Hilfe bei Gewalt gegen Medienschaffende

Heike Kleffner im Portrait

Heike Kleffner vom Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer Gewalt e.V. Foto: Kay Herschelmann

Journalist*innen und Medienschaffende sind in ihrem Beruf besonderen Gefahren ausgesetzt. Im vergangenen Jahr ist die Zahl der digitalen, verbalen und physischen Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten in Deutschland abermals gestiegen. Expert*innen gehen außerdem von einer hohen Dunkelziffer aus. Heike Kleffner vom Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt e.V. erklärte in ihrem Workshop auf dem Journalismustag, wie Medienschaffende sich vor Angriffen und Bedrohungen im Netz und auf der Straße schützen können und wo es Unterstützung für Betroffene gibt und wie man seine Meldeadresse sperrt.

Eine kurze Abfrage unter den Teilnehmenden des Workshops genügt, und schon wird klar: Es betrifft alle. Nicht alle anwesenden Journalist*innen machen die gleichen Erfahrungen mit Hass im Netz, Anfeindungen auf der Straße oder sogar Bedrohungen am Wohnort. Aber alle kennen das Gefühl der Unsicherheit.

Insbesondere medienschaffende Frauen, People of Color, Jüd*innen und LGBTIQ seien Anfeindungen ausgesetzt, betonte Kleffner. Aber auch Journalist*innen, die zu bestimmten Themen berichten (z.B. Geflüchtete, Migration, AfD, Rechtspopulismus und Sexismus) sind von Hassrede betroffen. Darüber hinaus macht es einen Unterschied, ob Journalist*innen vorwiegend in Nachrichtenredaktionen arbeiten oder als Reporter*innen rausgehen. Dennoch betont Kleffer, dass Täter*innen meist nicht die Individuen meinten, Angriffe gelten einem abstrakten Feindbild. Medienschaffende würden als Repräsentant*innen einer verhassten Gruppe wahrgenommen. Rechte und Populisten trügen mit dem Lügenpressenarrativ massiv zu einer aggressiven Stimmung bei.

Viele Betroffene berichteten Kleffner zufolge von psychischen Belastungen durch Hasskampagnen im Netz und von Angriffen in der realen Welt. Kleffner riet, Bedrohungen und Angriffe zu melden und sich Hilfe bei Arbeitgebern und im sozialen Umfeld zu suchen. Je nach Situation könne auch eine psychologische Betreuung oder eine Traumaambulanz der richtige Anlaufpunkt sein.

Wo kann ich Hasskommentare melden?

Auf der Website www.schutzkodex.de finden Journalist*innen und andere Medienschaffende zum Beispiel Unterstützung, wenn sie Gewalt und Hetze erleben. Sie erfahren dort auch, ob ihr Arbeit- oder Auftraggeber dem „Schutzkodex für Medienschaffende in Bedrohungslagen“ beigetreten ist. Für betroffene Journalist*innen werden über die Website geschützte Online-Stammtische angeboten, damit sie Erfahrungen austauschen können. Auch staatliche und zivilgesellschaftliche Meldestellen (z.B. „Meldestelle gegen Hass im Netz“ oder „Keine Macht dem Hass“) bieten Unterstützung bei Bedrohungen im Internet. Bei Onlinewachen der Polizei und Staatsanwaltschaften können Vorfälle zur Anzeige gebracht werden.

Immer mehr Journalist*innen wollen auch ihren Eintrag beim Einwohnermeldeamt sperren lassen, weil sie bedroht werden. Das sei derzeit in vielen Bundesländern jedoch nicht einfach, räumte Kleffner ein. Doch die Sensibilität der Behörden für mögliche Gefahren sei gewachsen und auch rechtlich wurde nachgebessert.


Wie kann ich meine Meldeadresse sperren?

Eine wichtige Schutzmaßnahme gegen rechte Angriffe und Bedrohungen vor Ort und im Netz stellt in vielen Fällen die Sperrung der eigenen Meldeadresse dar. Hier finden Sie dafür eine Vorlage, die Ihnen dabei helfen kann, einen Antrag auf Sperrung Ihrer Meldeadresse nach §51 Bundesmeldegesetz zu stellen, um sich vor rechten, rassistischen und antisemitischen Drohungen und Angriffen zu schützen.

DOWNLOAD

 

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

KI-Resilienz im Journalismus

In der aktuellen KI-Debatte schenkt sich keiner was. Kaum taucht der Verdacht auf, ein Kollege habe ChatGPT oder Claude zum Schreiben mitgenutzt, beginnt vielerorts bereits die öffentlichkeitswirksame KI-Spurensuche.Die aktuelle KI-Debatte zeigt, warum Redaktionen endlich praxistaugliche Leitlinien für einen souveränen Umgang mit der KI brauchen.
mehr »

Bürgermedienplattform vor dem Aus

Die Bürgermedienplattform NRWision an der Technischen Universität (TU) Dortmund steht vor einer ungewissen Zukunft. Die nordrhein-westfälische Medienanstalt stellt Ende 2026 die finanzielle Förderung ein – nach dann fast 18 Jahren. Die Verantwortlichen versuchen, für eine Fortführung andere Geldgeber zu finden.
mehr »

Ein Preis mit hohem Preis

Die Berliner Autorin und Journalistin Marie von Kuck erhält für ihr Lebenswerk den Leipziger Medienpreis. Und kämpft zugleich ums Überleben. Warum sie die Auszeichnung mit gemischten Gefühlen entgegennimmt.
mehr »

WDR: Weitere Tarifverhandlungen

Der Tarifstreit beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) erreichte Mitte Juni eine neue Eskalationsstufe. Ein zweitägiger Warnstreik der Gewerkschaften ver.di, DJV und Unisono legte Teile des Programms lahm. Indes hatte der WDR sich in der vorangegangenen Verhandlungsrunde mit der VRFF (Vereinigung der Rundfunk-, Film- und Fernsehschaffenden) auf einen Abschluss geeinigt – ohne die drei Gewerkschaften einzubeziehen. Heute gehen die Verhandlungen mit den Gewerkschaften weiter.
mehr »