Trimediale Teamplayer gefragt

Fortbildung nach dem Baukastenprinzip – Studie mit interessanten Ergebnissen

Mit der Digitalisierung der Medienlandschaft verändern sich auch die beruflichen Anforderungen an Journalisten. Eine europäische Studie zeigt: Monomediale Einzelkämpfer werden es schwer haben. Multimedial versierte Teamplayer sind gefragt. Ein modulares Weiterbildungskonzept soll die notwendigen Kompetenzen vermitteln.

Das eigene Internetportal hat sich für Medienunternehmen längst zum unentbehrlichen Zweitmedium mit eigenem Nutzerkreis entwickelt. Der Trend geht zur trimedialen Präsentation journalistischer Inhalte. Seit Anfang Mai zeigt der Kölner Stadtanzeiger das Tagesgeschehen auch als Video auf der Homepage. Publizistische Flaggschiffe wie die Süddeutsche, Stern und Spiegel betreiben seit Jahren eigene TV-Sendeplätze. Wenn Telekommunikationsgesellschaften Nachrichten in ihr online-Portal stellen und in Kooperation mit Sendeanstalten über wichtige Ereignisse auch per SMS und Handy-TV mobil informieren, verschwimmen die Grenzen zwischen den Anbietern. Neue Distributionswege für journalistischen „Content“ und seine möglichst lukrative Verwertung nach dem Motto „one content – all media“ verändern die Arbeitsprozesse in den Medienunternehmen. Von den Journalisten als „Contentlieferanten“ verlangen sie multimediale Kompetenzen, für die sie meistens nicht ausgebildet sind.

ver.di gehört zu deutschen Projektpartnern

Eine Studie im Rahmen des zweijährigen Pilotprojektes „Trimedial“, das vom Europäischen Berufsbildungsprogramm Leonardo da Vinci gefördert wird, beschreibt die Arbeits- und Qualifikationssituation von Lokal- und Regionaljournalisten in zwölf europäischen Ländern. Als deutsche Projektpartner hatten ver.di und die Deutsche Hörfunkakademie (DHA) in einer nicht repräsentativen Befragung von angestellten und freien Journalisten herausgefunden: Rund 83 Prozent von ihnen verfügen nur über eine monomediale Ausbildung, davon 60 Prozent im Printbereich. Gerade zehn Prozent hatten eine bimediale Ausbildung, und kaum sieben Prozent eine trimediale (HF/TV, online). Doch die große Mehrheit arbeitet bereits bimedial. Trotz unterschiedlicher Ausgangssituationen fallen die Ergebnisse der Studie in den zwölf beteiligten Ländern ähnlich aus.
„Dein Kamerateam wartet im Foyer.“ So habe für viele Radio-Freie im WDR-Studio Bielefeld überraschend die Fernsehkarriere begonnen, erzählt Claudia Fischer im ver.di-Freibrief. Heute sollen alle WDR-Landesstudios nach dem Bielefelder Beispiel bi- oder trimedial arbeiten. „Learning by doing“, heisse auch heute meistens: „Taught by the team. Fortbildungen gibt es nur ergänzend, wenn überhaupt“, berichtet Fischer. Monomediale Freie haben es zunehmend schwerer, sich auf dem Markt zu behaupten. „Selbst in der öffentlich-rechtlichen Berichterstattung ist der Hörfunkredakteur bereits mit einer Digi-Cam ausgestattet, um die Tonspur für den Hörfunkbeitrag und die Bilder für den Fernsehbeitrag zu verwenden. Bei den privaten Sendern produziert er seinen Beitrag ganz selbst“, sagt Sandra Uebbing von der DHA. Da jedes Medium eigene Qualifikationen erfordert, müssen sich Medienschaffende ständig fort- und weiterbilden, um den Anschluss nicht zu verlieren. Für die Freien ist das ein Problem, weil sie kaum Zugang zu den hausinternen Weiterbildungen der großen Medienanstalten und auch nicht immer die Chance auf den „Sprung ins kalte Wasser“ haben.
Als zweite Stufe des Trimdial-Projektes haben die europäischen Projektpartner nun ein berufsbegleitendes Weiterbildungskonzept entwickelt, das Lokaljournalisten mit Berufserfahrung für die konvergierende Medienwelt fit machen soll. Es besteht aus sechs Modulen, die unterschiedliche Fertigkeiten vermitteln: Basiskenntnisse und konzeptionelles Denken, technische Fähigkeiten, Schreiben für verschiedene Medien bis hin zu „Management Skills“ und dem Training von „Soft Skills“. Jedes Großmodul zergliedert sich in kleine Kompaktseminare von ein bis drei Tagen Dauer, die einen gezielten Einstieg je nach Vorkenntnissen erlauben. Ab nächstem Jahr soll es von verschiedenen Weiterbildungsträgern angeboten werden.

Gewerkschaft prüft Zuschüsse für Freie

Der Bedarf ist groß und der Charme des Konzepts liegt in den Zeit und Kosten sparenden Qualifikationsbausteinen, die sich jeder heraussuchen kann. Aber „mit der zunehmenden Verschlechterung der Einkommenssituation der Freien sinkt auch die Neigung zur Weiterbildung“, beobachtet Ulli Schauen von der verdi-Bundeskommission für Selbstständige. Sie müssen die Fortbildung nicht nur aus der eigenen Tasche bezahlen, sondern obendrein den Verdienstausfall kompensieren. „Vielleicht werden wir ein Modul in Kooperation mit der DHA exklusiv für verdi-Mitglieder anbieten und bezuschussen“, überlegt Jutta Klebon, im verdi-Landesbezirk NRW zuständig für Medienpolitik und Qualifizierung.
Die Trimedial-Studie zeigt, dass auf dem Medienmarkt in Europa immer weniger Journalisten eingestellt werden und die Zahl der Freelancer wächst. In Großbritannien sind es bereits 50 Prozent, in Ungarn sogar 60 Prozent, und in Deutschland nach KSK-Angaben auch schon etwa 45 Prozent. Ihr grundlegendes Problem bleibt ungelöst: Für die multimediale Verwertung ihrer Arbeit müssen sie sich auf eigene Rechnung qualifizieren. Doch den Gewinn durch die Mehrfachverwertung streichen häufig nicht sie selbst, sondern ihre Auftraggeber ein. Hier besteht noch Verhandlungsbedarf.

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