Geheimsache NSU

„In der Öffentlichkeit bestehen und wachsen noch die Zweifel daran, dass die quasi staatsoffizielle NSU-Version auch die tatsächliche ist.” So der freie Journalist Andreas Förster im Vorwort zu dem spannenden Sammelband, der diese Zweifel mit vielen Fakten nährt.

Andreas Förster (Hrsg.): Geheimsache NSU: Zehn Morde, von Aufklärung keine Spur. AutorInnen: Frank Brunner, Esther Dischereit, Hajo Funke, Manfred Gnjidic, Anton Hunger, Thomas Moser, Rainer Nübel, Thumilan Selvakumaran, Ahmet Senyurt. Verlag: Klöpfer & Meyer, Waldachtal 2014. 315 Seiten. 22 Euro

In 15 flott geschriebenen Beiträgen präsentieren zehn AutorInnen alte und neue Puzzlesteine zur rassistischen Mordserie des Nationalsozialistischen Untergrunds NSU, die 2011 aufflog. Sie decken Ungereimtheiten auf zu den Verbrechen der Neonazis und analysieren die Verstrickung von Verfassungsschutz und rechtsterroristischen Netzwerken, die Machtlosigkeit der Untersuchungsausschüsse und den NSU-Prozess in München, in dem die Nebenkläger bei der Wahrheitssuche brillieren.
Anders die schreibende Zunft. Anton Hunger verdeutlicht am Beispiel des Heilbronner Polizistenmords, wie sich Medien von Behörden instrumentalisieren lassen. Zum Hintergrundgespräch bei der Bundesanwaltschaft geladen, übernehmen die meisten Journalisten deren Zwei-Täter-Theorie. Sie erfüllen eine vermeintliche „Bringschuld”, um die Quelle exklusiver Informationen nicht versiegen zu lassen. Rainer Nübel, der aufgrund seiner Recherchen die Version der Bundesanwaltschaft mutig anzweifelt, wird als „Fälscher” diskreditiert – Journalistenkollegen distanzieren sich von ihm. Er schildert seine Betroffenheit, Wut und Ohnmacht: „Ich schäme mich. Auch für den Zustand meiner Branche.”
Dieses Buch ist ein Politthriller und zugleich ein Lehrstück für mehr Zivilcourage – in Politik und Medien.

 

 

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