Zweitbestes Ergebnis

VG Wort: Wahlen, Beschlüsse und heftige Diskussion

Mit Erlösen von 131,7 Millionen Euro erreichte die Verwertungsgesellschaft Wort 2010 ihr bislang zweitbestes Ergebnis. Auf den Versammlungen am 20. und 21. Mai in München spielte der Geschäftsbericht allerdings kaum eine Rolle.


Zu groß war der Abstand zum Ausnahmejahr 2009, in dem eine Nachzahlung von 282 Millionen Euro Urhebervergütungen für Multifunktionsgeräte für frühere Jahre zu Erlösen von mehr als 434 Millionen Euro geführt hatte. Zudem standen die Neuwahlen der Delegierten der Wahrnehmungsberechtigten und der Mitglieder des Verwaltungsrats an sowie umfängliche Änderungen und Ergänzungen im Wahrnehmungsvertrag und den Verteilungsplänen.
Besonderheiten gab es im Geschäftsjahr 2010 der VG Wort kaum. Mit über 66 Millionen Euro sind wiederum die Reprografie-Vergütungen für das Vervielfältigen von Texten der größte Einnahmeposten. Im audiovisuellen Bereich gibt es jetzt zwar endlich erste Einnahmen für PCs, Speicherkarten und USB-Sticks, die Aufteilung innerhalb der für die Verwertungsgesellschaften verhandelnden ZPÜ kann aber erst nach einer Studie im Sommer 2011 geregelt werden.
Immerhin ging eine Nachzahlung für 2002 bis 2007 ein, aus der rund 15 Millionen Euro in den Bereich Hörfunk / Fernsehen fließen. Hier stiegen die Einnahmen insgesamt von 10,8 auf 26,8 Millionen Euro. Damit werden die sinkenden Ausschüttungsbeträge an Drehbuch- und Synchronautoren aber nur zum Teil ausgeglichen werden können.

Kontroverse um Presse-Repro

Eine heftige Diskussion gab es über die Regelungen zu Presse-Repro und Pressespiegeln. Hier hatten Mitglieder der FAZ-Redaktion beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) interveniert, da sie bei der großen Repro-Nachausschüttung leer ausgegangen waren. Denn beide Bereiche waren bisher verknüpft, man erhielt nur die jeweils höhere Ausschüttung und im Unterschied zu Pressespiegeln, die automatisch erfasst werden, sind im Presse-Repro Meldungen notwendig.

Zustimmung fand zwar die „Maßgabe“ der Aufsichtsbehörde, künftig beide Bereiche im Verteilungsplan zu trennen (mit jeweils eigenen Ausschüttungen) und aus Rückstellungen für „Pressespiegel-Leute“ für 2002 bis 2007 Tantiemen auszuschütten, nicht jedoch der „Vorschlag“ des DPMA, zwei Drittel der Presse-Repro-Vergütung für 2010 in den ohnehin besser vergüteten Pressespiegel-Bereich zu verschieben.
Nach Intervention der Berufsgruppe 2 (Journalisten) einigte man sich darauf, die Trennung beider Bereiche bereits für 2010 anzuwenden. Dies führt allerdings dazu, dass die Presse-Repro-Ausschüttung mit geringer Quote erst in diesem Herbst gemeinsam mit der METIS-Ausschüttung erfolgt. Eine Nachausschüttung wird es dann nach Ablauf der Repro-Meldefrist im Jahr 2013 geben. Keine Mehrheit fand in bei den Journalistender eine vorgesehene Regelung im Verteilungsplan, die METIS-Ausschüttung im Verhältnis 40 zu 60 Prozent zwischen Verlagen und Autoren festzuschreiben. Es bleibt für 2011 beim bisherigen befristeten Aufteilungsschlüssel.    

Ausschüttungsquoten 2011 für 2010 für Urheber/innen in Euro (= 2009;2008)

Pressespiegel: Sockel 75,00 (100,00; 80,00) / Punktewert 4,50 (5,20; 5,20)
Elektronische Pressespiegel: Faktor 2,20 (2,20; 2,20)
Presse-Repro: Punktewert 4,50 (21,00; 8,20)

Bibliothekstantieme: mindestens 73,40 (116,90; 73,05)
Beiträge Wissenschaft: pro Normseite 4,00 (6,60; 3,00)
Buch Wissenschaft: 800,00 (1200,00; 500,00)
Broschüre Wissenschaft: pro Druckseite 6,00 (9,90; 4,50)
Hörfunk: 10-Punktewert 1,50 (1,50; 1,80)
Fernsehen: 10-Punktewert 0,35 (0,30; 0,55)

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Funke-Zeitung nutzt  Tendenzschutz für Kündigung – erfolglos

Die Thüringer Mediengruppe des Funke-Konzerns will eine Redakteurin loswerden, die gegen die publizistischen Leitlinien ihrer Zeitung verstoßen haben soll. Die beanstandeten Artikel zu den Grundrechtseinschränkungen des letzten Winters wurden nun aber in einem Urteil des Arbeitsgerichts Gera am 24. November für in Ordnung befunden und die Kündigungsschutzklage der Journalistin erfolgreich beschieden.
mehr »

ver.di: KSK-Novelle bringt mehr Sicherheit

ver.di hat die vom Deutschen Bundestag beschlossenen Anpassungen im Künstlersozialversicherungsgesetz (KSVG) begrüßt, die am 1. Dezember im Rahmen einer umfassenden Novelle des Vierten Buches im Sozialgesetzbuch verabschiedet wurden. Es sei ein wichtiger Schritt zu mehr Fairness, dass über die Künstlersozialkasse versichert bleiben soll, wer im Hauptberuf künstlerisch oder publizistisch tätig ist, heißt es in einer Pressemitteilung.
mehr »

Umfrage: SoloS sollten mehr über Geld reden

7250 Honorardatensätze zeigen: Solo-Selbstständigkeit ist überwiegend „kein faires Geschäftsmodell“. Trotz hoher fachlicher Qualifikation und langjähriger Berufserfahrung würden Kreative nicht leistungsgerecht entlohnt. Zu diesem nicht überraschenden, doch ernüchternden Fazit kam eine Podiumsrunde im Leipziger Haus der Selbstständigen bei der Auswertung einer branchenübergreifenden Honorarumfrage, der sich 54 Gewerkschaften, Berufsverbände und Interessenvertretungen Solo-Selbstständiger anschlossen.
mehr »

Wie Journalismus durch Krisen helfen kann

Klima, Corona, Krieg in der Ukraine – angesichts der vielen Krisen interessiert sich das Medienpublikum immer weniger für Nachrichten, denn diese machen mit ihren Negativschlagzeilen mutlos und zeigen kaum Handlungsoptionen. Der Druck auf Journalist*innen wächst, ihre Berichterstattung stärker auf die Bedürfnisse der Menschen auszurichten. Wie konstruktiver Journalismus dazu beitragen kann, diskutierten Wissenschaftler*innen und Medienpraktiker*innen auf einer Fachtagung von NDR Info und Hamburg Media School.
mehr »