Trends Politischer Kommunikation

Der Bundestagswahlkampf war gerade ein halbes Jahr vorüber, da organisierten Jenaer Studierende unter dem Namen „Forum-Medien-Politik“ im April 2003 einen großen Kongress zu den „Trends der politischen Kommunikation“. Sie erreichten ein großes studentisches Publikum. Sie hatten prominente Namen zu bieten. Aber sie hatten auch junge Leute als Referenten, die schon erste Erfahrungen mit Öffentlichkeitsarbeit hatten.

Der vorliegende Tagungsband, in dem das Organisationsteam als Herausgeber fungiert, ist allerdings kein Abbild der lebhaften Diskussion. Es fehlen die provokativen Ausführungen eines Moritz Hunzinger, es fehlen die Erklärungen des Polit-PR-Fachmanns Axel Wallrabenstein, warum ein erprobtes Konzept bei dem Berliner CDU-Kandidaten absolut nicht funktionierte. Wallrabenstein hat einen kurzen Aufsatz über die guten Berufschancen im Political Consulting beigesteuert.

Der Band ist nach den Beiträgen des Politikwissenschaftlers Ulrich Sarcinelli über die politische Kommunikation in Zeiten des Krieges und des Kampa-Chefs Matthias Machnig über den Modernisierungsdruck in sieben Kapitel eingeteilt: Symbolische Politik, politische Metakommunikation, Politikberatung, politische Werbung, Internet, Demoskopie und Ausblick. Interessant bei der Lektüre der Aufsätze ist, dass hier Beiträge von Journalistinnen und Wissenschaftlern, von PR-Beratern und Studierenden aufeinander folgen und verschiedene Blickwinkel bieten. Das fällt besonders bei der Demoskopie auf, wenn es um die Bedingungen von Umfragen, die Berichterstattung und die Kooperation mit Instituten geht. Dass in diesen Branchen die Vorwürfe des Zurechtbiegens hin- und hergereicht werden, ist wenig verwunderlich.

Spannend ist, wie stark die Polit-Berater die Flut und den Krieg im jüngsten Bundeswahlkampf als ausschlaggebend für den Schröderschen Endspurt veranschlagen, während die Demoskopen dies eher als zum üblichen Effekt zugunsten der Regierenden relativieren. Konstatiert wird, dass nun auch die Wahlkampfmacher im Licht der Öffentlichkeit stehen. Über sie wird teilweise mehr berichtet, sie werden häufiger in Talkshows gebeten, als die eigentlichen politischen Gladiatoren. Sag mir, wer deinen Wahlkampf leitet, und ich sag dir, wer du bist? In einem sind sich Politikberater und Politikbeobachter hier einig: Eine Kandidatin, ein Kandidat kann in einem gewissen Ausmaß gestylt und für das Fernsehen trainiert werden. Vollständig gegen das über Jahre entstandene Image kann sie oder er nicht umgemodelt werden.


Forum.Medien.
Politik (Hg.)
Trends der politischen Kommunikation.
Beiträge aus Theorie und Praxis, Band 6.
LIT Verlag. Münster 2004. 280 Seiten, 19,90 Euro.
ISBN 3-8258-7324-2

nach oben

weiterlesen

Corona-Debatte in einer Schieflage

Die Medien berichten häufig über die Proteste von Corona-Leugnern, Verschwörungstheoretikern und Rechtsradikalen gegen die Gesundheitsschutzregeln, aber nur wenig über die Haltung einer weit größeren Zahl von Menschen, die sich noch schärfere Corona-Maßnahmen wünschen. Ein Missverhältnis, das die Debatte verzerrt und Meinungen ausblendet.
mehr »

Wenn Bildredaktionen und Kompetenz fehlen

Abseits der bekannten Medien-Institutionen existiert eine Szene von NGOs, die unterschiedliche journalistische Aspekte bearbeiten. Eine davon ist n-ost mit einem Fokus auf Cross-Border-Journalismus und Osteuropa. Ihr vorrangiges Ziel war lange Zeit, deutsche Redaktionen mit Texten und Bildern aus Osteuropa zu versorgen. Inzwischen will man Auslandsjournalismus neu denken. Felix Koltermann sprach mit Stefan Günther, dem Bildredakteur der NGO, auch über bildredaktionelle Praxis von Medien allgemein.
mehr »

Kinogeschichte(n) aus Bielefeld

Wenn es um eine „Filmstadt“ geht, denkt man an Berlin, München, Hamburg, vielleicht noch Köln. Aber Bielefeld? Jene Stadt, die Berühmtheit erlangte, weil es sie angeblich gar nicht gibt? Eine Sonderausstellung im Historischen Museum der ostwestfälischen Metropole hält nun diesbezüglich unter dem Titel „Die große Illusion“ bis zum 25. April 2021 einige Überraschungen bereit.
mehr »

Stimmrechte bei VG Bild-Kunst übertragen

Die Verwertungsgesellschaft (VG) Bild-Kunst hat kürzlich Briefe mit den Unterlagen für die Mitgliederversammlung am 5. Dezember 2020 in Bonn verschickt. Wer – besonders in Corona-Zeiten – daran nicht teilnehmen kann oder möchte, hat die Möglichkeit, die eigene Stimme elektronisch abzugeben oder bis spätestens 2. Dezember an einen Verband zu übertragen. Außerdem wird es einen Live-Stream der Mitgliederversammlung im Hotel Hilton geben.
mehr »