Wechselvolle Geschichte

Das IIJB bildet seit 50 Jahren Journalisten in Entwicklungsländern aus

Die Geburtstagsparty zum 50. führt zurück zu den Wurzeln: Ins idyllische Buckow in der Märkischen Schweiz. Dort fand im November 1963 der erste von vielen Lehrgängen statt, in denen das Internationale Institut für Journalistik Berlin Brandenburg (IIJB) Journalisten aus Entwicklungsländern aus- und weiterbildete. Bald bezog das Institut eine Villa im Berliner Stadtteil Friedrichshagen. Ein weiterer Wechsel erfolgte 1998, nachdem das Institut im brandenburgischen Hoppegarten einen Neubau errichtet hatte. Kurz hinter der Berliner Stadtgrenze hat das IIJB, ein Verein mit heute ca. 15 Mitgliedern, bis heute seinen Sitz.

Multimedia-Kurs in Uganda mit Andrea Marshall (RBB) Foto: IIJB
Multimedia-Kurs in Uganda mit
Andrea Marshall (RBB)
Foto: IIJB

Lange ruhte die Arbeit des IIJB auf zwei Säulen: Die erste Säule bildeten Lehrgänge in Deutschland. Die Lernwilligen kamen, um sich mit neueren Entwicklungen vertraut zu machen. „Bis 2007 haben wir hier Menschen aus Afrika, Asien und Lateinamerika in Kursen à 15 Leuten unterrichtet“, erzählt Rüdiger Claus, Vorstand des IIJB. Dann zwangen knapper werdende Mittel das Institut, die Kurse in Deutschland aufzugeben.
1990 war das IIJB mit einem ansehnlichen Betrag gestartet: Rund elf Millionen D-Mark hatte es aus einem Solidaritätsfonds erhalten, in den zu DDR-Zeiten Spendenmittel für die Weiterbildung von Dritte-Welt-Journalisten aus Lotterien und Solidaritätsveranstaltungen geflossen waren. Die verbliebenen Mittel wurden ans IIJB weitergegeben. Die Treuhand beanstandete den Transfer nicht und gab die Mittel 1991 frei. „Dieses Finanzpolster haben wir gemäß der Spenderabsicht sparsam verwaltet und genutzt. Eigentlich ein Wunder, dass nach 23 Jahren noch etwas übrig ist“, so Claus. Davon zahle man die nicht sehr üppigen Honorare sowie die Reisekosten. „Wenn das Vereinskapital aufgebraucht ist, wird der Verein aufgelöst und die Arbeit eingestellt, sagt Claus lakonisch.

Förderung

Fototraining in Uganda Foto: IIJB
Fototraining in Uganda
Foto: IIJB

Die Kurse selbst wurden vor allem von Stiftungen gefördert: der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Heinrich-Böll-Stiftung und der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Auch das Auswärtige Amt förderte Einiges. Allerdings sprudelten die Quellen immer spärlicher. „Die Förderschwerpunkte haben sich verändert“, so Claus. So verkleinerte sich das Institut – aktiv arbeiten neben Rüdiger Claus nur noch die Radiojournalistin Angelika Schulze sowie gelegentlich eine RBB-Kollegin und ein älteres Fotografen-Ehepaar mit.
Seitdem es keine Kurse in Hoppegarten mehr gibt, konzentriert sich das IIJB auf die zweite Säule seiner Arbeit: Von jeher bestand sie darin, in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern Kurse vor Ort durchzuführen. Von 2008 bis 2011 waren dies vor allem von der Rosa-Luxemburg-Stiftung finanzierte Projekte in Nepal.

Training of Trainers bei Radio Palung in Nepal Foto: IIJB
Training of Trainers bei Radio Palung in Nepal
Foto: IIJB

2012 gelang es, die zu groß gewordene Immobilie in Hoppegarten zu verkaufen, das Institut wurde Mieter im ehemals eigenen Haus. Mit den Mitteln aus dem Hausverkauf kam Afrika wieder ins Spiel. Im Juni 2012 reisten Schulze und Claus zu einer „Fact Finding-Tour“ nach Ostafrika, wo seit 1990 der Brennpunkt ihrer Arbeit gewesen war. Über ehemalige Absolventen knüpften sie Kontakte. „Frühere Kursteilnehmer haben für uns ein Besuchsprogramm bei ihren Medien organisiert, wir waren in etlichen Zeitungsbüros und Radiostationen. Wir wollten herausfinden, in welchen Bereichen Bedarf besteht“, berichtet Schulze. Ganz wichtig sei die Suche nach lokalen Partnern gewesen. In Kampala gelang es schließlich, mit „New Vision“, einem halbstaatlichen Medienkonzern für Print- und Rundfunk, ein über fünf Jahre laufendes „Memorandum of Understanding“ für die Fortbildung der Mitarbeiter zu unterzeichnen.

