Editorial: Kein Stillstand in der Krise

CBS-Reporterin Katie Nielsen wird während einer Kundgebung in Oakland (Kalifornien) festgenommen. Bei den landesweiten Protesten gegen Rassismus und Gewalt nach dem Mord an George Floyd geht die Polizei nicht nur gegen Demonstranten brutal vor, sondern auch gegen Medienschaffende. Sie werden massiv an ihrer Arbeit behindert, einige wurden teilweise schwer verletzt.
Foto: Stephen Lam/REUTERS

Es gibt keine Ausgabe des M-Magazins und kaum eine Woche auf M Online ohne aktuelle Berichte über Verletzungen der Pressefreiheit. Wie gewalttätig die Polizei derzeit in den USA mit Demonstrant*innen und Journalist*innen bei den Protesten gegen den Mord an Georg Floyd umgeht, ist unerträglich. Sie schießen mit Gummigeschossen auch auf Medienschaffende, eine Journalistin wurde dabei an einem Auge schwer verletzt. Mehr dazu auf M Online unter dem Titel „Kultur der Straffreiheit statt Pressefreiheit“ (https://mmm.verdi.de). In vielen Staaten wird zudem die Corona-Krise genutzt, um mit Hilfe verschärfender Gesetze freie Meinungsäußerungen einzuschränken, wie aktuell in Kuba (S. 30/31).

Leider mehren sich auch in Deutschland tätliche Angriffe auf Berichterstatter*innen. Sie kommen meist aus dem rechten Spektrum wie Mitte Mai und Anfang Juni gegen Fernsehteams des ZDF. Und sehr oft greift die Polizei nicht konsequent ein oder sieht sogar weg. Auch sie selbst behindert noch zu oft Journalist*innen bei ihrer Arbeit, erkennt Presseausweise nicht an, wird übergriffig, mitunter gewalttätig – so wie gegen eine Journalistin in Frankfurt am Main, die M ihre „Begegnung“ mit der Polizei während einer friedlichen Demonstration schildert (S. 16).

Die Corona-Krise fordert allen viel ab. Der Shutdown hinterlässt auch in der Medienbranche tiefe Spuren. Bei so manchem Selbstständigen sinkt das Einkommen auf Null, weil es keine Aufträge gibt. Trotz hoher Klickzahlen setzen viele Verlage ihre Freien ganz frei und die Redakteur*innen auf Kurzarbeit. Um Aufstockungen des mageren Gehalts müssen Betriebsräte hart verhandeln, die Bereitschaft der Verleger ist gering. Hilfen aus den Staats- und Ländersäckeln greifen – bedauerlicherweise aber oft zu kurz. (S. 23 – 25) Und die Tarifverhandlungen für Zeitungsjournalist*innen will ver.di mit dem Blick auf die Perspektive nach Corona gestalten – eine ganz besondere Herausforderung (S. 22).

Auch Berufsschüler*innen standen im März vor den geschlossenen Türen ihrer Bildungszentren. Stillstand gibt es jedoch nicht. Man trifft sich im digitalen Lernraum, Lehrer*innen greifen zu neuen didaktischen Formaten, Prüfungen werden verschoben … (S. 6 – 9). Ausbremsen gilt auch bei der Ausbildung im Bühnenservice bei der Stiftung Oper in Berlin nicht. Kreativität ist gefragt (S. 10/11).

 

nach oben

weiterlesen

Neue Publik-Chefin

Maria Kniesburges war seit 2007 Chefredakteurin der ver.di publik und der ver.di news. 14 Jahre lang prägte sie die ver.di-Medienlandschaft. Jetzt ist sie in den Ruhestand gegangen. Ihre Nachfolgerin Petra Welzel ist seit dem 1. September im Amt. Die Kunsthistorikerin und Journalistin hat mehr als 30 Jahre journalistische Erfahrung. Seit ver.di-Gründung ist sie Chefin vom Dienst der ver.di publik, mittlerweile auch für verdi.de und verdi.tv. Sie hat entscheidend dazu beigetragen, dass sich die ver.di-Medien weiterentwickelt haben und den Herausforderungen der Gegenwart mit ihren zahlreichen Kommunikationskanälen gerecht werden. Denn die Ansprüche an Kommunikation haben sich seit der…
mehr »

Abschied von Fritz Wolf

Wir trauern um unseren Autoren Fritz Wolf. Er starb am 29. August im Alter von 74 Jahren nach schwerer Krankheit. Sein Thema war der Dokumentarfilm. Kritisch benannte Wolf immer wieder die mangelnde Wertschätzung dieses Filmgenres, die sich unter anderem in zu wenig und zu späten Sendezeiten im Fernsehen sowie in nicht ausreichender Förderung manifestierte. Mit so manchem Filmtipp in M verschaffte er einer Doku mehr Aufmerksamkeit, regte an, sie zu schauen. Fritz Wolf war auch Autor für epd medien, verfasste verschiedene Studien und war viele Jahre aktiv in Gremien des Grimme-Preises. Wir werden ihn vermissen.    
mehr »

Fairnesspreis für‘s Brücken bauen

Regisseur Henning Backhaus wurde am 3. September für seinen Kurzfilm „Das beste Orchester der Welt“ mit dem Deutschen Fairnesspreis Film und Fernsehen geehrt. „Brücken bauen“ war 2021 das Motto des von der ver.di FilmUnion und dem Schauspielverband BFFS seit 2019 gemeinsam ausgelobten Preises. Er wurde neben acht Kategorien und weiteren Spezialpreisen im Rahmen der Verleihung des Deutschen Schauspielpreises im Berliner Club Spindler&Klatt vergeben. Partner war in diesem Jahr das „Projekt Zukunft“, eine Initiative der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe. Im ausgezeichneten Film geht es um einen Kontrabassisten – eine Socke, Ingbert Socke! Bei…
mehr »

Podcast-Markt greifbar

Den richtigen Ton treffen“, so ist die Studie über den Podcast-Boom in Deutschland überschrieben, die Lutz Frühbrodt und Ronja Auerbacher für die Otto-Brenner-Stiftung (OBS) erstellt haben. Es ist die bislang sicher beste Arbeit, die versucht, das Phänomen Podcast zu ergründen, zu beschreiben und auszuwerten. Auch wenn das am Ende nicht vollständig gelingen kann, weil die Bandbreite der Podcasts viel zu divers ist, ist es ein gelungener Versuch der Annäherung, den Podcast-Markt greifbar zu machen.
mehr »