.

So sollte das Netzwerk auch funktionieren, wünscht sich Gunter Haake. Doch noch sind diese Potenziale zu entwickeln. Es gibt einen Beschluss des Bundesvorstandes, das Projekt in die ver.di Alltagsaufgaben zu überführen. Denn die Erwartungen der „Solo-Selbstständigen ohne Beschäftigte“ sind hoch. So soll sich das Netzwerk gesellschaftspolitisch einmischen, sich für Mindestbedingungen und verbindliche Honorarsätze einsetzen, berufliche Weiterbildung und Informationsaustausch anbieten. „Da in allen Bereichen die Zahl der Selbstständigen wächst – wir haben unter ihnen Lastwagenfahrer, Postzustellerinnen, Kuriere, Versicherungsvertreterinnen und viele andere – muss das Angebot ausgeweitet werden,“ macht sich Veronika Mirschel, Referentin für Selbstständige beim Bundesvorstand stark. „Für hauptamtliche Gewerkschaftsfunktionäre ist zudem media fon Brücke zu den Selbstständigen.“ Der Nutzen ist erkannt, der Wille da, doch die Haushaltslage prekär. „Für 2005 ist noch nichts in trockenen Tüchern,“ sagt Mirschel, die sich Selbstständigenarbeit ohne media fon nicht mehr vorstellen kann. „Doch wir haben das System etwas umgebaut, es geht weiter.“ 2004 erst mal wie gehabt unter der bekannten Nummer: „Media fon, was kann ich für Sie tun?“

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Drei Fragen: Zu news aktuell

Seit gestern streiken die Mitarbeitenden der dpa-Tochter news aktuell in Hamburg. Sie fordern einen eigenen Tarifvertrag analog zur Muttergesellschaft. Die Geschäftsführung lehnte Tarifverhandlungen mit der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di bisher allerdings ab. Wir sprachen darüber mit Simon Schmitz von der ver.di-Tarifkommission.
mehr »

Gericht kassiert unfaire Klauseln

Der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) haben in erster Instanz gegen die Süddeutsche Zeitung GmbH. Das Landgericht München untersagte hat Süddeutschen Zeitung GmbH, mehrere Klauseln aus ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen für freie Journalist*innen zu verwenden.
mehr »

Tarifeinigung beim ZDF

ver.di und das ZDF haben sich in den Tarifverhandlungen auf einen Abschluss für die Beschäftigten verständigt. Die Vereinbarung hat eine Laufzeit von 29 Monaten vom 1. August 2026 bis zum 31. Dezember 2028. Leermonate gibt es nicht.
mehr »

Weimer macht schräge Vorschläge

Ver.di weist die Vorschläge von Wolfram Weimer vehement zurück, öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten zu privatisieren oder zusammenzulegen. Am Dienstag war bekannt geworden, dass der Staatsminister im Bundeskanzleramt für Kultur und Medien entsprechende Vorschläge kürzlich bei einer Tagung der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung unterbreitet hatte.
mehr »