Abschluss Feature Produktion in Kathmandu Foto: IIJB
Abschluss Feature Produktion in Kathmandu
Foto: IIJB

Die Aktiven des IIJB waren glücklich, als es 2013 in Kampala endlich wieder losging: Rüdiger Claus vermittelt seitdem Bildjournalisten das aktuelle Know-how der digitalen Fotografie, Angelika Schulze macht vor Ort und per E-Learning Radiomacher fit darin, selbst Radiojournalisten auszubilden. Rundfunk und Bildjournalismus – auf diese Bereiche konzentriert sich das Institut: Fernsehen habe man aufgegeben, weil die benötigte Technik zu teuer wurde, für Print sei der Bedarf nicht mehr so groß, sagt Claus. Im März 2013 konnte das IIJB beim Daily Monitor, einer Konkurrenzzeitung von „New Vision“, einen Auftrag für weitere Fototrainings erlangen.

Beachtliche Karrieren

Was der Aufenthalt im Lande bewirkt, ist schwer zu ermessen. Mehr oder weniger zufällig erfahre man von beachtlichen Karrieren – etwa als Bildchef oder als Abteilungsleiter einer Radiostation, so Claus. „Manche Teilnehmer schreiben uns nach Jahren und bedanken sich“, freut sich Schulze. In Nepal haben frühere Teilnehmer sogar ein Absolventen-Netzwerk gegründet.
Manchmal fragen sich Claus Rüdiger und Angelika Schulze, warum sie diese Arbeit überhaupt machen. Die Antwort geben sie sich selbst: „Weil es sinnvoll ist“, sagt sie, „weil es notwendig ist“, sagt er. Für die Zukunft wünscht sich Claus, dass das IIJB mit neuen Partnern in Afrika und in Indien seine Arbeit fortsetzen kann. Angelika Schulze möchte vor allem die Methode des E-Learnings verfeinern. Im März 2014 macht sich das Team wieder auf den Weg nach Afrika, um Radio, Bild- und Onlinejournalisten auszubilden. Dann wollen sie auch in Kenia mit den Herausgebern von Daily Nation und The Star reden.


nach oben

weiterlesen

Neuer Anlauf für ein Whistleblowergesetz

„Ein schlechtes Signal an Diktatoren“ nannte es Christian Mihr, Geschäftsführer von „Reporter ohne Grenzen“, dass Deutschland Whistleblower*innen so schlecht schützt und die entsprechende EU-Richtlinie in dieser Legislaturperiode nicht umgesetzt hat. Als „Chance“ bezeichnete es die Vorsitzende des Netzwerks Whistleblowing, Annegret Falter, im Wahlkampf verstärkt für ein Gesetz zu motivieren und möglichst auch Schwachstellen der EU-Richtlinie zu verbessern.
mehr »

Aus für Hongkonger Zeitung „Apple Daily“

Die Zeitung „Apple Daily“ ist eines der wenigen staatskritischen und prodemokratischen Medien in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong. Während der monatelangen Proteste in der Metropole hatte die Zeitung stets berichtet und positionierte sich für die Demokratiebewegung. Nun muss die Zeitung nach 26 Jahren ihren Betrieb einstellen. Grund dafür seien Sorgen um die Mitarbeiter*innen und deren Sicherheit, teilte das Medium auf seiner Website mit. Am heutigen Donnerstag erscheint sie zum letzten Mal.
mehr »

Auch intern unbequem

„Panorama“ ist nicht das erste, aber das älteste Politikmagazin im deutschen Fernsehen. Und es hatte eine schwere Geburt. Was da am 4. Juni 1961 auf dem Bildschirm in Schwarz-Weiß Premiere feierte, war ein ziemlich unverdaulicher Kessel Buntes aus aktueller Politik, Auslandsreportage und Unterhaltung. Doch schon bald hatte „Panorama“ seine erste Sternstunde.
mehr »

Zwischen Utopie und Realität

Vor 75 Jahren, am 17. Mai 1946, schickte der Münchner Kabarettist Werner Finck ein launiges Telegramm nach Babelsberg: „Ein ferner Wink von Werner Finck, damit das Ding Euch wohl geling.“ Gemeint war die Deutsche Film-A.G., kurz DEFA genannt, die erste deutsche Filmfirma nach dem Zweiten Weltkrieg, die an jenem Tag eine Lizenz zur „Herstellung von Filmen aller Art“ erhielt. Neben deutschen, darunter auch einigen aus dem Exil zurückgekehrten Filmschaffenden waren Kulturoffiziere der Sowjetischen Besatzungszone maßgeblich an der Gründung beteiligt. Und doch verstand sich die DEFA zunächst als gesamtdeutsches Unternehmen. Viele der frühen, hochfliegenden Träume endeten…
mehr »