Die Klarnamendebatte

Die junge österreichische Journalistin Ingrid Brodnig ist in ihrem Buch „Der unsichtbare Mensch – Wie die Anonymität im Internet unsere Gesellschaft verändert“ der Frage nachgegangen, wie es kommt, dass anonyme Kommentare im Internet zuweilen in hasserfüllte Zügellosigkeit ausarten und was man dagegen tun könne.

Ingrid Brodnig Der unsichtbare Mensch. Wie die Anonymität im Internet unsere Gesellschaft verändert. Czernin Verlag. Wien 2013. 176 Seiten. Buch 18,90 Euro; ISBN: 978-3-7076-0483-2; E-Book 14,99 Euro; ISBN: 978-3-7076-0484-9

Brodnig konstatiert: Augenkontakt hat eine aggressionshemmende Wirkung, der fehlt hier. Und sie überlegt, ob man Online-Signale einbauen könne, die non-verbale Zeichen ersetzen?
Hass hat im Internet eine extrem ansteckende Wirkung, sieht Brodnig und beobachtet ein Umdenken in der Medienbranche: Immer mehr Medien und Online-Dienste wollen die Störer und Trolle nicht länger hinnehmen, schließen ihre Kommentarspalten. Doch die Autorin ist nicht dafür, die Anonymität abzuschaffen, sondern als User mehr Verantwortung zu übernehmen. Ihre These: Nicht die Anonymität ist das Kernproblem der Aggressivität im Netz, sondern das Gefühl der Unsichtbarkeit. „Zunehmend geht es um die Frage, welche Regeln und Normen die Community braucht und wie die Bedürfnisse des Einzelnen mit denen der Gemeinschaft zu vereinbaren sind. Das ist der Grund, warum die Klarnamendebatte mit so viel Leidenschaft und Vehemenz geführt wird, geht es doch dabei um das Miteinander und um die Machtverhältnisse zwischen Individuum, Gesellschaft und Staat.“ Ein spannendes, lesens- und nachdenkenswertes Buch mit vielen interessanten Beispielen.

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Haltestelle verpasst

Der digitale Omnibus der EU droht Grundrechte zu verwässern. Er enthalte eine Reihe technischer Änderungen an digitalen Rechtsvorschriften, die ausgewählt worden seien, um „Unternehmen, öffentlichen Verwaltungen und Bürgern gleichermaßen Soforthilfe zu bieten und die Wettbewerbsfähigkeit zu fördern,“ schrieb die EU- Kommission im Dezember vergangenen Jahres.
mehr »

BPK: Umstrittene Mitgliedschaft

Sachlich, an Tatsachen orientiert und fair – diesen Anspruch erhebt die Bundespressekonferenz (BPK), der Verein der Hauptstadtpresse, für die Berichterstattung ihrer Mitglieder. Parallelmedien haben dort dennoch einen Fuß in der Tür. Und werden damit normalisiert.
mehr »

Kämpferischer Auftakt im ÖRR

In politisch umkämpften Zeiten beginnen auch im ÖRR die Tarifverhandlungen. Ver.di ruft die Hamburger Beschäftigten beim NDR daher heute zum Warnstreik auf. Er beginnt am Dienstag und endet am Mittwoch um 1.30 Uhr. Seit Februar läuft der Tarifkonflikt um die Gehälter, Honorare und Ausbildungsvergütungen der rund 5.000 festen und freien NDR-Beschäftigten.
mehr »

Medizinische Hilfe wird verweigert

Willkürlich inhaftiert zu sein ist das eine, in der Haft krank zu sein und die dringend erforderliche medizinische Versorgung nicht zu erhalten ist das andere. Genau das müssen gerade mehrere Journalist*innen in Aserbaidschan erleiden.
mehr »