Vermischtes

Deutschlands größter PR-Lieferant offeriert Weihnachts-Schnäppchen: Öffentlichkeitsarbeiter können ein Sonderangebot der dpa-Tochter newsaktuell nutzen, und einen Text mit Bild für 630 statt 830 Euro verbreiten lassen. Der Abdruck kostet die Medien nichts. Product Manager Frank Schleicher preist den Vorteil: „Mit unserem Service übermitteln Sie Pressebild und -mitteilung direkt in die Redaktionssysteme der tagesaktuellen Medien hinein. Die Platzierung im Umfeld von Nachrichtenagenturen sorgt für optimale Resonanz.“

Noch stärker als beim Originalbildservice (obs) besteht der Trick beim Textservice ots darin, dass er in allen Redaktionen vermischt mit den journalistischen Meldungen der Deutschen Presse Agentur (dpa) auf die Computerbildschirme geliefert wird. Die beste PR kommt eben als Journalismus getarnt daher, wie newsaktuell in Seminaren und Workshops predigt. Jüngstes Beispiel bei „Das Pressefoto als PR-Instrument“. Dort empfahl dpa-Bilderdienst-Chef Bernd von Jutrczenka: „Ein gutes PR-Bild zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass es als solches nicht erkennbar ist.“. Und obs-Manager Schleicher sekundiert unter Hinweis auf den Bildhunger der Medien bei sinkenden Budgets: „Genau hier liegt die Chance für PR-Leute, da sie die Medien mit honorarfreiem Bildmaterial beliefern können.“
Welche Früchte diese Vermischung von Journalismus und PR trägt, war beim Rummel um den diesjährigen obs-Award für das PR-Foto des Jahres zu beobachten. In der Jury Bildchefs namhafter Medien, bei den Einreichern auch öffentlich-rechtliche Sender. Letztere und Hilfsorganisationen gewannen prompt ein paar vordere Plätze und bedankten sich mit kräftigem Wedeln. Die UNO-Flüchtlingshilfe jubelte „Bestes Pressebild des Jahres“ in der Überschrift ihrer – natürlich über ots verbreiteten Pressemitteilung – und enthüllte im Text zugleich ihre Verwirrung mit dem Eingeständnis, es sei „das beste PR-Bild des Jahres“. Ja, was denn nun: Presse- oder PR-Bild? Egal: Hauptsache „Bestes des Jahres“! Während andere, darunter das ZDF, vornehm schwiegen, konnte sich der rbb im „Knut“rausch nicht bremsen und feierte seinen Sieg in der Kategorie „Programm- und Zeitschriften-PR“ via ots-Mitteilung. Als Gebührenzahler erwartet man aber von so einem Sender eigentlich, dass er Siege bei Journalismus- und Filmwettbewerben feiert. Bleibt die Frage: Wohin schleicht der Fotojournalismus in Deutschland?

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